Warum Probleme bei der Schokoladen-Herstellung einen Reichertsheimer Milchbauern treffen

Konrad Pflügel in seinem Milchviehbetrieb in Reichertsheim. Bauer
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Konrad Pflügel in seinem Milchviehbetrieb in Reichertsheim. Bauer
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    vonJosef Bauer
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Anfang April bekamen Bauern und Molkereien die Folgen der Coronakrise  spüren. An den Terminbörsen und im Großhandel stürzten die Preise für Butter, Milchpulver und Milch. Einer der Betroffenen: Konrad Pflügl aus Ranhör bei Reichertsheim

Mühldorf –  Konrad Pflügl bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen und 37 Hektar Grund. „Wir bekommen nur noch 33 Cent pro Liter Milch. Um auf einen grünen Zweig zu kommen, müssten wir um die 40 Cent pro Liter Milch erhalten. Davon sind wir aber weit entfernt“, sagt Konrad Pflügl. Eine Möglichkeit die Tiefpreise zu umgehen sieht der Landwirt nicht: „Wir können nicht auf einen Schalter drücken und unsere Kühe ausschalten. Die Preise für Rindfleisch und Häute sind ebenfalls in der Keller gerauscht und helfen uns Landwirten auch nicht.“

Absatz von Produkten stockt

Derzeit sei unklar, wie es weitergeht, wenn der Spuk einmal vorbei ist. Sehr viel werde davon abhängen, wie schnell die Lieferketten in Europa wieder hergestellt werden können und mit welchen Instrumenten die Politik den Absturz abfedert. „Das ist alles fürchterlich schwierig und unsere Lage wird nicht einfacher“, sagt Karl Schult aus Tann, Vorsitzender der Milcherzeiger-Gemeinschaft Altötting Mühldorf - auch mit Blick auf den „Tag der Milch“, der am 1. Juni begangen wird

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„Die Preise schwanken zwischen 30 und 32,5 Cent pro Liter Milch. Mehr können wir mit der Milch derzeit nicht erzielen. Auch der Export von Molkereiprodukten ist eingebrochen. Auch in der Lebensmittelindustrie gibt es massive Probleme, wie bei den Schokoladen-Herstellern, die auch nicht vollausgelastet sind. Mit dem Lebensmittel-Einzelhandel allein werden wir keine besseren Preise für die Milcherzeuger bekommen“, ist sich MEG-Vorsitzender Karl Schult sicher.

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Für die Bauern wird der Crash aber mit Sicherheit Folgen haben: „Die Notierungen an den Börsen sind die Vorboten des physischen Marktes“, sagt BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweibrer. Er kritisiert: „In den letzten größeren Milchkrisen hat sich deutlich gezeigt, dass vor allem die Unternehmen der Verarbeitung und Vermarktung nicht gut auf die Situation vorbereitet waren. Bezahlt wurden die Verluste jedoch komplett allein von den Bauern.“

Die Preisschwankungen bereiten dem Bauernstand große Sorgen. „Es geht um den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe, die das Herz der bayerischen Land- und Ernährungswirtschaft, der bayerischen Kulturlandschaft sowie lebendiger und attraktiver ländlicher Räume sind“, erklärt der Mühldorfer BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer.

Milchbauern brauchen eine Perspektive

Und Mühldorfs Kreisbäuerin Anna Senftl fordert: „Für eine gute Perspektive der konventionell und ökologisch wirtschaftenden Milchbauern und der gesamten bayerischen Milchwirtschaft sowie zur Stärkung des Vertrauens in die Zukunft bedarf es durchdachter, wirksamer und zukunftsorientierter Lösungsansätze, die Verlässlichkeit und Stabilität mit den nötigen Gestaltungsspielräumen kombinieren und von denen alle Marktpartner profitieren können.“

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