Projekt „The Nest“ in Kenia: Aktive Hilfe vor Ort leisten

Anna Greimel und ihr Lebensgefährte Georg Schindler halfen tatkräftig bei dem Projekt „The Nest“ in Kenia mit.
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Anna Greimel und ihr Lebensgefährte Georg Schindler halfen tatkräftig bei dem Projekt „The Nest“ in Kenia mit.

2700 Euro beträgt die Spende, die Familie Deutschenbauer aus Flossing für Irene Baumgartners Projekt „The Nest“ in Kenia aus dem Gaststättenflohmarkt der ehemaligen Gaststätte Mittermaier in Flossing erzielt hat. Das Inventar wurde gegen freiwillige Spenden abgegeben.

Flossing –  Die erzielte Summe fließt zu 100 Prozent an das Projekt. Investiert wird das Geld in Bohnen, Reis und andere Lebensmittel, wie Irene Baumgartner per Email mitteilte.

Während in Flossing fleißig für die Arbeit der Grünbacherin gesammelt wurde, hatten sich Anna Greimel und ihr Lebensgefährte Georg Schindler schon seit längerer Zeit vorgenommen, aktive Hilfe vor Ort zu leisten und für drei Monate nach Kenia zu fliegen. Die beiden leben in Tacherting, wo schon seit mehr als 20 Jahren im Rahmen der Sternsingeraktion Geld für das „Nest“ gespendet wird.

Aufbruch in das Abenteuer Kenia

Nachdem Anna ihr Studium zur Sozialpädagogin abgeschlossen hatte und Georgs Arbeitgeber die Idee unterstützte, konnte es Ende Februar losgehen. Die beiden saßen im Flugzeug nach Kenia und blickten voller Vorfreude ihrem dreimonatigen Abenteuer entgegen, das anders enden sollte, als es geplant war.

Aber der Reihe nach: Das junge Paar wurde in Kenia schon sehnsüchtig erwartet, schließlich gab es speziell für Georg als Schlosser und begabten Handwerker, tatkräftig unterstützt von seiner Anna, jede Menge anstehende Reparaturen in der aktuell mit 120 Kindern belegten Einrichtung. Neben dem Bauen einer Wäscheleine und Wasserbehälterständern, hat Georg gleich zu Beginn 30 Räder repariert. Auch wurde für die Gänse ein neues Zuhause geschaffen und haufenweise Brennholz zusammengeschnitten. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Bevor das jedoch geschehen konnte, musste Georg erst die Motorsäge reparieren. Als die Kinder die Laute der Motorsäge hörten, waren sie fasziniert von seiner Arbeit und nannten Georg seitdem liebevoll den „Motorsägen-Mann“.

Das Engagement erstreckte sich jedoch nicht nur auf das handwerkliche, sondern genauso intensiv auf die Betreuung der Kinder, die Anna wie folgt beschreibt: „Da wir kein Kisuaheli sprechen, konnten wir besonders den Kleinen nur unsere Zeit und Zuneigung schenken. Es war schön mitzuerleben, wie uns die Kinder Stück für Stück mehr Vertrauen schenkten und an ihrem Leben und Lebensgeschichten teilhaben ließen. So konnten auch wir die Kinder einfach nur liebhaben.“

Das Zusammenleben war aber nicht immer nur einfach, es galt auch manchen Streit unter den Kindern zu schlichten, ganz so wie es auch in der Heimat ist – nur mit dem Unterschied, dass es in Kenia galt, sprachliche und länderspezifische Barrieren zu überwinden. Es waren beeindruckende Erfahrungen, die Anna und Georg dort machen durften, die Arbeit vor Ort und mit den Kindern hat ihnen viel Spaß, Mut und Hoffnung gemacht, erklären sie unisono und zollen ganz besonders Irene Baumgartner höchsten Respekt für ihr Lebenswerk: „Was Irene hier aufgebaut hat und wie sie ihre ganze Energie in ihr Herzens-Projekt steckt, ist einfach nur bewundernswert!“

