Die kleine Gemeinde Schönberg will 120 Haushalte mit Fernwärme versorgen

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Das Örtchen Schönberg: Geht es nach Bürgermeister Alfred Lantenhammer sollten in naher Zukunft knapp 120 Haushalte mit der Fernwärme des Biogas-Anlagenbetreibers Otto Senftl versorgt werden
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Eine Familie, die eine Biogasanlage betreibt, und die Gemeinde wollen in Sachen Fernwärmeversorgung zusammenarbeiten. Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer bringt auch Hackschnitzelheizung ins Spiel, um zukünftig Kohlendioxid einzusparen.

Von Anneliese Angermeier und Josef Enzinger

Schönberg – Die Gemeinde will weitere Schritte in Sachen Klimaschutz und Kohlendioxid-Einsparung gehen. Zusammen mit der Familie Senftl hat Bürgermeister Alfred Lantenhammer nun eine Kooperation geschlossen, die überschüssige Kapazitäten des Wärmeversorgers in die Beheizung öffentlicher Gebäude sicherstellen soll. Doch Lantenhammers Vision geht noch weiter: Weg vom Öl, hin zur flächendeckenden Versorgung in der Gemeinde mit Fernwärme.

Gemeinde will als Versorger auftreten

Die Familie Senftl betreibt eine Biogasanlage und hat schon vor acht Jahren – beispielhaft und einzigartig im Landkreis Mühldorf – ein Satellitenkraftwerk im Gewerbegebiet Eschlbach errichtet. Basierend auf die dortige Energiegewinnung hat die Familie große Anstrengungen unternommen, ein ausbaufähiges Fernwärmeleitungsnetz aufzubauen.

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Versorgung öffentlicher Gebäude

„Er nutzt die Abwärme der Biogasanlage, versorgt damit aktuell das Sägewerk Schnablinger und einige öffentliche Einrichtungen im Ort“, erklärt Bürgermeister Lantenhammer. Schule, Rathaus, Kindergarten, Kirche Pfarrheim, das Gasthaus Esterl und ein Privathaushalt im Dorf sind es, die aktuell von dieser Wärme ebenfalls profitieren.

Ausbau der Fernwärmeversorgung

Mit der Familie Senftl möchte die Gemeinde Schönberg nun die Fernwärmeversorgung weiter ausbauen, weil es freie Kapazitäten gibt. Laut Lantenhammer sind es pro Jahr zwei Millionen Kilowattstunden an Wärme, die die Biogasanlage erzeugt. „Die Hälfte davon könnten wir jetzt unter die Leute bringen“, so Lantenhammer.

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Am Herzstück der Fernwärmeversorgung, am Blockheizkraftwerk im Gerwerbegebiet in Eschlbach, von links: Dritter Bürgermeister Reinhard Obermeier, 2. Bürgermeister Reinhard Winterer, Bürgermeister Alfred Lantenhammer und Biogasanlage-Betreiber Otto Senftl.

Knapp eine Million Kilowattstunden Wärme ungenutzt

Seinerzeit hatte Anlagenbetreiber Senftl aus eigener Initiative verteilt, ein ausbaufähiges Leitungsnetz bis zur Ortsmitte besteht bereits. Mit der Planung des neuen Feuerhauses in der Ortsmitte sei dessen Versorgung mit Fernwärme ins Spiel gebracht worden. Überlegungen seien laut Lantenhammer angestellt worden, die Leitungen entlang der Hauptstraße zu verlegen. Schließlich sei sogar die Rede davon gewesen, eine ganze Siedlung zu erschließen.

In Netzausbau investieren

Um das Fernwärme-Potenzial abzuschöpfen, muss allerdings in den Netzausbau investiert werden. „Und hier kommt die Gemeinde ins Spiel: Weil Senftl als Privatinvestor ausscheidet, wollen wir das auf kommunaler Ebene schultern“, so Lantenhammer.

Geplant ist, dass zukünftig die Gemeinde Schönberg für die Verteilung Wärme und Erweiterung des Fernwärmeleitungsnetzes verantwortlich ist. Die Idee, die sich dahinter verbirgt: Ein Anschluss von privaten Haushalten, etwa im Wohngebiet „Lerch“.

