Änderung der Bonpflicht gefordert

Mit 2,5 Millionen Kassenbons: Schwindegger protestiert vor Reichstag gegen Bürokratie-Irrsinn

Thomas Perzl vom Bund der Selbstständigen und FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer vor der symbolischen Mauer aus Kassenbons, die sie mit Vorschlaghämmern einschlugen. Damit protestierten sie gegen die seit Januargeltende Bonpflicht.
+
Thomas Perzl vom Bund der Selbstständigen und FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer vor der symbolischen Mauer aus Kassenbons, die sie mit Vorschlaghämmern einschlugen. Damit protestierten sie gegen die seit Januargeltende Bonpflicht.
  • Nicole Sutherland
    vonNicole Sutherland
    schließen

Eine Bagatell-Grenze für die Ausgabe von Kassenbons hat der Bund der Selbstständigen in Berlin gefordert. Auch der bayerische Verbandssprecher Thomas Perzl aus Schwindegg war unter denen, die eine Mauer aus Kassenbons vor dem Reichstag aufrichteten und zerstörten.

Schwindegg/Ampfing/Berlin – Eine Mauer aus 2,5 Millionen, ihrer Ansicht nach, überflüssigen Kassenbons haben acht Mitglieder des Bundes der Selbstständigen vor dem Deutschen Bundestag aufgebaut. Unter ihnen der Verbandssprecher Thomas Perzl aus Schwindegg. Gemeinsam mit der Präsidentin des Bundes der Selbstständigen (BDS), Gabriele Sehorz, und Bezirksvertretern griff Thomas Perzl zum Vorschlaghammer und schlug die Wand, „dieses Symbol für zu viel Bürokratie“, so Perzl, ein.

Als zu bürokratisch kritisiert

Die BDS-Vertreter forderten eine Änderung der Bon-Pflicht von Finanzminister Olaf Scholz. Der Staat erwartet zehn Milliarden an fehlenden Steuereinnahmen durch die Einführung der Bon-Pflicht. Der BDS geht davon aus, dass diese Zahl nicht erreicht wird.

Lesen Sie auch: Verbraucher bei Bonpflicht uneinig: Knappe Mehrheit dagegen

Die Bon-Pflicht war am 1. Januar eingeführt worden. Auch bei kleinen Beträgen, für eine Butterbrezel, muss nun ein Kassenbon ausgedruckt werden, um zu verhindern, dass Einnahmen nicht versteuert werden. Auch beim BDS sorgt die Bon-Pflicht für Unmut. Die Selbständigen müssen nach Ansicht Perzls ein vierfaches investieren für Bon-Rollen und Entsorgung – der Kassenbon bestehe aus Thermopapier und müsse als Sondermüll entsorgt werden.

Bon erst ab 30 Euro

Der Bund der Selbstständigen mit seinen Mitgliedsunternehmen in der Region findet die Entscheidung falsch und möchte sie kippen. Sein Vorschlag lautet, eine Bagatellbeitragsgrenze einzuführen, bis zu der kein Bon ausgedruckt werden muss. „Wir stellen uns einen Betrag von etwa 20 bis 30 Euro vor“, sagt Perzl. „Jeder, der einen Bon möchte, soll einen erhalten, aber eben nicht automatisch.“

Auch interessant: Das ändert sich 2020 für Rentner, Azubis und Verbraucher

Bundestagsabgeordnete mehrerer Parteien stellten sich der Diskussion mit den BDS-Mitgliedern. Abgeordnete der SPD fanden die Pflicht zum Kassenbon unumgänglich, um Steuerbetrug zu verhindern. Klaus Ernst aus dem Wirtschaftsausschuss und von der Partei Die Linke, sah die Gefahr, dass die Kasse manipuliert werde ohne die Bon-Pflicht. Abgeordnete der FDP, wie Sandra Bubendorfer-Licht aus Ampfing solidarisierten sich mit dem BDS.

Gegner planen weitere Aktionen

Seit dem Frühjahr hat der BDS bayernweit die Kassenbons gesammelt. Schnell seien die 2,5 Millionen ungewollte Kassenzettel zusammengekommen und wurden in Boxen und Säcke gepackt.

Weiter Aktionen sollen folgen

In drei Transportern fuhren die Aktiven sie nach Berlin, wo sie die Wand bildeten. Nach der Aktion verblieb der Müllberg nicht vor dem Deutschen Bundestag, sondern wurde wieder eingeladen und wird für weitere Aktionen verwendet. „Viele Gespräche werden noch geführt werden und wir werden weiter Druck aufbauen, um eine Lockerung der Bon-Pflicht zu erwirken,“ sagte Perzl.

Kommentare