Neue Corona-Notbetreuung wird Kinder und Erzieher fordern, glaubt Altmühdorfer Kita-Leiterin

Noch haben Melina (6) und Marie (2) die Eisenbahn in der Kinderwelt St. Laurentius ganz für sich. Sie sind alleine in einer Gruppe der Notbetreuung. Ab Montag sollen wieder deutlich mehr Kinder zusammen spielen. Honervogt
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Am Montag öffnen Kindergärten nach der Corona-Zwangsschließung für mehr Kinder. Nach der Notbetreuung dürfen auch wieder Vorschul- und Geschwisterkinder kommen. Darauf haben sich die Einrichtungen vorbereitet. Ein Besuch in der Kinderwelt Altmühldorf.

Mühldorf – Paula weiß einfach alles über Corona. „Das ist so böse, da muss man sich ganz schnell die Hände waschen“, erklärt sie und reibt sich feste über die Finger. Das geht aber in diesem Moment nicht, denn ein kurzer Blick auf den Flur zeigt ihr, das bereits ein anderes Kind vor dem Waschraum steht: „Da muss ich jetzt warten und kann nicht vorbei.“ Paula ist erst fünf Jahre alt, aber eine echte Corona-Fachfrau. Und zwar eine, die keine Angst hat: „Nee“, sagt sie und schüttelt energisch den Kopf.

Corona-Wissen aus der Familie

Paula sitzt in der Kinderwelt St. Laurentius in Altmühldorf an einem Maltisch und lebt mit den Einschränkungen offensichtlich ganz gut. Ihre Mutter arbeitet im Krankenhaus, der Vater ist selbstständiger Unternehmer, sie besucht die Notbetreuung.

Ihr Wissen hat sie von zu Hause, erzählt sie, dort werde viel über das Thema gesprochen, es spielerisch verarbeitet: „Wenn irgendwo das Wort Corona kommt, heben wir alle die Arme hoch.“

Kindergärten haben Hygiene-Konzepte

Großes Corona-Wissen haben sich inzwischen auch die Erzieherinnen der Kinderwelt zugelegt, die sich in den letzten Tagen vor allem auf die erweiterte Öffnung der Kindergärten ab Montag vorbereitet haben. Was bürokratisch „Hygienekonzept“ heißt, erfordert in der Praxis viele kleine Schritte, berichtet Kinderwelt-Leiterin Dagmar Dotzauer.

Kindergartenleiterin Dagmar Dotzauer.

Persönliche Stifte für jedes Kind

Toiletten und Waschbecken werden nicht mehr getrennt nach Mädchen und Buben genutzt, sondern nach Gruppen. In jeder Gruppe sind zwei Erzieherinnern, damit eine im Raum bleiben kann, wenn die anderen mit einem Kind zum Händewaschen aufbricht. Der Turnraum wurde zum Spielzimmer umgebaut, wer früher zu den Schmetterlingen gehörte, könnte ab Montag ein Spatz sein oder umgekehrt. Jede Gruppe bekommt eigenes Spiel-Material, jedes Kinder persönliche Stifte und Scheren.

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So soll sicher gestellt sein, dass alles klappt, wenn am Montag nicht nur die Kinder der Notbetreuung da sind. Wie viele das sein werden? „Leider ist keine Zahl vorgegeben“, sagt Dotzauer, „wir wollen es so klein wie möglich halten.“ Geöffnet ist die der Kindergarten für die Notbetreuung und ab Montag für Vorschulkinder und deren Geschwister.

Kinder brauchen neue Eingewöhnung

60 Kinder gingen vor Corona in die Kinderwelt, derzeit sind elf in der Notbetreuung. Viele, die wiederkommen, ist Dotzauer sicher, werden eine Phase der Eingwöhnung brauchen: „Die Kinder sind anders“, sagt die Leiterin, die in den vergangenen Wochen Kontakt zu den Familien gehalten hat. Dazu zählten auch Türbesuche, bei denen die Kindergärtnerinnen Briefe oder Bastelmaterial in die Familien brachten. Dotzauers Erfahrung: „Die Kinder sind scheuer.“

Sie ordnet das aber als ganz normales Verhalten ein, das nicht coronabedingt sei. „Es ist wie in der Eingewöhungsphase.“

Tipps für den Neustart in der Kita

Gabriele Blechta von der Caritas-Erziehungsberatung schlägt Eltern vor, ihre Kinder bewusst auf die Rückkehr in den Kindergarten vorzubereiten. „Eltern sollten den Kindergarten in den Alltag bringen, mit den Kindern darüber sprechen, auf was sie sich freuen, was sich im Kindergarten verändert hat, mit wem sie spielen wollen.“ Für Kinder sei die Öffnung der Betreuungseinrichtungen sehr wichtig. „Kinder erleben und lernen am meisten im Kontakt mit anderen Kinder.“ Diese Erfahrung fehle derzeit am meisten.

Kindergarten wichtig für die Entwicklung

Das sieht auch Kindergartenleiterin Dotzauer so: „Kinder brauchen Kinder“, deshalb sei es gut, dass wieder mehr Buben und Mädchen kommen dürften und damit der ungewöhnlichen Corona-Lebensrhythmus der letzten Wochen durchbrochen werde.

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Das Schöne an Corona? Paula hat die Antwort

Das hat auch Paulas Vater Günther Wackerbauer erfahren: „Es ist natürlich vor allem am Anfang schwierig, bis man zu Hause alles eingerichtet hat.“ Die Familie sei stärker auf einander angewiesen, es gebe kaum Kontakte nach außen, alles spiele sich zu Hause ab. Wegen dieser Veränderung sei der Verursacher Corona ganz automatisch zum Alltagsthema in der Familie geworden. „Wir haben natürlich viel darüber geredet“, sagt Wackerbauer, „es kam halt oft vor.“ Seine Kinder seien aber gut damit zurechtgekommen.

Und hätten ein feines Gespür dafür entwickelt, was sich geändert hat, zitiert Wackerbauer seine Tochter Paula. Die habe bei einem Spaziergang gesagt: „Corona ist schön, da sind nicht so viele Deppen unterwegs.“

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