„Das Baugebiet ist 40 Jahre alt. Die überwiegende Zahl der Haushalte verfügt noch über eine in die Jahre gekommene Ölheizung. Sollte nun eine Umrüstung notwendig werden, dann bietet sich die Fernwärme als kostengünstige Alternative an. Die Gemeinde ist dabei nicht auf Profit aus, sondern will die Grundversorgung sicherstellen“, betont Lantenhammer.

Einspeisegarantie läuft noch bis 2030

Er spinnt seine Gedankengänge noch weiter: „Auf dem Grundstück neben dem Satellitenkraftwerk im Gewerbegebiet, wo jetzt noch die Flüchtlingsunterkünfte stehen, könnte im Bedarfsfall eine zusätzliche Holzhackschnitzelheizung als weiterer Wärmeerzeuger in den Wintermonaten errichtet werden“, erklärt Bürgermeister Alfred Lantenhammer.

Das hat vor allem einen Hintergrund: Senftl hat für den Betrieb seiner Biogasanlage eine Einspeisegarantie bis 2030. Sollte ein Weiterbetrieb dann nicht mehr möglich sein, kann die Gemeinde mit der Hackschnitzelheizung auf eine alternative Gewinnung von Wärmeenergie zurückgreifen.

Eiswasserspeicher und Luzernen-Trocknung

Und auch für die überschüssige Energie in den Sommermonaten gibt es schon Konzepte: Lantenhammer bringt einen Eiswasserspeicher ins Spiel oder sogar eine Luzernen-Heutrockung Lantenhammer erklärt: „Die Luzerne sind ein Eiweißträger, sie gelten als ideales Futtermittel in Milchviehbetrieben und könnten Soja ersetzen, das über weite Wege, in unseren Breiten vornehmlich aus Ungarn, importiert wird.“ Die Lagerung der Luzerne bedarf aber eines großen Trocknungsaufwandes, diese Energie könnte aus der Fernwärme gewonnen werden. „Optimale regionale Wertschöpfung“, findet der Bürgermeister.

Lantenhammer spricht von regionaler Wertschöpfung

Wenn Lantenhammer von regionaler Wertschöpfung spricht, dann tut er das auch mit dem Blick auf die Nutzung von „Primärenergiequellen“. Selbst bei Pellets-Heizungen sei es so, dass diese immer noch einen Anteil von 20 Prozent an Primärenergiequellen hätten – in diesem Fall spricht Lantenhammer von fossilen Brennstoffen, die über den Transport anfallen würden.

Bei einer Biogasanlage liege der Anteil hingegen auf einem verschwindend geringen Niveau von Primärenergiequellen, sagt Lantenhammer.

Vorstellung des Konzepts Ende 2020

Zur Weiterentwicklung des Konzeptes und zur Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsberechnung ist nun folgende Vorgehensweise geplant: Bis Ende des Jahres 2020 ist eine Veranstaltung mit Anliegern geplant, bei der das Konzept der künftigen Versorgung erläutert werden soll.

Die Gemeinde will Informationen von einem Energieberater eingeholt und vergleichbare Anlagen in anderen Gemeinden besichtigen. Mögliche Ausbaubereiche wollen die Betreiber beziehungsweise Versorger überprüfen, Fördermöglichkeiten eruieren.

Das sagt der Gemeinderat zur Idee

Lantenhammer ist sich sicher, dass das Konzept die Bürger überzeugen wird. Der stark verjüngte Gemeinderat stehe hinter der Idee der regionalen Fernwärme-Versorgung in gemeindlicher Trägerschaft. Und auch die Bewohner hätten bereits signalisiert, dass sie sich für die alternative Heizmethode interessieren würden, betont Lantenhammer.

Alte und neue Siedlungsbereiche, dazu die Haushalte im Dorf selbst – Lantenhammer spricht von 120 Haushalten, die von der regionalen Wärmeversorgung profitieren könnten.

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