Randale im Waldkraiburger Stadtpark: 30-Jähriger wegen Hitlergruß zu Geldstrafe verurteilt

Das Wasserbecken im Stadtpark. Als ihn im Mai 2019 ein eifersüchtiger Zechkumpan hinein schubste, flippte ein 30-jähriger Mann aus Waldkraiburg aus. Weil der betrunkene den Hitlergruß zeigte, verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen.
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Das Wasserbecken im Stadtpark. Als ihn im Mai 2019 ein eifersüchtiger Zechkumpan hinein schubste, flippte ein 30-jähriger Mann aus Waldkraiburg aus. Weil der betrunkene den Hitlergruß zeigte, verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Zweimal hatte sich ein 30-jähriger arbeitsloser Altenpflegehelfer gehörig daneben benommen, zweimal hatte Alkohol dabei eine entscheidende Rolle gespielt, zweimal lag sein Alkoholwert über zwei Promille. Jetzt stand der reuige Sünder in Mühldorf vor Amtsrichter Florian Greifenstein.

Waldkraiburg/Mühldorf – Sachbeschädigung, vorsätzliche gefährliche Körperverletzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen warf Staatsanwältin Fiona Linden aus Traunstein dem Angeklagten aus Waldkraiburg vor.

Was hatte sich ereignet? In einem ersten Fall, im Oktober 2018, hatte der junge Mann eine Diskothek im Waldkraiburger Norden besucht, wo er wegen übermäßigen Alkoholkonsums hinauskomplimentiert worden war. An der frischen Luft musste der Betrunkene feststellen, dass seine Jacke samt Wohnungsschlüssel in der Diskothek verblieben war. Ein Wiedereintritt wurde ihm verwehrt.

Und die Geschichte setzte sich auf der Polizeiinspektion in der Ratiborer Straße fort, wo er wutentbrannt erschienen war und verlangte, nach Hause gefahren zu werden. „Wir sind kein Taxiunternehmen“, so der diensthabende Polizist in seiner Zeugenaussage vor Gericht. Voller Zorn habe der Angeklagte einen Broschürenständer umgeworfen und Schaden von etwa 400 Euro verursacht.

Polizei sollte ihn heimfahren

Der zweite Vorfall spielt im Mai 2019. Der alkoholkranke Mann hatte sich am Kiosk im Waldkraiburger Stadtpark an einem Samstag mit Zechkumpanen zum „Frühschoppen“ getroffen, nach eigenen Angaben unterhielt sich der 30-jährige angeregt mit der Freundin eines anderen Mannes.

Eifersüchtiger Zechkumpan schubst Nebenbuhler ins Wasser

Am Nachmittag lief das Ganze aus dem Ruder. Der eifersüchtige Nebenbuhler hatte nämlich genug und schubste den Rivalen in den angrenzenden Teich. Tropfnass kroch er wieder heraus. Und als die Trinkkumpane auch noch ihren Spott mit ihm trieben, flippte der Arbeitslose aus.

Als die Polizei eintraf, rief er „Heil Hitler“

Laut Zeugenaussagen bedrängte er den Kioskbesitzer und warf mit Gegenständen nach drei Sanitätern, die gerade ein Mädchen versorgten, das bei einem Mountainbike-Rennen im Park gestürzt war. Unter den Wurfgeschossen soll neben einem Rucksack auch ein Steakmesser gewesen sein. Ein als Zeuge geladener Rettungssanitäter sagte aus, dass es sich nicht um einen gezielten Wurf gehandelt habe.

Als die Polizei eintraf, hob der Angeklagte den rechten Arm und rief „Heil Hitler“. Ein dritter Zeuge, einer der Polizeibeamten, sagte aus, dass er dem betrunkenen Mann einen Platzverweis erteilt habe, worauf dieser sich entfernte.

Im Bundeszentralregister ist der Angeklagte mit drei Vorstrafen vertreten: ein Drogendelikt, eine Steuerhinterziehung und ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Beleidigung und Sachbeschädigung.

Staatsanwältin fordert Haftstrafe

Die Staatsanwältin sah den Sachverhalt der Anklage voll bestätigt, sie hielt dem Delinquenten sein Geständnis und seine in Angriff genommene Entziehungskur zu Gute und forderte eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und eine Geldstrafe von 1000 Euro.

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Verteidiger Jörg Zürner hielt infolge des Geständnisses die Sachbeschädigung und den Hitlergruß für erwiesen, während er den Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung völlig anders sah: Von einem Vorsatz könne nicht die Rede sein, so Zürner, da kein Zeuge ausgesagt habe, dass der Wurf gezielt war. Desgleichen sei keine Körperverletzung erfolgt. Niemand sei verletzt worden. Und: Keiner der drei Zeugen habe von einem Steakmesser gesprochen.

Anwalt: es war keine Körperverletzung

Weil er über zwei Promille hatte, könne eine verminderte Schuldfähigkeit nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Zürner: „Wir haben es in diesem Fall mit einem chronisch Alkoholkranken zu tun.“ Die Wirkung eines Strafprozesses, nämlich dass sich ein Angeklagter seines Vergehens bewusst werde, sei erfüllt. Der Anwalt beantragte eine Geldstrafe in Tagessätzen zu 15 Euro, deren Anzahl er in das Ermessen des Gerichts stellte.

Vor der Urteilsverkündung entschuldigte sich der junge Mann erneut. Richter Florian Greifenstein verhängte letztendlich eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen in Höhe von 15 Euro wegen des Hitlergrußes. Er folgte damit der Argumentation des Verteidigers, in den beiden anderen Anklagepunkten sprach Greifenstein den jungen Mann frei.

In seiner Urteilsbegründung führte der Richter aus, dass der beschädigte Broschürenständer „heute noch der bayerischen Polizei dient“. Ein gezielter Wurf könne dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden, infolge seiner Wut habe er ein Ventil gebraucht und dazu den Rucksack verwendet.

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