Schulabschluss mit Abstand: So planen die Schulen im Landkreis Mühldorf die Zeugnisübergabe

Die Realschüler in Waldkraiburg waren heuer bei den Prüfungen auf 15 Klassenzimmer verteilt, die Zeugnisübergabe wird auf drei Feiern aufgeteilt.
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Die Realschüler in Waldkraiburg waren heuer bei den Prüfungen auf 15 Klassenzimmer verteilt, die Zeugnisübergabe wird auf drei Feiern aufgeteilt.

Die Prüfungen sind vorbei, die Noten stehen fest. Jetzt fehlt den Abschlussschülern des Landkreises nur noch ihr Zeugnis. Wie sich die Abschlussfeiern in Zeiten von Corona gestalten können, dazu haben die Schulen die Planungen lange hinausgeschoben. Dieses Jahr fallen die Feierlichkeiten schlichter aus als sonst.

Von Josef Enzinger, Hans Grundner und Raphaela Lohmann

Mühldorf/Waldkraiburg– Am Freitag werden im Landkreis die ersten Zeugnisse verliehen. Drei Wochen später als üblich starten die Abiturienten in ihren nächsten Lebensabschnitt. Am Ende zwar mit dem Zeugnis in der Hand, aber anders, als sie es sich zu Beginn des Jahres vorgestellt haben: Die Waldkraiburger Abiturienten feiern heuer in der eigenen Dreifachhalle anstatt im Haus der Kultur.

„Wir haben die Entscheidung sehr lange geschoben“, sagt Schulleiter Helmut Wittmann. Erst vor drei Wochen habe man den Antrag gestellt. Wie in den Vorjahren werden zwar alle Elemente der Abschlussfeier vorkommen, allerdings reduziert.

Reduziert ist auch die Gästeliste: Jeder der 75 Abiturienten darf zwei Begleitpersonen mitnehmen, die Liste der Ehrengäste ist kurz. Auch Lehrer können an der Veranstaltung teilnehmen, dürfen aber nur von der Tribüne aus zusehen. In der Halle gibt es eine feste Sitzordnung und drei verschiedene Eingangsbereiche. Kontakte werden auf ein Minimum beschränkt. Statt einer persönlichen Zeugnisübergabe werden die Auszeichnungen mittels Gabentisch überreicht. Für einen anschließenden Sektempfang kann die Schule keine Verantwortung übernehmen. Darauf haben sich laut Wittmann alle Landkreisgymnasien geeinigt.

Zeugnis gibt es mit Abstand

Und so fällt auch am Gymnasium in Mühldorf ein gemeinsamer Umtrunk nach der Aushändigung der Abschlusszeugnisse aus. „Es tut mir im Herzen weh, dass es nicht möglich ist, dem erfolgreichen Absolventen per Handschlag zu gratulieren“, bedauert Daniela Raith, Schulleiterin am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf. Um die Abstandsregelungen einzuhalten, wird die Abschiedsfeier am 17. Juli in die Dreifachturnhalle der Berufsschule verlegt. Die Eltern müssen auf den Rängen Platz nehmen, das Tragen eines Mundschutzes ist obligatorisch. Zwei Armlängen Abstand lautet die Vorgabe der Schulleitung bei der Übergabe des Zeugnisses. Und wenn schon kein Hand-Shake mit den 97 Absolventen möglich ist, dann zumindest eine wertschätzende Geste, „und einige persönliche Worte“, kündigt die Schulleiterin an.

An der Waldkraiburger Realschule ist man es gewohnt, dass nicht alle Abschlussschüler gemeinsam feiern können. „Es gibt keinen Raum im Landkreis, der groß genug wäre“, sagt Schulleiter Werner Groß. Heuer sind es 200 Abschlussschüler, mit den Eltern als Begleitpersonen kommt man auf 600 Personen. Drei Abschlussfeiern gibt es heuer an der Realschule, nur auf diese Weise lassen sich alle Corona-Maßnahmen umsetzen. Trotz allem sollen die Schüler mit Musik und Reden einen feierlichen Rahmen bekommen. „Wir sammeln gerade noch, wer was macht. Es ist aber deutlich leichter, seitdem die Entscheidung da ist.“

