Ein Jahr Corona im Landkreis Mühldorf

Schlachthöfe, Altenheime, Flüchtlingsunterkünfte – das waren Corona-Brennpunkte im Landkreis

Ein Infektionstreiber im Januar: Der Schlachthof in Waldkraiburg.
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Ein Infektionstreiber im Januar: Der Schlachthof in Waldkraiburg.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Meist gab es im vergangenen Coronajahr es keine konkreten Anlässe, die die Nueinfektionen nach obentrieben. An einigen Tagen aber entwickelten sich Hotspots.

Mühldorf – An den meisten Tagen der Corona-Pandemie kann das Gesundheitsamt keine Auffälligkeiten feststellen, wenn es um die Infektionsorte geht. Dann spricht Dr. Benedikt Steingruber von einem „diffusen Ausbruchsgeschehen“, bei dem sich Menschen an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Zusammenhängen anstecken.

24 Prozent infizieren sich am Arbeitsplatz

In den vergangenen beiden Wochen war aber auffällig, dass es erstaunlich viele Infektionen am Arbeitsplatz gibt. 24 Prozent der Infektionen waren es vor zwei Wochen, 22 in der vergangenen.

Trotz des allgemein eher diffusen Infektionsgeschehens gab es immer wieder Brennpunkte, an denen sich viele Menschen ansteckten und den Inzidenzwert massiv nach oben trieben. Vor allem die beiden Schlachthöfe fielen auf.

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Schlachthöfe als Corona-Brennpunkte

Der Putenschlachthof in Ampfing war im Herbst für den ersten starken Anstieg des Corona-Inzidenzwertes verantwortlich. Binnen 14 Tagen zwischen dem 19. Oktober und 3. November infizierten sich dort 77 Menschen. Am 22. Oktober stellte der Schlachthof den Betrieb vorübergehend ein.

Anfang Januar wurde der Schlachthof in Waldkraiburg zum Infektionsbrennpunkt. 48 Menschen traf es dort, ein Teil der Produktion musste gedrosselt, die Zahl der Schlachtungen reduziert werden.

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Relativ glimpflich kamen die Altenheime im Landkreis davon. Die dort lebenden, besonders gefährdeten Menschen, litten monatelang unter massiven Einschränkungen, zeitweilig hatten sie keinerlei direkten Kontakte zu Angehörigen.

Coroan-Ausbrücke trotz harter Beschränkungen

Trotz der harten Beschränkungen gab es immer wieder Ausbrüche. Im Toerringhof in Töging wurden am 27. November 29 Menschen positiv getestet, im Seniorenzentrum Mechtild in Waldkraiburg wenig später 20, im Stift Neumarkt-St. Veit 13. Ausbrüche gab es in den folgenden Wochen im Kursana in Ampfing, im Pflegeheim Winkler in Oberornau, dem Seniorenzentrum Waldkraiburg, Schloss Malseneck in Kraiburg, dem bayerischen Hof in Waldkraiburg und dem AWO Seniorenzentrum. Besonders hart traf es den Sonnengarten in Mühldorf, wo Anfang Februar 36 Menschen erkrankten und fünf von ihnen starben.

Flüchtlinge und ein Rassismusvorwurf

Auch die Flüchtlingsunterkünfte standen immer wieder im Fokus. Sie erlebten zum Teil hohe Infektionszahlen wie in Mettenheim (20. November 40 Bewohner) oder Gars (25. November 52). Deutlich weniger waren es in der Ankerdependence in Waldkraiburg während der ersten Welle Ende April. Zwei Menschen hatten sich infiziert, die Behörden verlegten aber 44 Kontaktpersonen. Da es sich ausschließlich um Afrikaner handelte, mussten sich die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt Rassismus-Vorwürfe anhören.

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Fliegl als jüngster Ansteckungsbrennpunkt

Im Juli infizierte sich knapp ein Dutzend Security-Leute der Ankerdependence.

Der vorläufig letzte Ausbruchs-Brennpunkt was das Mühldorfer Unternehmen Fliegl, in dem sich 26 Mitarbeiter infizierten. Am 25. Februar stellte die Geschäftsführung den Betrieb vorübergehend ein.

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