Schluss mit der Raserei: Was Bürger im Heldensteiner Ortsteil Haigerloh auf die Barrikaden treibt

Das Parkverbot in der Johannesstraße in Haigerloh, das vor einigen Wochen erlassen wurde, ist einer der Punkte, den die Bürgerinitiative kritisiert: Sie sieht darin gewissermaßen eine Freigabe der Straße als Rennstrecke und als Abkürzung für den Schwerverkehr. Bartschies

Unruhe im doppelten Wortsinn herrscht im Heldensteiner Ortsteil Haigerloh. Zum einen ist es den Bewohnern auf den Straßen der kleinen Gemeinde zu unruhig, zum anderen werden es jetzt auch die Bewohner selbst: Sie haben an Bürgermeister Helmut Kirmeier (CSU) und den Gemeinderat ein Bürgerbegehren gerichtet.

Heldenstein – Unterzeichnet wurde die Unterschriftenliste von 33 Personen. Kernpunkte sind eine Verkehrsberuhigung durch Temporeduzierung sowie die Sperrung der Ortsstraßen für den Durchgangs-Schwerverkehr.

Bürger fordern ein „Ende der Raserei durch den Ort“

„Raus mit dem Durchgangsverkehr aus Haigerloh und ein Ende der Raserei durch den Ort“ – unter diesem Namen firmiert die Bürgerinitiative. Kern des Antrags sind sechs Fragen an den Gemeinderat. Die Unterzeichner wollen wissen, ob das Gremium damit einverstanden ist, ein Durchfahrtsverbot für Haigerloh für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen mit dem Hinweis „Anlieger frei“ herbeizuführen und die Bergstraße sowie die Karwendelstraße auf Tempo 30 zu beschränken und mit allen rechtlich zulässigen Maßnahmen durchzusetzen sowie die genannten Punkte regelmäßig zu überwachen.

Anwohner: Das Parkverbotsschild muss weg

Des Weiteren fordert die Bürgerinitiative, die beidseitig aufgestellten Parkverbotsschilder zwischen dem Birkenweg und dem Tassiloring unverzüglich entfernen zu lassen und von der Karwendelstraße bis zum Tassiloring ausreichend Straßenlaternen zu installieren.

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In der Begründung der Aktion kritisieren deren Initiatoren mit Familie Orlando an der Spitze die „Entscheidungen, Anordnungen und Veranlassungen“ von Bürgermeister Helmut Kirmeier, „die sich absolut gegen die Bedürfnisse der Bürger von Haigerloh, insbesondere der Anwohner der Johannesstraße, der Bergstraße und aller weiteren Einfallstraßen in diese richten“. Nicht zuletzt sehen sie als Ziel ihrer Initiative, die Verkehrssicherheit für Kinder auf deren Weg zu Spielplatz und Bushaltestelle zu erhöhen.

Landwirte nutzen Dorfstraße als Abkürzung

Die Ausschilderung des Parkverbots in der Johannesstraße vergleichen die Antragsteller mit der Freigabe einer Rennstrecke durch den Ort. Ebenfalls quasi freigegeben worden sei die Straße dadurch für den Schwerlastverkehr sowie die „überdimensionalen Fahrzeuge“ der Land- und Forstwirtschaft, die hier eine Abkürzung zu den umliegenden Feldern nehmen würden. „Es gibt keinen erkennbaren und vernünftigen Grund, warum die Anwohner ihre Fahrzeuge und die von Besuchern nicht auf der Straße parken sollten, da trotz parkender Fahrzeuge immer noch leicht die verkehrsrechtlich vorgeschriebene Fahrbahnbreite verbleibt. Außerdem werden durch geparkte Fahrzeuge die Raser durch die Johannesstraße gebremst“, so die Argumentation im Antrag der Bürger.

Dauerbelastung durch Schwerverkehr

Außerdem wird ins Feld geführt, dass Johannes- und Bergstraße sowie die privaten Einfahrten an diesen Straßen für eine Dauerbelastung durch Schwerverkehr nicht ausgelegt und deshalb Schäden zu befürchten seien, die auf Kosten der Allgemeinheit gingen. Auch müssten Autos im Begegnungsverkehr mit Schwerfahrzeugen immer wieder auf den Gehsteig ausweichen und würden dadurch Fußgänger gefährden.

Bürgermeister: Bürgerantrag wird derzeit geprüft

Bürgermeister Helmut Kirmeier hat nach eigener Aussage den Antrag der Bürgerinitiative in der jüngsten Gemeinderatssitzung unter dem Punkt „Bekanntgaben“ verlesen. Nach Mitteilung von Heinz Gattermann, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft, sei eine Aufnahme des Antrags in die Tagesordnung nicht mehr möglich gewesen, da er zu kurzfristig eingegangen sei.

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Einwohnerantrag

Zu den einzelnen Antragspunkten wollte sich der Bürgermeister auf Nachfrage der Redaktion derzeit noch nicht äußern, denn es müsse erst geprüft werden, ob alle formalen Voraussetzungen für einen Bürgerantrag gegeben seien. Wenn ja, dann werde sich der Gemeinderat in der vorgeschriebenen Frist – vermutlich innerhalb von vier Wochen – mit der Angelegenheit befassen. Sollte in dieser Frist keine turnusmäßige Gemeinderatssitzung stattfinden, wird die Angelegenheit Kirmeier zufolge in einer öffentlichen Sondersitzung behandelt werden.

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