Starttermin noch offen

Rundum-Beratung für Kranke und Angehörige: Landkreis Mühldorf bekommt Pflegestützpunkt

Unterstützung durch einen Dienst, Pflegegelt, Schulungen und Hilfsmittel: Im Pflegefall kommen auf Kranke und Angehörige viele Aufgaben zu. Der neue Pflegestützpunkt will dabei beraten und helfen.
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Unterstützung durch einen Dienst, Pflegegelt, Schulungen und Hilfsmittel: Im Pflegefall kommen auf Kranke und Angehörige viele Aufgaben zu. Der neue Pflegestützpunkt will dabei beraten und helfen.

HIlfe, Beratung, Wegweiser durch Förderungen und Vorschriften: Ein neuer Pflegestützpunkt soll Pflegebedürftigen und Angehörigen beratend zur Seite stehen. Das haben jetzt verschiedene Träger beschlossen. Und das bietet er.

Mühldorf – Ein Pflegestützpunkt soll Pflegebedürftigen und Angehörigen beratend zur Seite stehen. Ein entsprechendes Angebot soll in den kommenden Wochen im Landratsamt etabliert werden. Das haben die Kooperationspartner jetzt mitgeteilt. „Die Pflegestützpunkte bieten eine kostenlose Beratung zu allen Themen rund um die Pflege und stehen allen versicherten Bürgern offen“, heißt es dazu aus dem Landratsamt Mühldorf. Konzipiert sind die Pflegestützpunkte als „Lotse, Wegweiser, Berater und Begleiter durch die komplexen Systeme der Pflege“, wie es der Bezirk Oberbayern formuliert.

Ergänzung von Angeboten

Träger des Stützpunkts werden neben dem Bezirk die Krankenkassen und der Landkreis sein. „Erklärtes Ziel ist es, die Vielzahl von Beratungsangeboten in einem Landkreis zu vernetzen und bestehende Ressourcen zu nutzen“, gibt ein Sprecher des Bezirks vor.

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Landrat Max Heimerl verweist auf das im Landkreis seit Jahren bestehende Beratungsangebot der Fachstelle für Senioren rund um das Thema „Wohnen und Hilfen im Alter“. Die qualifizierte Pflegeberatung im Rahmen des Pflegestützpunkts sei eine sehr gute Ergänzung. „Dabei können wir hier im Landkreis auf die Expertise der Fachstelle für Senioren und auf die sehr gute Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure einschließlich der Seniorenbeauftragten der Kommunen aufsetzen.“

Kreistag hat Pflegestützpunkt beschlossen

Der Kreistag habe im Juli einstimmig beschlossen, das Initiativrecht zur Errichtung der Pflegestützpunkts auszuüben. Initiativrecht bedeutet, dass Bezirke, Landkreise und kreisfreie Gemeinden von den Pflege- und Krankenkassen für eine wohnortnahe Beratung den Abschluss einer Vereinbarung zur Einrichtung von Pflegestützpunkten verlangen können.

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Mit dem Pflegestützpunkt würden die Landkreisbewohner vom Gesamtpaket Beratung, persönlicher Betreuung und vielfältiger Hilfen im Alter und in der Pflege profitieren – zentral aus einer Hand von neutralen, unabhängigen Beratern, die ganz besonders die persönlichen Bedürfnisse der Hilfesuchenden im Blick haben, betont der Landrat.

Untersützung durch Krankenkassen

„Unsere Fachstelle für Senioren hat das Konzept schnell erstellt, sodass es sich nun in der finalen Abstimmungsrunde befindet. Wir freuen uns auf den offiziellen Startschuss!“

AOK-Direktor Andreas Santl begrüßt ebenfalls die Einrichtung des Pflegestützpunkts: „Damit werden alle Menschen im Landkreis Zugang zu einer ortsnahen, kostenfreien Pflegeberatung haben.“ Die AOK-Pflegeberatung zeige den großen Bedarf: „Über 1300 Beratungen haben die beiden AOK-Pflegeberaterinnen im vergangenen Jahre in unserem Direktionsgebiet der Landkreise Mühldorf und Altötting - durchgeführt.“ Im Lenkungsgremium, in dem die AOK mitwirke, gehe es um Abrechnungen und Haushalt des Pflegestützpunkts, um Öffnungszeiten und Außenstellen, um Vertragsänderungen und organisatorische Grundlagenentscheidungen.

