Räumung der Kampfstoffe in Mühldorfer Hart: Die Hälfte der Aufgabe ist erfüllt

Mit dem Verantwortlichen Bernd Jäger (rechts) besprachen Christine Knoblauch (rechts) und Pattrik Schuhmann das weiter Vorgehen. Bauer
+
Mit dem Verantwortlichen Bernd Jäger (rechts) besprachen Christine Knoblauch (rechts) und Pattrik Schuhmann das weiter Vorgehen. Bauer

Seit Mai 3,7 Tonnen Sprengstoff aus dem Bunkergelände im Mühldorfer Hart geräumt. gebiet umfasst nahezu 33 Hektar. Die Anlage im Mühldorfer Hart wurde von den Nationalsozialisten für den Bau des Düsenjägers Me 262 errichtet – sie wurde allerdings nie fertiggestellt.

Mühldorf/Mettenheim – Es war schon immer mit einem unguten Gefühl verbunden, wenn ein Besuch auf dem Bunkergelände im Mühldorfer Hart auf dem Programm stand.

Der schwierigste Termin dürfte Mitte der 90er Jahre gewesen sein, als ein Teil Überlebenden wieder nach Mühldorf kam und unter dem Bunkerbogen das Kaddisch sprachen. Das Gebet ist im Wesentlichen eine Lobpreisung Gottes. Obwohl sich mit der Zeit Assoziationen mit Tod und Trauer entwickelt haben, erscheinen diese Begriffe nicht selbst im Gebet. Bei diesem Besuch wurden die unglaublichen Leiden der jüdischen Gefangenen wieder lebendig, als ein ungarischer Jude erzählt, wie beim Betonieren der Bunkerbögen sein Bruder in den Beton fiel und die SS-Wachen ungerührt das Weiterarbeiten verlangten.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Die Anlage im Mühldorfer Hart wurde von den Nationalsozialisten für den Bau des Düsenjägers Me 262 errichtet. Die Ausmaße waren enorm. 400 Meter lang und 85 Meter breit sowie 32 Meter hoch. Unter den zwölf Bunkerbögen sollte die Produktion des Flugzeugs aufgenommen werden. Bis Kriegsende wurden nur sieben dieser Bögen fertig.

Nach dem Krieg sprengten die Amerikaner mit 120 Tonnen TNT die Anlage. Ein Bunkerbogen blieb im Mühldorfer Hart stehen.

Lange währte der Kampf um die Einrichtung einer würdigen Gedenkstätte.

Seit Mai dieses Jahres werden rund um den Bunkerbogen Kampfmittelräumungen durchgeführt. Das Gebiet um fasst rund 33 Hektar. Der innere Bereich rund um den Bunkerbogen rund sieben Hektar. Im Mühldorfer Hart sind 56 Grundstückseigentümer von diesen Arbeiten betroffen, Mit rund 30 Personen arbeitet die Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung ( GFKB) auf dem Gelände. Seit Mai dieses Jahres konnten 3,7 Tonnen ein Kampfmittel aus dem Boden geholt werden. Die Hälfte des zu räumenden Geländes ist geräumt. Bernd Jäger, Räumungsstellenleiter der GFKB geht davon aus, dass die Arbeiten bis Herbst 2020 abgeschlossen werden können. Die Firma betont, das sie mit den Arbeiten im Zeit- und Kostenplan liege.

Die Spezialisten holten bisher vor allem Granaten verschiedener Kaliber, die mit Sprengstoff gefüllt sind. Der Sprengstoff ist nach wie vor detonationsfähig, daher sind die Funde als gefährlich anzusehen. Was die Kampfmittelräumer im Mühldorf Hart verblüffte, war die Tatsache, dass die Granaten nur zwischen fünf und 30 Zentimeter tief vergraben waren.

THW hatte Gelände jahrelang genutzt

Diese Tatsache dürfte vielen aus dem Landkreis Mühldorf noch heute den Schweiß auf die Stirn treiben, dass das Gelände wurde in all den Jahren vom THW genutzt, die dort Übungen durchführten. Rennen mit Motorräder waren an der Tagesordnung und viele Feiern fanden auf dem Gelände statt. Das müssen viele Schutzengel im Einsatz gewesen sein, denn es ist Gott sei Dank nie was Gravierendes passiert,

Geschäftsbereichsleiter Pattrick Schuhmann und Fachbereichsleiterin Christine Knoblauch vom Mühldorfer Landratsamt sehen es ähnlich. Beide betonen, dass die Aufgabe der Kampfmittelräumung im Mühldorfer Hart bereits zur Hälfte erfüllt ist.

Eine kontinuierliche Kommunikation mit den Betroffenen werde zudem durch einen Informationspunkt, welcher von der Räumungsfirma eingerichtet wird, als erste Anlaufstelle gewährleistet.

Das könnte Sie auch interessieren: Der größte Sprengstoff und „Wunde nach 75 Jahren heilen“

Im Zuge der Kampfmittelräumung auf dem Bunkergelände des Mühlorfer Hart erließ das Landratsamt Mühldorf ein allgemeines Betretungsverbot für alle Personen ohne besondere Berechtigung im Bereich des ehemaligen Sprengplatzes. Ausgenommen von dem Verbot ist momentan der zentrale Verbindungsweg.

Mehr zum Thema

Kommentare