Biergarten-Neustart in Mühldorf: Nur einzelne Proteste gegen die Datenerfassung

Gut besetzt und immer ein Platz frei: Biergarten im Gasthaus Sahlstorfer in Taufkirchen. Fill
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Gut besetzt und immer ein Platz frei: Biergarten im Gasthaus Sahlstorfer in Taufkirchen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Seit einigen Tagen haben viele Biergärten im Landkreis Mühldorf nach der Corona-Schließung wieder geöffnet. Die Gäste sind begeistert, die Wirte froh. Kritik gibt es weder an der Maskenpflicht noch den Abstandsregeln. Aber an der Datenerfassung. Das kostete manchen Besucher sogar die Erlaubnis einzutreten.

Mühldorf – Der Biergarten unter den großen Bäumen an der Friedhofsstraße in Mühldorf ist ein Stück Stadtgeschichte. Den Namen Turmbräugarten hat er nie verloren, auch wenn das Wirtshaus jetzt offiziell Palermo heißt. Dabei ist der neue Name noch nicht das Innovativste, was der Turmbräugarten zu bieten hat. Seit gestern lesen Gäste dort per QR-Code die Speisekarte auf dem Handy ein.

Eher zögerlich nahmen die Menschen im Landkreis die Öffnung der Biergärten nach derCorona-Zwangsschließung an. Bis in die späten Nachmittagstunden des Montags hatten zumeist nur Cafés und Gastterrassen in den Städten geöffnet, erst später kamen Biergärten dazu. Mancher Wirt hielt sogar seinen Ruhetag am Montag oder Diensttag ein und kam erst gestern zurück.

Manche Wirte öffnen noch nicht

Andere wollen sogar noch länger abwarten. Sevgi Balkan von Simseks Dönerhaus in Neumarkt-St. Veit sagt: „Wir haben unser Mitnehmessen in den Wochen verkauft und verbleiben so noch mindestens diese Woche.

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Ob wir schon am kommenden Montag unsere Sitzplätze draußen aufstellen, ist noch nicht gewiss.“ Auch Markus Windhager will mit der Öffnung der Café-Terrasse warten: „Es war schon eine starke Einschränkung bisher. Auch die Kantinen, die wir belieferten, hatten ja geschlossen. Dennoch werde ich vermutlich am kommenden Montag, meinem Geburtstag, das Straßencafé eröffnen.“

Wer dagegen bei der Eröffnung am Montag oder Dienstag dabei war, ist begeistert, egal ob Gast oder Wirte. Im Garten des Mühldorfer Palermo stehen statt 65 Tischen nur 35 Tische, auf jedem klebt ein QR-Code. Über den kann jeder Gast auf seinem Smartphone die Speisekarte lesen. „Es ist etwas stressig, alles sind etwas angespannt, aber ich bin mir sicher, dass sich die Veränderungen schnell eingespielt haben werden“, sagt Inhaber Ahmad Al Jadou.

Endlich wieder Zwischenstopp im Biergarten

Am Stadtplatz in Mühldorf sind es die Gastterrassen, die ein normales Lebensgefühl verbreiten, obwohl auch hier die Einschränkungen durch die Vorgaben spürbar sind. Nur etwa die Hälfte der Tische durfte Luca Sartori aufstellen. Er sieht es trotzdem positiv: „Sind wir doch froh, dass es uns nicht so hart getroffen hart mit den Erkrankungen!“ Während die Gäste auf den Plätzen auf ihren Mund-Nasen-Schutz verzichten durften, müssen die Bedienungen Maske tragen.

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Vor dem Erhartinger Sommerkeller steigt ein Ehepaar von seinen Rädern. Mund-Nasen-Maske aufgesetzt und nur wenig später sitzen die beiden auch schon an einem Tisch. Sonja und Günter Schießl aus Altötting dürfen auf ihren Touren endlich wieder einen Zwischenstopp im Biergarten machen. Herzliche Begrüßung von Weitem, als sie von der Pächterin des Erhartinger Sommerkellers Ingrid Schwab erblickt wird. Man kennt sich. Stammgäste eben. „Zeit is‘ worn, dass endlich aufg’macht wird“, meint seine 63-Jährige. Ihr Mann pflichtet bei. „Was gibt es denn Schöneres, als nach einer Radltour in einen Biergarten einzukehren und ein, zwei halbe Bier zu trinken?“ Das sei einfach bairische Lebenssart. „Dahoam, do war’n ma jetzt lang gnua!“

Gegen Erfassung von Name und Adresse

Bevor der 64-Jährige allerdings seinen Schluck genießen kann, muss er den Kontaktbogen ausfüllen. Der macht dem Wirt des Jettenbacher Hofs in Altmühldorf Probleme, nach ansonsten ausschließlich guten Erfahrungen: Sein Biergarten war an den beiden ersten Öffnungstag gut gefüllt, für den Vatertag musste er größere Gruppen bereits ablehnen. Größtes Problem: „Manche Leute wollen sich nicht in die Liste eintragen“, sagt Georg Mosser. „Das verstößt ihrer Meinung nach gegen den Datenschutz.“ Eine Erfahrung die Al Jadou vom Palermo bestätigt. „Einen Gast mussten wir leider wieder wegschicken, weil er sich weigerte, seine Daten preiszugeben.“

In der Spannung zwischen Wirtshauskultur und Corona-Vernunft steht auch das Gasthaus Sahlstorfer in Taufkirchen: „Die Stammgäste waren sehr vernünftig, die Vorgaben mit 1,50 Meter Abstand an den Tischen und das Tragen von Mund- und Nasenschutz wurde eingehalten“, freute sich Wirt Stefan Sahlstorfer über das große Interesse an der Dorfwirtschaft. Denn die Gäste nahmen die Rückkehr eines Stück Lebenskultur dankbar an: „Wenigstens wieder amoi zsammsitzn am Stammtisch“, sagt Hans Zauner, „a Hoibe tringa und a wengal ratschn.“ ej/fill/hon/nz

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