Schulschließung wegen Corona trifft Familien mit voller Wucht

Der letzte Gang zur Schule:Gestern besuchten Mädchen und Buben im Landkreis letztmalig für fünf Wochen den Unterricht. Jetzt müssen sie ihr Lernpensum selbst organisieren, Eltern sich um eine Betreuung kümmern. Foto picture Alliance/DPA
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Der letzte Gang zur Schule:Gestern besuchten Mädchen und Buben im Landkreis letztmalig für fünf Wochen den Unterricht. Jetzt müssen sie ihr Lernpensum selbst organisieren, Eltern sich um eine Betreuung kümmern. Foto picture Alliance/DPA

Ab Montag bleiben alle Schulen geschlossen. Das stellt vor allem Familien mit kleinen Kindern vor Probleme. Sie müssen die Betreuung organisieren und sicherstellen, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können.

Mühldorf/Neumarkt-St. Veit/ Waldkraiburg –  Agnes Pfaffinger ist hochschwanger. Die 39-jährige Mühldorfin wartet auf den Kaiserschnitt am Montag. Familien wie ihre trifft das Coronavirus mit voller Wucht, lange bevor es einen ersten Krankheitsfall gibt. Das Problem seit der Anordnung, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu schließen, ist: Wer passt auf die Kinder auf.

Den neunjährigen Sohn der Familie Pfaffinger übernimmt die Oma. „Sie meint aber, die zusätzliche Betreuung der Eineinhalbjährigen wäre ihr für den ganzen Vormittag zu viel, es gibt auch noch den an Alzheimer erkrankten Opa.“ Ihr Mann habe zwar kommende Woche Urlaub, „aber tatsächlich hätte ich ihn beim Kaiserschnitt gerne dabei“.

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Wie sie brauchen viele Eltern in Mühldorf eine Betreuungsmöglichkeit. Die wird es in den städtischen Kindergärten und -krippen geben, wie Stadtsprecherin Monika Pingitzer mitteilt, aber nur für bestimmte Personengruppen. „In den städtischen Kindertagesstätten werden entsprechend der ministerialen Anordnung Notgruppen zur Betreuung eingerichtet“, schreibt Pingitzer. „Sie Inanspruchnahme dieser Notbetreuung bezieht sich nur auf Kinder, bei denen die einzig verfügbare Betreuungsperson in einem sogenannten systemkritischen Beruf tätig ist“: Ärztinnen, Pfleger, Polizistinnen oder Mitglieder der Berufsfeuerwehr sind damit gemeint.

Neumarkterin betreut Flüchtlingskinder mit

Das gilt auch für alle anderen Kommunen, die Stadtverwaltung Waldkraiburg weist darauf hin, dass Eltern, die ihre Kinder ab Montag zur Betreuung im Notdienst schicken wollen, diese Berechtigung nachweisen müssen.

Auch Großmütter wie Rosmarie von Roennebeck (67) aus Neumarkt-St. Veit werden in den kommenden Wochen stärker gefordert sein, nich tnur für die eigenen Enkel. Sie kümmert sich um eine palästinensische Familie deren zweijährigens Kind in die Kindertagesstätte Neumarkt-St. Veit geht. „Die Mutter ist in Ausbildung in einer Arztpraxis und muss zur Arbeit gehen, weil sie für ihre bevorstehenden Prüfungen eine gewisse Anzahl an Stunden vorzuweisen hat.“ Der Vater stehe sich ebenfalls in Ausbildung. „Logischerweise gibt es keine Großeltern oder andere Verwandte, die sich um das Kind kümmern könnten.“ Vor Ansteckung hat sie keine Angst: „Ich zähle mich nicht zur Risikogruppe, fühle mich fit!“

Schüler sollen Zuhause lernen

In den Schulen waren die Schulleiter gestern bemüht, den Ausfall zu organisieren. „Wir werden Betreuungsmöglichkeiten anbieten“, sagt Daniela Raith, Direktorin des Ruperti-Gymnasiums Mühldorf. „Der Unterricht wird online weitergeführt.“ Auch die Abiturienten sollen online lernen. „Wir haben abgeklärt, dass alle erreichbar sind und am Unterricht teilnehmen können.“

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Kein Online-Unterricht an der Realschule: „Es wird sicherlich nicht so sein, dass wir online-Unterricht halten können.“ Dafür seien weder die Schule noch alle Schüler ausgestattet, sagt Schulleiter Werner Groß. Die Lehrer würden „klassisch über E-Mail“ mit den Schülern und den Eltern kommunizieren und sie über Lerninhalte und Übungen informieren. Auch WhatsApp oder das Schüler der zehnten Klassen hätten alle prüfungsrelevanten Bücher zuhause. „Das ist gesichert.“ Groß glaubt nicht an eine Verschiebung der Abschlussprüfungen in der Realschule. „Die sind ja erst im Juni.“

In der Grundschule Obertaufkirchen hat Rektor Christian Hofer bereits im Vorfeld ein paar Regelungen auf den Weg gebracht, da sich die Schulschließung abgezeichnet habe. So hätten die Schüler bereits alle Arbeitshefte und Lernmaterialien mit nach Hause bekommen.

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Dort sollen sie lernen, wie sein Kollege Dr. Simon Dörr, von der Grund- und Mittelschule Buchbach sagt. Lehrer würden ihre Klassen per Email mit den entsprechenden Aufgaben versorgen. „Das Lernen geht weiter“, sagt Dürr.

Über die Vorbereitungen eine Pürtener Familie auf die schulfreie Zeit, lesen sie auf der nächsten Seite. Alle Informationen über alle Absagen wegen des Coronavirus finden Sie auf Seite 18.

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