Von Einsicht keine Spur

Rabiate Rentnerin aus Mühldorf randaliert – und setzt die Schimpftiraden im Gerichtssaal fort

Der Parkplatz vor dem Supermarkt. Hier gerieten die beiden Damen aneinander.
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Der Parkplatz vor dem Supermarkt. Hier gerieten die beiden Damen aneinander.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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79-jährige Mühldorferin ohrfeigt Kickboxerin und schlägt auch noch mit dem Stock zu. Jetzt musste sie sich vor Gericht verantworten – aber von Einsicht keine Spur.

Mühldorf – Weil sie eine andere Kundin mehrfach geschlagen hatte, musste sich eine ältere Frau am Amtsgericht Mühldorf verantworten. Die 79-jährige Rentnerin aus dem Süden der Kreisstadt hatte sich beim Einkaufen in einem Supermarkt befunden, als sie gegenüber einer 37-Jährigen übergriffig wurde, diese sogar mit dem Stock malträtierte. Staatsanwalt Nils Wewer aus Traunstein warf der alten Frau jetzt gefährliche Körperverletzung vor. Gegen den deshalb erlassenen Strafbefehl hatte die ältere Frau Einspruch eingelegt. Ein Fall für das Amtsgericht in Mühldorf.

Geschädigte auch im Gerichtssaal beleidigt

Im Dezember des vergangenen Jahres war die Angeklagte beim Einkaufen in einem Mühldorfer Supermarkt. Im Eingangsbereich war ihr aufgefallen, dass neben einer jungen Kundin ein leerer Karton zu Boden gefallen war, worauf sie die Frau darauf hinwies. Diese fühlte sich nicht betroffen und ging in den Laden. An der Kasse schubste die Angeklagte den Einkaufswagen der Mühldorferin, eine 37-jährigen Steuerfachangestellten, zur Seite, was die sich verbat. Daraufhin kassierte sie eine Ohrfeige.

37-Jährige erleidet massive Presslungen im Gesicht

Diese rief die Polizei und forderte die ältere Dame auf dem Parkplatz dazu auf, auf die Polizei zu warten. Das erboste die alte Dame derart, dass sie sich zu einer zweiten Ohrfeige gegen die junge Frau hinreißen ließ, außerdem schlug sie ihr mit ihrem Krückstock zweimal an den Hals. Die junge Frau erlitt massive Prellungen, ihr Gesicht war angeschwollen. Die übergiffige Frau verließ mit ihrem Partner den Ort des Geschehens, konnte aber anhand ihres Autokennzeichens identifiziert werden.

Rentnerin spielt ihre Taten herunter

In einer ersten Stellungnahme erläuterte die Rentnerin, die von Rechtanwalt Jörg Zürner vertreten wurde, dass die junge Frau sie beleidigt habe. Die Taten verharmloste sie: An der Kasse sei ihr beim Umdrehen die Hand ausgerutscht. Am Parkplatz habe sie lediglich mit ihrem Gehstock herumgefuchtelt – nicht aber zugeschlagen.

Rentnerin auch bei der Polizei aufgebracht – Vernehmung verschoben

Ein herbeigerufene Polizist berichtete als Zeuge, dass die Rentnerin am Tag nach der Tat derart aufgebracht auf der Dienststelle erschienen war, dass die Vernehmung verschoben wurde. Später habe sie zwar die Ohrfeigen zugegeben, nicht aber die Stockschläge. Ein 38-jähriger Maschinist aus Töging, der der 37-jährigen Frau zu Hilfe geeilt war, bestätigte vor Gericht die zwei Ohrfeigen und die zwei Stockschläge.

Zwischenrufe im Gerichtssaal: „Verlogenes Luder!“

Der Verlauf der Verhandlung gestaltete sich schwierig, da die Beschuldigte immer wieder dazwischen schrie, mit der Hand auf den Tisch schlug und sämtliche Anwesenden der Lüge bezichtigte. Sie musste mehrfach ermahnt werden.

Dann erzählte die malträtierte Frau, die in ihrer Freizeit Kickboxen betreibt, von ihrem Einkauf, der so eskaliert war. Sie hätte zwei Ohrfeigen, Schläge mit dem Krückstock und üble Beleidigungen hinnehmen müssen. Als die Angeklagte ihr Opfer auch noch beleidigte („Verlogenes Luder“), wurde dies ins Protokoll aufgenommen, die Rentnerin muss mit einer weiteren Anzeige wegen Beleidigung rechnnen.

Staatsanwalt fordert Freiheitsstrafe

Staatsanwalt Wewer sah den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung durch die zwei Stockschläge erfüllt. Die Anklage der einfachen Körperverletzung (zwei Ohrfeigen, Beleidigungen) ließ er fallen. Für nicht glaubwürdig hielt Wewer die Aussagen der Angeklagten. Sie habe sich im Supermarkt danebenbenommen, sei nicht einsichtig. Er forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ersatzweise eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 20 Euro.

Als Ausgleich für die zugefügten Verletzungen forderte Axel Reiter, der Anwalt der jungen Frau, Schmerzensgeld in Höhe von 1200 Euro.

Rentnerin zahlt auch Schmerzensgeld

Verteidiger Jörg Zürner entschuldigte sich für das „inadäquate Sozialverhalten“ seiner Mandantin und hielt 90 Tagessätze zu 20 Euro für angemessen. Beim Schmerzensgeld hielt Zürner 300 Euro für gerechtfertigt.

Richter Florian Greifenstein hatte keine Zweifel daran, dass die Angeklagte eine gefährliche Körperverletzung begangen hatte und verhängte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 25 Euro. An Schmerzensgeld muss die Rentnerin 750 Euro bezahlen. Greifenstein abschließend: „Sie hat ihre Emotionen nicht im Griff, das grenzt an einen pathologischen Fall.“

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