Der Umgang mit dem Corona-Virus

Allerdings dann die Zeit, die sie im Nest verbringen wollten, durch die Ausbreitung des Coronavirus von drei auf einen Monat verkürzt. Im Folgenden schildern Anna und Georg, wie sie vor Ort den Umgang mit der Gefahr durch Covid 19 erlebten: „Erstaunlicherweise reagierte der keniatische Staat sehr schnell mit Schulschließungen, Ausgangssperren und mit der Einstellung des Flugverkehrs. Vor allen Geschäften standen Wasserbehälter mit Seife und einige schützten sich selbst mit Masken. Um uns zu schützen, durften wir nicht mehr allein in die Stadt und das Nest begann sich früh zu isolieren. Über Nacht befanden sich nicht nur die Kinder dauerhaft im Nest, sondern auch die Mitarbeiter. Dies brachte viele Herausforderungen mit sich: Disziplin, Respekt, beinahe doppelte Essensversorgung, Beschaffung von Schlafplätzen und vieles mehr. Es war sehr schön mitanzusehen, wie der Zusammenhalt wuchs und sie das Beste aus der Situation machten. Wir persönlich haben uns im Nest zu keiner Zeit unsicher gefühlt und vertrauten auf das Organisationstalent von Irene. Außerdem versuchten wir mit der Krankenschwester Selina, unserer Mitvolontärin, die Nest-Familie für mehr Händewaschen und die Atemwegserkrankung zu sensibilisieren. Das fehlende Wissen über das Virus schürte jedoch viele Ängste und die Schuldfrage nach dem Überbringer der Krankheit stand im Raum. Bis dato waren nur wenige Personen in Kenia infiziert, doch die Dunkelziffer wird besonders in den Slums von Tag zu Tag steigen.“

Abschied mit gemischten Gefühlen

Der Abschied kam dann sehr plötzlich. Abends um 21 Uhr bekamen sie eine Mail vom Auswärtigen Amt mit Informationen für den Rückholflug der Bundesregierung. Am nächsten Morgen mussten sie sich schon um 5 Uhr auf den Weg von Limuru nach Mombasa machen, um noch rechtzeitig am Flughafen anzukommen. „Unsere Gefühlswelt war im Zwiespalt. Einerseits durften wir zurück nach Deutschland und andererseits konnten wir uns nicht einmal von den uns liebgewonnenen Kindern verabschieden und mussten manche Dinge unvollendet zurücklassen. Es ist ein unglaublich komisches Gefühl, diese Entscheidung treffen zu müssen, denn wie ein Lied so schön sagt: „Das Herz sagt bleib, der Kopf schreit gehn“. Es war ein Abschied ohne richtigen Abschied und im Handumdrehen standen wir am Frankfurter Flughafen. Die vielen besonderen Momente mit den Kindern, werden wir jedenfalls sicher in unseren Herzen bewahren.“

Das Projekt „The Nest“ in Kenia wurde zu Beginn der 90er Jahre von Irene Baumgartner ins Leben gerufen, als sie aus beruflichen Gründen mit ihrer Familie nach Nairobi kam. Auf der Homepage ist unter www.thenesthome.org zu lesen, dass sie dort auf die hoffnungslose Lage von Straßenkindern und alleinstehenden Müttern aufmerksam wurde. Mit dem Ziel, diesen Kindern und Müttern Zukunftschancen zu eröffnen und vor einem Leben auf der Straße zu bewahren, brachte sie 1993 im Zentrum Nairobis die ersten hilfsbedürftigen Kinder in einem Haus unter. 1997 konnte das erste Haus von „The Nest“ in Limuru eröffnet werden. 2006 folgte das Mütterzentrum „Halfway House“ am Stadtrand von Nairobi. Es dient der Zusammenführung der haftentlassenen Mütter mit ihren Kindern und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft. In unmittelbarer Nähe zum Halfway Haus wurde im März 2014 das Säuglingsheim „Nest Baby Village“ eröffnet, in dem elternlos aufgefundene Babys betreut werden. Die Babys und Kleinkinder können hier bleiben, bis sich Adoptions- oder Pflegefamilien für sie gefunden haben.

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