UNGEWÖHNLICHE FREIZEITBESCHÄFTIGUNG

Schneepaddeln: Kajakfahrer aus Töging und Zangberg haben neuen Sport entdeckt

  • vonPeter Becker
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Tobias Aigner aus Töging ist praktisch mit dem Kajak auf die Welt gekommen: Der 28-Jährige war seit frühesten Kindestagen mit Vater und Großvater unterwegs, um die Flüsse der Region zu erkunden. Ein Kajak-Neuling, Manuela Hanslmeier aus Zangberg, brachte ihn kürzlich aber auf eine ganz besondere Variante: Schneepaddeln.

Töging/Zangberg – Über einen Fernsehbeitrag berichtete Hanslmeier vor einigen Wochen dem versierten Kajakamateur. Nun sind die beiden schon mehrfach „Schneepaddeln“ gewesen. „Das hält fit“, lacht Aigner über die witzige Zweckentfremdung der Polyethylen-Boote.

Beim ersten Mal am Hang kritisch beäugt

Nicht nur beim ersten Mal, Anfang Januar, sei man kritisch von den Wanderern in Ruhpolding beäugt worden, erklären die beiden passionierten Schneepaddler. Doch das hat sie keineswegs davon abgehalten, es wieder zu tun: Das Kajak im Schlepptau geht’s dann geeignete Hänge hinauf und auch wieder hinunter.

Nicht zuletzt wegen der Pandemie-Beschränkungen sei diese ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung eine willkommene Abwechslung.

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Wanderwart mit C-Ausbilderschein

Dass derzeit maximal zwei Personen in einem Auto fahren dürfen, mache die Organisation von Paddeltouren selbst für geübte Kajakfahrer schwierig. „Im Wasser können wir ja gut den Abstand von drei bis vier Bootslängen halten“, gibt der Wanderwart des SV Wacker Burghausen, der auch einen C-Ausbilderschein hat, Entwarnung. Auch auf der Traun sei daher eine kleine Gruppe in diesem Jahr schon mal corona- und spartenkonform unterwegs gewesen.

Trotzdem übt das Skipaddeln offenbar eine ganz besondere Faszination aus: „Wenn Schnee liegt, sofort wieder!“ Da sind sich Tobias Aigner und Manuela Hanslmeier einig.

Rutschpartien fordern Mensch und Gerät

Ob sie denn keine Bedenken haben, das einige tausend Euro teure Equipment dabei zu beschädigen? „Auch beim Wildwasserfahren schrammt man ja an Felsbrocken und Geröll entlang“, sagt dazu Tobias Aigner. „Das macht so einem Boot nichts aus.“ Eher dass das Paddel irgendwo im Schnee stecken bleibt und man dann nicht mehr steuern kann, stelle eine gewisse Herausforderung dar.

Am Anfang ein paar blaue Flecke

Doch inzwischen haben die Beiden einige Übung im fremden Element: Während sich die Boote im Schnee anfangs hangabwärts gerne querstellten, wie die Videos zeigen, mit denen sie ihre Abenteuer im Schnee dokumentierten, komme es inzwischen kaum mehr zum dann unvermeidlichen Seit-überschlag. „Mehr als ein paar blaue Flecken gab das nicht“, erinnert sich Manuela Hanslmeier an die ersten Versuche.

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Zugegebenermaßen spüre man so eine Tour schon in Knochen und Muskulatur, erklärt die Zangbergerin, die erst seit einer Saison mit dem Kajak unterwegs ist. Doch dies sei schließlich auch beim normalen Paddeln für Anfänger unvermeidlich und letztlich doch auch der Zweck, um sich fit zu halten.

Bestens auf die Saison vorbereitet

Durch das Schneepaddeln sehen sich die beiden jetzt jedenfalls bestens auf die Kajaksaison vorbereitet. Von Februar bis November gehen die Paddler aus Burghausen und Mühldorf dann auch wieder ins Wasser. „Da gibt es die Riverapp mit den aktuellen Wasserständen“, erklärt Hansmeier.

Doch Tobias Aigner kennt neben den regionalen Attraktionen, wie Saalach, Tiroler Ache, Zausbach, Traun, Prien oder Königsseer Ache im Alpenraum oder der Ilz im Bayerischen Wald, noch viele andere Wildwasserflüsse. Von Slowenien über die Steiermark, das Salzkammergut oder Tirol bis nach Graubünden, wo er im Engadin schon den noch jungen Inn befahren hat, gibt es kaum einen Geheimtipp, den er nicht kennt. Sogar Urlaubstouren nach Griechenland und Südfrankreich hat er schon organisiert.

Kennt die Flüsse der Region wie seine Westentasche: Tobias Aigner mit Kollegen beim Wildwasserfahren auf der Traun.

„Nach Ostern wollen wir auch wieder einen Schnupperkurs anbieten“, erklärt er in der Hoffnung darauf, dass Corona dies zulässt. Über rund 30 Vollausstattungen verfügt beispielsweise die Abteilung des Burghauser Sportvereins, in der zwischen 12 und 90 Jahren alle Altersgruppen vertreten sind, welche man dann für wenige Euro am Tag ausleihen kann.

„Wildwasserfahren hört man dann mit 70 Jahren auf“, erklärt Tobias Aigner, „aber Wandertouren kann praktisch jeder mitmachen“. Lediglich gut schwimmen können sollten die Interessenten, sofern sie nicht nur im Schnee paddeln wollen.

Rubriklistenbild: © Aigner

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