Rechte Kundgebung am Mühldorfer Stadtplatz – Gegen-Demonstranten treten für Religionsfreiheit ein

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Mehrere Stunden sprach der umstrittene Stürzenberger in Mühldorf. 

Mit Behinderungen mussten Besucher des Mühldorfer Stadtplatzes am Nachmittag des 11. Oktobers rechnen. Grund: eine politische Kundgebung mit dem Rechtspopulisten Michael Stürzenberger auf dem Mühldorfer Stadtplatz.

Update 16.30 Uhr: 

Stunden dauert die Kundgebung des Rechtspopulisten Michael Stürzenberger auf dem Mühldorfer Stadtplatz. Unter den gut 30 Zuhörern waren und sind vor allem Gegner, die sich immer wieder auf Diskussionen mit ihm einlassen oder ihn mit Zwischenrufen unterbrechen. Die Gegendemonstration von Linken, Grünen, Partei und dem Bündnis „Mühldorf ist bunt“ hatte ungefähr 80 Teilnehmer.

Gemeinsam gegen Islam-Hetze auf dem Mühldorfer Stadtplatz. 

Die Polizei sicherte mit gut 80 Beamten den Veranstaltungsplatz vor dem Dönerhaus. Die Veranstaltung bleibt friedlich, Stürzenberger zeigte allerdings mehrere Zuhörer wegen Beleidigung bei den anwesenden Polizisten an.

Stundenlanger Auftritt 

Stefan Schörghuber, Inhaber des Geschäftes „Superdry“, war „auf 180“, weil es in diesem Jahr bereits die dritte Demonstration auf dem Mühldorfer Stadtplatz gewesen sei, unter der die Einzelhändler leiden würden. „Ich finde es eine Frechheit, dass diese Demo genau vor unserem Geschäft stattfindet. Das ist geschäftsschädigend.“ Warum könne diese Veranstaltung nicht außerhalb des Stadtplatzes stattfinden, wie am Innstadtpark oder am Volksfestplatz, fragte Schörghuber. 

Stürzenberger redet sich in Rage, im Hintergrund eine Gegen-Demonstrantin sowie Zuhörer von Stürzenbergers islamkritischen Thesen, darunter AfD-Kreisvorsitzender Oliver Multusch (hinten links) und daneben AfD-Bezirkstagsmitglied Martin Wieser.

Es sei schlecht für die Einkaufsstadt Mühldorf, dass die Parkplätze gesperrt seien. „Die Kunden werden verschreckt durch so eine Art der Demonstration, kritisiert der Mühldorfer den Auftritt Stürzenbergers direkt vor seiner Ladentür. Er stellte insgesamt die Sinnhaftigkeit der Kundgebung des Rechtspopulisten in Frage, dessen Redebeiträge Schörghuber als „gequirlte Scheiße“ abtat. 

Von der Stadt und vom Landratsamt erwarte er sich beim nächsten Mal mehr Fingerspitzengefühl, wenn es um die Genehmigung derartiger Veranstaltungen geht.

Update 16 Uhr:

Mehrere Demonstranten und auch Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollner kommen zu Wort – und sprechen sich für ein tolerantes und religionsoffenes Mühldorf aus.  

Adelheid Krückelhaus vom Bündnis "Mühldorf ist bunt" sagt: "Wir wissen hier in Mühldorf, wie es ist, wenn Leute verhetzt sind, wenn sie Vorurteile haben gegen Muslime. Wir haben erlebt, dass hier ein Geschäft von einer deutsch-afghanischen Frau, die lange hier lebt, angegriffen wird mit Steinwürfen. Es wurde ein Schweinekopf aufgehängt. Es werden übelste Aufkleber an den Flüchtlingsunterkünften verteilt. 

Vieles weiß man vielle icht noch gar nicht, weil die Leute das gar nicht anzeigen." 

Update 11. Oktober, 15 Uhr: 

Warten auf die angekündigte Gegendemonstration, die für 15 Uhr angemeldet ist. Die Polizei ist mit mindestens 50 Beamten im Einsatz, genaue Zahlen will die Einsatzleitung aus taktischen Gründen nicht nennen. 

Update 11. Oktober: Entgegen erster Meldungen ist der Auftritt des Rechtspopulisten Michael Stürzenberger statt um 15 Uhr bereits gegen 12 Uhr auf dem Mühldorfer Volksfestplatz gestartet. Laut Auflage darf Stürzenberger je 20 Minuten reden, dann muss er 10 Minuten pausieren. Er redet vor etwa 20 Zuhörern, die ihm immer wieder lautstark widersprechen. 

Der Bayerische Verfassungsschutz bewertet Stürzenberger als "die zentrale Figur der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene in Bayern".


10. Oktober: 

Mühldorf– Das Landratsamt bestätigte, dass die Kundgebung beim Ordnungsamt angezeigt und mit Auflagen bestätigt worden sei. Sie soll von 15 bis 19 Uhr kurz vor der Durchfahrt beim H&M stattfinden.

Proteste angekündigt

Linke Gruppen haben Proteste gegen den Aufritt Stürzenbergers angekündigt. So stellt sich am Freitag ein antirassistisches Aktionsbündnis der Mühldorfer LINKEN und Grünen, der PARTEI und anderen progressiven Akteuren der Region gegen eine geplante Kundgebung der antiislamischen Bürgerbewegung Pax Europa. 

Die sogenannte Bürgerbewegung mit Verbindungen zu dem rechtsextremen Blog „Politically Incorrect“ trägt nach Überzeugung des Aktionsbündnisses durch Pauschalisierung und Hetze zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft bei. Sie laden auch Bürger dazu ein, am Freitag um 15 Uhr auf dem Mühldorfer Stadtplatz Flagge zu zeigen.

InRosenheim trat Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger im Juliauf – mit wenig Erfolg. Zu seiner Kundgebung am Max-Josefs-Platz kamen laut Polizei gerade einmal zehn Zuhörer.

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Parallel dazu waren rund 350 Menschen dem Aufruf der SPD-Jugendorganisation Jusos gefolgt, um „Gemeinsam gegen rechte Hetze“ zu demonstrieren. Im Anschluss beschäftigten verbale Scharmützel die Polizei. Es kam zu mehreren Anzeigen wegen Beleidigung.

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