30 Jahre Deutsche Einheit

Rückkehr ausgeschlossen: Erzgebirgler Christian Kühl trägt in Mühldorf Verantwortung

Nicht nur Brillenverkäufer: Christian Kühl führt die Mühldorfer Aktionsgemeinschaft.
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Nicht nur Brillenverkäufer: Christian Kühl führt die Mühldorfer Aktionsgemeinschaft.

Christian Kühl kam vier Jahre nach der Wende nach Bayern. Dort hat sich der Sachse eingelebt und in Mühldorf nicht nur beruflich engagiert. Er hat auch ehrenamtlich Verantwortung übernommen.

Mühldorf – Für Christian Kühl wurde Mühldorf zum Endpunkt einer längeren Nachwende-Odyssee. Eine Odyssee, die ihn vom Optikergesellen zum Geschäftsinhaber und Chef der Mühldorfer Einzelhandelsvertretung Aktionsgemeinschaft gemacht hat. Zu einem Endpunkt, den er so charakterisiert: „Ich fühle mich angekommen, fühle mich zu Hause.“

Wegen des Jobs in den Westen

1997 machte sich der Optiker in den Westen auf, weil er im Osten keine Anstellung fand. Von Schmiedberg im Erzgebirge ging es nach München zu Fielmann. Damals, sieben Jahre nach der Vereinigung der beiden Deutschlands, sind Vorbehalte noch sehr lebendig, erzählt Kühl: „Von einem Ossi lasse ich mich nicht bedienen“, zitiert er einen damaligen Kunden. Denn den Ossi kennt man Kühl bis heute an seiner deutlich sächsischen Sprache an.

Von New York nach Mühldorf

Er wechselte nach New York und schließlich 2004 nach Mühldorf, wo Kühl geschäftliches und privates Glück fand. Er heiratete eine Niederbayerin, hat drei Buben und betreibt die Apollo-Filiale am Stadtplatz.

Und übernahm nur zwei Jahre nach seiner Ankunft ehrenamtlich Verantwortung. Als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Mühldorfer Kaufleute will er die Interessen des Einzelhandels vertreten. Dort, unter meist eingesessenen Mühldorfer Kaufleuten, sei sein Engagement gut aufgenommen worden. „Wenn Du für die Sache brennst, sitzen die anderen mit im Boot“, sagt er.

Gute Erfahrungen im Ehrenamt

Negative Erfahrungen führt der 44-Jährige eher auf sachliche Auseinandersetzungen und persönliches Vorgehen zurück als auf Fragen der Herkunft. Er erinnert an eine harte Auseinandersetzung mit dem damaligen Bürgermeister Günther Knoblauch, als es um die Finanzierung der Parkautomaten ging. „Vielleicht war ich da zu jung, zu blauäugig, um alle Konsequenzen abschätzen zu können.“

Engagiert im Ehrenamt

Die lautstarke Auseinandersetzung damals, das begrüßt Kühl, hat nicht zur Sippenhaft geführt. Kühls ältester Sohn hat für den Heimatfilmverein Knoblauchs fotografiert. Längst fühlt er sich und seine Familie integriert. Zwei seiner Buben sind erfolgreiche Turner, einer vertrat die Stadt bei „Klein gegen Groß.“

Trainer beim TSC

Kühl selbst ist beim TSV Mühldorf als Übungsleiter eingestiegen und trainiert andere beim „Cross fit“. Seine Westbilanz nach über 20 Jahren in Bayern: Mühldorf ist cool, ich würde mit wieder so entscheiden“. An eine Rückkehr hat er bislang keinen Gedanken verschwendet. Denn inzwischen versteht er sogar Gäste der Familienfeste bei den Schwiegereltern in Bogen. hon

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