Anmeldung und Händewaschen: Training ist durch Corona bei den Feuerschützen Mühldorf aufwändig

Luftgewehrschütze Werner Gronert beim ersten Vereinstraining nach vier Wochen: Um die corona-bedingten Abstandsregeln einzuhalten, ist der Schießstand rechts neben ihm gesperrt.
  • Frank Bartschies
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Die Schützen im Landkreis Mühldorf dürfen wieder trainieren. Allerdings unterliegen ihre Treffen strengen Auflagen. Nur wenige finden derzeit daran Spaß, auch die Vorfreude auf sportliche Wettkämpfe ist getrübt.

Mühldorf - „Antreten, Hände waschen, Waffen in Empfang nehmen, dann runter gehen“ – etwas anders als gewohnt, begrüßt Sepp Fußeder die Schützen zum Training. Seit Mitte März waren die Schießstände der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Mühldorf wegen der Corona-Krise verwaist, jetzt dürfen die Schützen in Mühldorf und im Landkreis wieder trainieren. Aufgrund der Corona-Maßnahmen eben anders, als gewohnt.

Online-Anmeldung vor dem Schieß-Training

Sepp Fußeder ist Zweiter Schützenmeister, er organisiert das Training, hat die Standaufsicht. Seine Arbeit beginnt aber lange vor dem Training, denn die Vereinsmitglieder, die an einem Trainingstag schießen möchten, müssen sich auf der Homepage des Vereins anmelden. Sie kommen zum halbstündlich vereinbarten Termin, deshalb warten vor dem ersten Training nur wenige Schützen am Schützenheim hinter dem Stadtsaal.

Maximal vier Schützen am Stand

Maximal vier Schützen und eine Standaufsicht sind sowohl bei den Ständen für Druckluftwaffen als auch bei denen für Feuerwaffen zugelassen, Anfänger und weitere Interessenten haben derzeit keinen Zutritt. Zwischen zwei Schützen muss jeweils ein gesperrter Stand frei bleiben, um den vorgeschriebenen Mindestabstand der Sportler zueinander einzuhalten. Insgesamt elf Schießstände bleiben damit bei jedem Training ungenutzt und jeder Schütze darf maximal zweimal 30 Minuten trainieren.

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Corona unterbricht Schützen-Ausbildung

Diese Einschränkungen hätten zur Folge, dass derzeit nur Schützen antreten dürfen, die im Wettkampftraining stehen oder den Bedürfnisnachweis für den Erwerb einer Feuerwaffe erbringen müssen, erläutert Fußeder. Dieser Bedürfnisnachweis des BSSB sei die Voraussetzung für den Antrag beim Landratsamt zum Erhalt einer Waffenbesitzkarte. Die Corona-Pause habe die Ausbildung unterbrochen, jetzt müssten die Schützen innerhalb eines Jahres 18-mal am Schießstand antreten, um den Nachweis zu erhalten: „Die kriegen wir aber durch.“

Lust am Schießen gründlich gemindert

Mittlerweile habe der Verein ein eigenes Corona-Team, so Fußeder. Ein Mitglied dieses Teams ist jeweils bei den Trainingseinheiten anwesend und achtet darauf, dass die Handdesinfektion am Eingang aufgefüllt ist, jeder Schütze das Gebäude nur mit Mund-Nasen-Maske betritt, im Freien und im Haus der Mindestabstand zueinander eingehalten wird, Waffen und Schützenstände nach dem Schießen vom jeweiligen Benutzer desinfiziert werden.

Corona verdirbt Lust am Schießsport

Corona hat die Lust am Schießen jedenfalls gründlich gemindert. Etwa 30 Schützen kamen laut Fußeder vor der Pandemie zum Freitags-Training, beim Neustart waren es gerade mal 18. Für Fußeder ist der Grund für dieses geringe Interesse klar: „Der Freitag ist neben den sportlichen Aktivitäten der Gesellschaftstag schlechthin. Der Ausschluss jeglicher gesellschaftlicher Aktivität hindert viele daran, das Trainingsangebot wahrzunehmen.“

Keine Bewirtung im Stüberl

Denn eine Bewirtung im Schützenstüberl oder im Freien ist derzeit nicht erlaubt. Deshalb kämen schwerpunktmäßig eben diejenigen, die wegen des Bedürfnisnachweises ihre Trainingseinheiten absolvieren müssten. Und Wettkämpfe gebe es heuer für die anderen Schützen ohnehin nicht mehr.

4.500 Schützen im Gau Mühldorf

4.500 Schützen sind nach Auskunft von Gauschützenmeister Erich Jungwirth im Gau Mühldorf von den behördlichen Vorschriften betroffen. „Wir möchten uns strikt daran halten, weil es ein ernstes Thema ist“, erklärt Jungwirth und zeigt sich erfreut, dass die Vereine so positiv auf die Maßnahmen reagiert hätten. Die meisten Verine würden nur mit Druckluftwaffen schießen und seines Wissens seien deren Heime nach wie vor geschlossen.

Wettkämpfe frühestens im Herbst

Diese Schützen sind nach Auskunft Fußeders von einem Bedürfnisnachweis nicht betroffen, da Druckluftwaffen für den sportlichen Gebrauch keiner Genehmigung bedürften. Jungwirth bestätigt, dass die Gauwettkämpfe mit Erlass der Corona-Maßnahmen abgesagt worden sind, denn auch die Siegerehrungen mit teilweise mehreren hundert Personen wären nicht machbar gewesen.

Die Rundenwettkämpfe könnten möglicherweise mit Saisonbeginn im Herbst wieder aufgenommen werden. Hier werde man aber kurzfristig entscheiden, je nachdem, was die behördlichen Vorschriften zuließen. Was aber vermutlich wieder stattfinden werde, seien die Übungsleiter-Lehrgänge - begrenzt auf 15 Teilnehmer.

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