Protest am Putenschlachthof Ampfing: Aktivisten machen auf Leid der Tiere aufmerksam

Renate und Pascal Schumacher (von links) wollen genau wie Claudia Helbling und Mandy Hübner die Zustände in der Putenindustrie anprangern.  Becker
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Renate und Pascal Schumacher (von links) wollen genau wie Claudia Helbling und Mandy Hübner die Zustände in der Putenindustrie anprangern. Becker

Mit Plakaten und Kerzen machten Aktivisten bei einer 24-stündigen Mahnwache vor dem Putenschlachthof in Ampfing auf das Leid der Tiere aufmerksam. Im vergangenen Jahr wurde der Schachthof deutschlandweit bekannt, als Videos von Transporten aus Zulieferbetrieben in Ungarn aufgetaucht waren.

Von Peter Becker

Ampfing – Wie schon bei vergangenen Aktionen ging es bei der Mahnwache erneut um die prinzipielle Frage nach dem Fleischkonsum. Eine Handvoll Gegner – einige auch aus dem Landkreis – sind Veganer und wollten mit dieser Aktion ein Zeichen setzen gegen die Fleischwirtschaft. Die Kritik der Initiatorin Claudia Helbling vom Verein „Tierversuchsgegner München – Menschen für Tierrechte e.V.“ richtet sich im Besonderen gegen die Putenindustrie. Ihrer Ansicht nach werden die Verbraucher getäuscht.

Skelett und Kreislaufystem leiden

Auf diese Tiere hat sich die Aktivistin nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren unter anderem durch Praktika in der Branche spezialisiert: „In freier Wildbahn wiegen die Tiere deutlich weniger und leben bis zu zwölf Jahre“, erklärte die Aktivistin.

In der Mast würden aber Skelett und Kreislaufsystem mit der schnellen Gewichtszunahme kaum mitkommen können. Wie auch ihre Mitstreiter, Pascal und Renate Schumacher aus Oberbergkirchen, betonen, hätten die Zuchtltiere, die zur Schlachtung nach Ampfing kommen, mit frei lebenden Puten nichts mehr gemeinsam. In rund 20 Wochen würden die Tiere auf das Schlachtgewicht von durchschnittlich 14 (weiblich) beziehungsweise 21 Kilo (männlich) angefüttert.

„Statistiken der Branche zufolge sterben 20 Prozent der Tiere schon vor Erreichen des Schlachtalters. Dass man auf so etwas überhaupt Appetit haben kann“, sagte Mandy Hübner vom Tierrechte Regensburg e.V. Durch die massive Gewichtszunahme würden den Tieren nicht selten die Knochen brechen.

Einsatz von Antibiotika

Probleme der Massenhaltung sind den Tierschützern das „Federnpicken“, das bis hin zum Kannibalismus reichen könne. 2013 habe das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Studie in Auftrag gegeben, um das Problem der Massenhaltung, das bis hin zum Kannibalismus reicht, in den Griff zu bekommen. Bis dahin kupierten die Mäster die Schnäbel der Tiere, um zu verhinderten. dass sich die Tiere gegenseitig verletzten.

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Lichter für die Puten

In deutschen Mastbetrieben habe sich zum Kürzen der Schnäbel inzwischen ein Infrarotverfahren aus Österreich durchgesetzt. „In Osteuropa, wo die Betriebe viel größer sind, wird das alte Verfahren immer noch angewendet“, behauptet Claudia Helbling. Zahlen des Statistischen Bundesamts sagen nach ihren Angaben aus, dass weniger als Dreiviertel der in Deutschland geschlachteten Tiere hierzulande gemästet wurden.

Trotz Bemühungen der Bundesregierung würden in der Putenmast heute nur vier Prozent weniger Antibiotika verwendet als 2011. Dass aber inzwischen vermehrt Reserveantibiotika zum Einsatz kämen, beurteile das Institut für Risikobewertung kritisch, da die Zahl der multiresistenten Keime in den Putenfleischproben stetig steige.

90 Prozent aus deutschen Betrieben

Im Zuge des Transport-Skandals im vergangenen Jahr wies Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (CSU) darauf hin, dass die Kennzeichnungspflicht der EU die Verschleierung dieser Fakten begünstige: Sofern Fleisch in Bayern weiterverarbeitet wird, beispielsweise zum gewürzten Geschnetzelten, dürfte das Fleisch als „bayerisches Erzeugnis“ in den Handel kommen.

Die Süddeutsche Truthahn AG wiederum erklärte damals auf Nachfrage, dass der überwiegende Teil, nämlich 90 Prozent, aus deutschen Aufzuchtbetrieben stamme. Deutsches und importiertes Putenfleisch werde im Betrieb getrennt und entsprechend deklariert. Allerdings gilt dies nicht für sogenanntes veredeltes Fleisch, das verarbeitet oder mariniert wird.

Anstoß nahmen die Tierschützer auch an den Transportbedingungen der Tiere: „Mich wundert es, warum die Transporte in letzter Zeit immer nachts ankommen“, fragte sich Pascal Schumacher. Früher seien ihm oft auch tagsüber Transporte aufgefallen, die er schon seit einiger Zeit vermisse.

Der Protest der Tierschützer ist grundlegend: Lieber auf Fleisch verzichten, als Tiere zu töten.
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