Beratung vor Ort geht weiter

Vom Pflegestützpunkt zu unterscheiden ist das Angebot „Beratung vor Ort“. Hierbei handelt es sich um eine ebenfalls kostenlose Serviceleistung des Bezirks. Einmal wöchentlich – jeweils mittwochs von 10 bis 12 Uhr – berät Christine Deyle vom Bezirk Oberbayern im Landratsamt zur Eingliederung von Menschen mit Behinderungen, zu finanziellen Hilfen zur Pflege und zu Hilfen für Menschen in sozialen Schwierigkeiten

Über diese offene Sprechzeit hinaus können für den Tag weitere Beratungstermine vereinbart werden (Tel. 089/2198-21052 oder beratung-mue@bezirk-oberbayern.de). Auch Hausbesuche seien möglich, so der Bezirk.

Interview mit Projektleiterin Stephanie Plank beim Bezirk Oberbayern.

Ist schon absehbar, wann der Pflegestützpunkt in Mühldorf eingerichtet wird und wann er für Beratungen zur Verfügung stehen wird?

Stephanie Plank: Das ist noch nicht absehbar, da derzeit die Inhalte des Stützpunktvertrags zwischen Landkreis, Bezirk sowie Kranken- und Pflegekassen verhandelt werden.

Wer berät im Pflegestützpunkt?

Plank: Der Pflegestützpunkt wird im Angestelltenmodell betrieben. Das heißt: Der Landkreis Mühldorf wird als Anstellungs- und Betriebsträger eigenes Personal bereitstellen, das im Pflegestützpunkt die Beratung übernehmen wird.

Welche Kosten entstehen für Kassen, Landkreis und Bezirk?

Plank: Die konkreten Kosten können erst nach Abschluss der Verhandlungen beziffert werden. Landkreis, Bezirk und Kassen teilen sich die Kosten für den Pflegestützpunkt gemäß der gesetzlich vorgeschriebenen Finanzierungsregel. Das bedeutet: Die Kassen übernehmen zwei Drittel der Kosten, während sich Landkreis und Bezirk das verbleibende Drittel paritätisch teilen.

Wie bringen sich die Partner konkret ein?

Plank: Im Angestelltenmodell beteiligen sich die Träger lediglich finanziell und nicht personell. Der Bezirk Oberbayern bringt darüber hinaus sein Angebot der Beratung vor Ort ein. Bei seinen Sprechtagen berät der Bezirk Oberbayern zu seinen sozialen Leistungen, insbesondere zur Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und zur Hilfe zur Pflege.

Wie gestaltet sich die Kooperation mit den Krankenkassen, wenn diese personell nicht in die Beratung eingebunden sind?

Plank:Als gleichberechtigte Partner verantworten die Kranken- und Pflegekassen sowie Landkreis und Bezirk gemeinsame Grundsatzentscheidungen. Diese werden im sogenannten Lenkungsgremium getroffen. Alle Partner vernetzen sich darüber hinaus inhaltlich zu allen Fragen rund um die Pflege. Besonders bei Hausbesuchen findet eine enge Zusammenarbeit zwischen Kassen und Pflegestützpunkt statt.

Warum werden die Angebote „Pflegestützpunkt“ und „Beratung vor Ort“ nicht zusammengefasst?

Plank: Unsere Beratung vor Ort kommt „on top“ zum gemeinsamen Pflegestützpunkt. Der Sprechtag des Bezirks ist also ein Zusatzangebot. Wir werden dabei eng mit dem Pflegestützpunkt kooperieren. Als Bezirk Oberbayern ist es uns ein besonderes Anliegen, mit eigenem Personal und unserer Expertise zu den sozialen Leistungen in unserer gesetzlichen Zuständigkeit zu beraten.

Wie viele Pflegestützpunkte gibt es bisher in Oberbayern?

Plank: Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gibt es bereits seit längerem einen Pflegestützpunkt. Im Lauf dieses Jahres wurden in fünf oberbayerischen Landkreisen Stützpunktverträge unterzeichnet. Drei weitere Vertragsuntgerzeichnungen sind für Dezember geplant. Einer dieser neuen Pflegestützpunkte ist bereits in Betrieb. Voraussichtlich im Frühjahr 2021 werden weitere Stützpunkte mit der Beratungsarbeit beginnen können.

Wie viele Menschen im Landkreis beziehen soziale Leistungen des Bezirks?

Plank:Ambulante und stationäre Hilfe zur Pflege erhalten derzeit rund 500 Personen. Teilhabeleistungen, also Unterstützungsangebote im Rahmen der Eingliederungshilfe, nehmen aktuell fast 1500 Menschen mit Behinderungen in Anspruch. Sie sehen, der Bedarf an Beratung ist groß – besonders auch für Menschen, die neu Leistungen beim Bezirk beantragen wollen. Deshalb ist unsere Beratung vor Ort ein so wichtiges Angebot für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Mühldorf.

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