Für jede Klasse eine Abschlussfeier

Drei Abschlussklassen, drei Abschlussfeiern – so handhabt die Herzog-heinrich-Mittelschule in Neumarkt-St. Veit die Zeugnisvergabe am 23. Juli. Die Schüler der 9 c bekommen ihre Zeugnisse um 16 Uhr, die 9 b um 17.30 Uhr und die Zehntklässler wiederum eineinhalb Stunden später. „Dazwischen wird alles desinfiziert und gelüftet“, erklärt Schulleiterin Angela Wimmer, die sich ihre erste Abschlussfeier als Rektorin an der Neumarkter Schule auch anders vorgestellt hätte. „Aber besondere Zeiten erfordern eben besondere Maßnahmen. Aber es geht uns ja nicht anders als vielen anderen auch“, sagt Wimmer. Bedauerlicherweise mussten bereits die Schulfahrten nach Wien und Venedig abgesagt werden, der Abschlussball fällt flach und auch auf das übliche Büffet muss die Schule diesmal verzichten. Grußworte der Honoratioren gibt es lediglich in Papierform ausgehändigt. Und so reduziert sich die Zeugnisübergabe auf ein Minimum, lediglich die Schulleiterin selbst wird einige Worte an die Absolventen richten, denen es gestattet ist, maximal zwei Personen zur Abschlussfeier mitzubringen.

Das Zeugnis gibt es im Klassenzimmer

Ganz ohne feierlichen Rahmen müssen die Schüler der Diesel-Mittelschule in Waldkraiburg auskommen. Dort hat sich das Kollegium erst vor wenigen Tagen dazu entschieden, die Zeugnisübergabe in den Klassen zu machen, und zwar an einem Tag die eine Hälfte, am nächsten die andere Hälfte. Die Lehrer bereiten Powerpointpräsentationen über die Schüler vor, es gibt „Musik aus der Kiste“.

„Es tut mir in der Seele weh, weil eine gemeinsame Abschlussfeier eigentlich dazu gehört. Aber wir können das organisatorisch nicht auf die Reihe kriegen“, sagt Schulleiterin Birgit Huber-Heinrich. Die Schule hat heuer 110 Abschlussschüler. Selbst wenn die Feier draußen stattfindet und „wir nur ein Elternteil pro Schüler zulassen, würden zwei Veranstaltungen nicht reichen.“ Auch einen Abschlussgottesdienst gibt es nach Absprache mit der Kirche heuer nicht. „Wir müssten fünf Gottesdienste feiern.“

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Helmut Wittmann bedauert es, wie sich die Abschlussfeiern aufgrund von Corona gestalten, aber: „Es hat lange danach ausgesehen, dass es überhaupt keine Feier geben kann.“ Dass wenigstens eine schlichte Abschlussfeier möglich ist, darüber sei die Freude groß. In ihrem letzten Schuljahr haben die Absolventen ohnehin auf einiges verzichten müssen: kein Abistreich, keine Abschlussfahrt oder kein gemeinsames Gruppenbild. Corona als verbindendes Element wird ihnen aber bleiben.

„Rauskehren“ an der Grundschule Mühldorf

Keine Abschlussfeier im klassischen Sinne, aber mit Abschied verbunden ist das „Rauskehren“, das die Grundschule in Mühldorf traditionell zum Schuljahresende veranstaltet. Die ganze Schule versammelt sich auf dem Schulhof, steht Spalier, um die Viertklässler zu verabschieden. Ein emotionaler Moment, mitunter auch tränenreich. Und ein Ritual, an dem Schulleiter Martin Wiedenmannott auch in Zeiten von Corona festhalten will, wenn auch in modifizierter Weise. „Die Eltern stehen in diesem Jahr vor dem Haupteingang mit ihren Besen Spalier, natürlich mit Gesichtsmaske und unter Einhaltung der Abstandsregeln, und kehren ihre Kinder selbst aus der Schule.“ Die knapp 50 Schüler, die schon jetzt zweigleisig den Unterricht besuchen, werden auf zwei Tage aufgeteilt, wenn sie sich traditionell zum Lied „Alte Schule, altes Haus“ von der Grundschule verabschieden.

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