Schweinepest: Mühldorfer Züchter vertrauen auf Hygiene und haben dennoch Sorgen

Bedrohung Schweinepest: Züchter Gerhard Langreiter fürchtet sich mehr um die wirtschaftliche Zukunft von Kollegen als vor einer direkten Infektion mit der Schweinepest.
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Bedrohung Schweinepest: Züchter Gerhard Langreiter fürchtet sich mehr um die wirtschaftliche Zukunft von Kollegen als vor einer direkten Infektion mit der Schweinepest.

Die Schweinepest kostet Landwirte schon jetzt sehr viel Geld, obwohl noch kein einziges Hausschwein in Deutschland infiziert ist. Denn der Preis für Schweinefleisch verfällt. Dabei sei die Infektionsgefahr gering, sagen Schweinebauern.

Mühldorf – Heimische Schweinezüchter haben weniger Angst vor der Schweinepest als vielmehr vor den wirtschaftlichen Folgen. Das sagt Gerhard Langreiter, stellvertretender Vorsitzender es Bauernverbands und selbst Ferkelzüchter. Denn die Schweinepest treibe nur die Entwicklung auf die Spitze, unter der die Schweinezüchter und -mäster seit Anfang des Jahres leiden: dem drastischen Verfall der Preise. „Das ist das Problem“, sagt der Landwirt aus Oberneukirchen.

Hygienevorschriften sollen Schweinepest verhindern

Mit einer Übertragung der Schweinepest auf Tiere in deutschen Ställen rechnet er eher nicht: „Das ist wegen der hohen Hygieneauflagen kaum möglich.“ Langreiter kann sich nur wenige Szenarien vorstellen, durch die die Pest in einen Stall eingeschleppt werden kann.

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Das wahrscheinlichste: Ein Landwirt, der auch Jäger ist, schleppt sich das Virus durch Sekret oder Urin an seinen Stiefeln selbst in den Stall. Und das könne geschehen, wenn er seine Jagdstiefel im gleichen Raum wechselt, in dem die Stallstiefel stehen und so Sekret weiterträgt. Das ist umso gefährlicher, weil das Virus eine extrem hohe Lebensdauer hat.

Risiko Mensch macht Schweinepest-Virus unberechenbar

Clara Späth vom Landwirtschaftsamt spricht deshalb vom „Risiko Mensch, der es so unberechenbar macht“. Eigentlich dürfe keiner in den Stall, der nicht dazu befugt sei. Und für den gelten strenge Vorschriften: Die Kleidung ist vor Betreten des Stalls zu wechseln, wer Schweine transportiert muss Laster und Anhänger anschließend reinigen. Landwirte sollen sich die Hände waschen bevor sie zu ihren Tieren gehen. „Denn der Mensch kann das Virus in den Stall einschleppen.“

Aus ihrer Sicht hat sich die Gefahr für die 48 Mastschweinehalter und 40 Ferkelerzeuger im Landkreis im Landkreis nicht verändert, Stallschweine und Wildschweine kommen nicht in Kontakt: „Die Schweinepest ist eigentlich nicht näher gekommen.“ Wie vor der Infektion eines Wildschweins in Brandenburg bleibt für die Expertin von der der Fachstelle für Schweinehaltung der Mensch Hauptgefahrenquelle, die Riskiobewertung damit so hoch, wie vorher.

Gefahr für Hausschweine, die unter freiem Himmel leben

Gefährdeter sind laut Ferkelzüchter Langreiter Biohalter, die ihre Schweine im Freien laufen lassen. Direkter Kontakt zu infizierten Wildschweinen, ein Vogel, der das Sekret absondert: So könnte das Virus zu den Schweinen kommen, die draußen gehalten werden.

Schwerwiegender als die direkte Bedrohung sind die finanziellen Auswirkungen, die die Bauern bereits spüren, wie Langreiter beschreibt. Im Januar standen die Schweinepreise auf sehr hohem Niveau, seitdem ging es radikal bergab. Langreiter zählt auf: „Corona mit Exporteinschränkungen, der Fleischskandal bei Tonnies, jetzt die Schweinpest mit Exportstopps. Langreiters Betrieb trifft die Schweinepest mit 3000 Euro monatlich, Corona kostet ihn nach eigenen Angaben 5000 bis 6000 Euro im Monat.

Warum Menschen die Schweinepest nicht bekommen können – aber vorsichtig sein sollen

Der Mensch kann durch die Schweinepest nicht krank werden, eine Übertragung ist unmöglich. Das betont das Friedrich-Loeffler-Institut, eine Bundesforschungseinrichtung für Tiergesundheit. Trotzdem mahnt Clara Späth vom Fachzentrum für Schweinehaltung im Landwirtschaftsamt Töging zu Vorsicht, vor allem gegenüber Wurst aus Rumänien und Polen, wo die Schweinepest grassiert. Dort werde kontaminiertes Schweinefleisch in Wurstwaren verarbeitet, das Virus überlebt. „Wer solche Wurst bei einer Wanderung auf der Semmel hat und einen Rest wegwirft, riskiert, dass sich das Virus auf Wildschweine überträgt.“

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Betroffen von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind neben Wildschweinen auch Hausschweine. Laut Friedrich-Loeffler-Institut erfolgt die Übertragung des Virus von Tier zu Tier durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Sekrete, Blut, Sperma). Überspringen kann das Virus auch indirekt über, zum Beispiel über Fleisch und Wurst, die Wildschweine fressen oder in manchen Ländern an Schweine verfüttert werden. Deshalb weisen auf vielen Autobahnparkplätzen Schilder darauf hin, Speisereste nur in verschließbaren Müllbehältern zu entsorgen.

Kein Export mehr von Schweinefleisch

Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Eine Impfung ist nicht möglich. Bei einem Ausbruch der Seuche in einem Schweinehaltungsbetrieb muss der gesamte Bestand getötet werden.

Am 10. September wurde bei einem Wildschweinkadaver zum ersten Mal in Deutschland die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen. Mittlerweile haben neben China und Südkorea auch Japan, Brasilien und Argentinien deutsche Schweinefleisch-Einfuhren verboten.

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