Aufarbeitung der NS-Zeit

Powerfrau für die Geschichte: Eva Köhr und andere Ehrenamtliche aus Mühldorf geehrt

Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch, Eva Köhr und Landrat Max Heimerl (von links) bei der Veranstaltung zur Auszeichnung verdienter Ehrenamtlicher aus dem Landkreis Mühldorf.
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Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch, Eva Köhr und Landrat Max Heimerl (von links) bei der Veranstaltung zur Auszeichnung verdienter Ehrenamtlicher aus dem Landkreis Mühldorf.

Es ging um Menschen, die bereit sind, der Gesellschaft etwas zu geben: Mühldorfs Landrat Max Heimerl ehrte Ehrenamtliche für langjährige Tätigkeit. Eva Köhr erhielt die Auszeichnung, weil sie sich seit Jahren für die Aufarbeitung der NS-Zeit im Landkreis einsetzt.

Mühldorf –„Ist das Ehrenamt überhaupt noch zeitgemäß?“ Diese Frage stellte Landrat Max Heimerl, als er im Mühldorfer Wintergarten verdiente Bürger des Landkreises empfing, um sie für die Ausübung eben dieses Amtes zu ehren. In seiner Eingangsrede bejahte der Landrat seine Frage gleich selbst: „Menschen, die sich für andere einsetzen, sind wichtig. Sie sind der Meinung, dass man der Gesellschaft etwas geben muss.“

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Geladen waren ebensolche Menschen: Menschen aus Vereinen, aus der Politik oder aus Hilfsorganisationen, um ihnen Dankeschön zu sagen. Alle Geehrten bekamen eine Urkunde und eine Ehrennadel, die Herren wurden mit einer Flasche Wein bedacht, die Damen mit einem Blumenstrauß.

NS-Geschichte sichtbar gemacht

Dass der Landkreis seine eigene Geschichte sowie die Verstrickungen in die Zeiten des Nationalsozialismus nicht vergisst, und sich mit den Gräueltaten auseinandersetzt, verdankt er auch Eva Köhr aus Waldkraiburg. Sie übernahm im Jahre 2005 den Vorsitz des Fördervereins des Geschichtszentrums und Museums Mühldorf. Zusammen mit dem 2016 verstorbenen Zeitzeugen Max Mannheimer, mit dem erst kürzlich verstorbenen Hans-Jochen Vogel und Franz Langstein vom Mühldorfer „Verein für das Erinnern“, hat sie in ihrer Amtszeit die erfolgreiche Dauerausstellung „Alltag, Rüstung, Vernichtung. Der Landkreis Mühldorf im Nationalsozialismus“ auf den Weg gebracht.

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Mit Max Mannheimer, der in München mit einem eigenen Platz am NS-Dokumentationszentrum in der Nähe des Königsplatzes bedacht wurde, verband Köhr eine Freundschaft.

Vor allem aber teilten sie das Engagement, junge Leute über die Geschichtsarbeit aufzuklären und ihnen die Gefahren für die Demokratie vor Augen zu führen. Mehr als 20 Jahre lang war sie ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kreisjugendrings Mühldorf.

Seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik

Die Kommunalpolitikerin engagierte sich 30 Jahre als Stadträtin in Waldkraiburg, 18 Jahre als Kreisrätin (bis 2014) und von 2002 bis 2014 als stellvertretende Landrätin für das Wohl der Bürger des Landkreises. Zehn Jahre lang leitete sie den Arbeitskreis „KZ-Außenlager Mühldorfer Hart“, in dem Ehrenamtliche, Stadt und Landkreis Mühldorf, der „Verein für das Erinnern“, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die Gedenkstätte Dachau und andere Institutionen zusammenarbeiten. Damit war Köhr die Wegbereiterin für die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Außenlager des Konzentrationslagers Dachau im Mühldorfer Hart.

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Zeitlebens hat sich Köhr für eine lebendige Geschichtsarbeit eingesetzt. Auf ihre Initiative hin sind die Geschichtstage im Landkreis entstanden, die seit 2005 bereits sieben mal stattgefunden haben. Diese sind so konzipiert, dass Bürger, Unternehmen und Gemeinden im Landkreis ihr Wissen und ihre Erfahrungen aktiv einbringen und so das Programm selbst mitgestalten.

Bundesverdienstkreuz am Bande

Landrat Heimerl, der Köhr gut kennt, dankte ihr für die geleistete Arbeit und bezeichnete sie als „Powerfrau, die immer die Dinge vorantreiben möchte“. Heimerl weiter: „Eva Köhr spricht nicht über Erreichtes, sondern über die nächsten Projekte.“ Dafür wurde ihr unter anderem von der bayerischen Sozialministerin Carolina Trautner auch das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Köhr zeigte sich über die Ehrung sehr erfreut, vergaß aber auch nicht, ihre Mitstreiter lobend zu erwähnen, ohne die sie das alles nicht bewältigt hätte. In erster Linie nannte sie Dr. Marcel Huber aus Ampfing. hra

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