In fünf Jahrzehnten viel erlebt

Ruhender Pol am Ecksberger Gutshof: Josef Enzinger für 50 Dienstjahre geehrt

Josef Enzinger neben einem Luftbild „seines“ Ecksberger Gutshofs: Seit 50 Jahren kümmert er sich um die Landwirtschaft der Stiftung und wurde jetzt dafür ausgezeichnet.
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Josef Enzinger neben einem Luftbild „seines“ Ecksberger Gutshofs: Seit 50 Jahren kümmert er sich um die Landwirtschaft der Stiftung und wurde jetzt dafür ausgezeichnet.

Der Altmühldorfer Landwirt hat viel in der Stiftung erlebt und wurde nun von der Bayerischen Staatsregierung geehrt. Der Jubilar erinnert sich auch an das Unglück von 1982, als ein Stromschlag 22 Milchkühe getötet hatte.

Mühldorf – Josef Enzinger ist seit 1970 als Landwirt in der Stiftung Ecksberg tätig. Am 8. November vollendete er seine Dienstzeit zum 50. Dienstjubiläum. Aber dies ist für ihn kein Grund zum Aufhören.

Wer sich im Bereich des landwirtschaftlichen Gutshofs in Ecksberg bewegt, begegnet mit großer Wahrscheinlichkeit dem gelernten Landwirt Josef Enzinger. Der vierfache Familienvater kümmert sich seit nunmehr 50 Jahren um den Wald, die Tiere und die Felder des Biolandbetriebs und ist auch mit seinen 75 Lebensjahren nicht aus dem Betrieb wegzudenken. Gemeinsam mit drei Vollzeitlandwirten und weiteren Hilfs- und Fachkräften sorgt er dafür, dass der land- und forstwirtschaftliche Grund und Boden der Stiftung Ecksberg verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschaftet wird.

Fünf Ecksberger Direktoren miterlebt

In den 50 Jahren hat Josef Enzinger viel erlebt. So „überlebte“ der „Schweizer“, die der Beruf der Melker seinerzeit auch bezeichnet wurde, bereits fünf Direktoren und konnte mitverfolgen, wie sich der Standort Ecksberg baulich ab Mitte der 1970er Jahre entwickelte.

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Sehr viel Energie steckte Josef Enzinger in die einst große Milchviehhaltung mit durchschnittlich 50 Milchkühen und 20 Stück Jungvieh. Hier erlebte er auch den außergewöhnlichsten Vorgang in seiner bisherigen beruflichen Laufbahn: Im Mai 1982 kam es zu einem Defekt in der Stromversorgung des Kuhstalls. Josef Enzinger, der gerade eine Milchkuh versorgte, erhielt von dieser einen mächtigen Schlag und wurde von ihr weggeschleudert.

Das Unglück von 1982 brachte 22 Milchkühen den Tod

Als er wieder zu sich kam, fand er 22 tote Milchkühe vor, die einem Stromschlag erlegen waren. „Die trächtigen Kühe waren sofort tot, viele weitere hatten sich durch die Wucht des Stromschlages das Kreuz gebrochen und mussten notgeschlachtet werden.“ Er selbst war, abgesehen von dem Schreck, wohlauf. Sein Glück: Die Kuh, die er gerade versorgt hatte, war mit einem Nylonband festgebunden, „das hat die Weiterleitung des Stroms verhindert“, erinnert sich Enzinger.

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Im Jahr 1999 wurde die Milchviehhaltung eingestellt, da das landwirtschaftliche Personal zu diesem Zeitpunkt so weit zurückgefahren worden war, dass die Milchviehhaltung nicht mehr aufrecht zu erhalten war. Ab diesem Zeitpunkt fokussierte man sich voll auf den Ackerbau und die Forstwirtschaft.

Die Arbeit im Wald und an der frischen Luft hält ihn fit

Die Arbeit im Wald und die Aufarbeitung des Holzes gehört heute nach wie vor zu Herrn Enzingers beliebtesten Aufgaben. „Als wichtiger Wissensträger im Betrieb, als Bindeglied in die Altmühldorfer Gemeinde und Werbeträger sowie als ruhender Pol am Ecksberger Gutshof, wo er mit seiner Ehegattin seit ebenfalls 50 Jahren wohnt, ist Josef Enzinger ein überaus verdientes Mitglied der „Ecksberger Familie“, würdigt der Vorstand der Stiftung Ecksberg, Alexander Skiba, die Tätigkeit des Jubilars.

Für sein außergewöhnliches Dienstjubiläum wurden Josef Enzinger an seinem Ehrentag die Ehrenurkunde des Freistaates Bayern übergeben und die persönlichen Glückwünsche der bayerischen Arbeitsministerin Carolina Trautner übermittelt.

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