Falsches Ergebnis?

Positiver Corona-Test, keine Antikörper: Seltsames Testergebnis bei 74-jährigem Asthmatiker

Die Zahl der Corona-Infizierten ist in der vergangenen Woche  ist vor allem dort gestiegen, wo es Gemeinschaftsunterkünfte gibt, vor allem in Mettenheim.
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Die Zahl der Corona-Infizierten ist in der vergangenen Woche ist vor allem dort gestiegen, wo es Gemeinschaftsunterkünfte gibt, vor allem in Mettenheim.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Keine Symptome entwickelt: Erhartinger war zwei Wochen in Quarantäne, ober wirklich infiziert war, ist nicht klar. Der Test auf Antikörper brachte ein überraschendes Ergebnis

Mühldorf/Erharting/Aschau – Ein positiver Corona-Test, zwei Wochen Quarantäne, und dann aber ein Antikörpertest, der keine Hinweise auf eine tatsächliche Ansteckung mit dem Coronavirus liefert. Das wirft die Frage auf, wie zuverlässig die Corona-Tests sind. Ein Erhartinger berichtet.

Beim Stammtisch mit Corona infiziert

Der 74-jähriger Mann aus Erharting, der namentlich nicht genannt werden will, musste sich zwei Wochen in Quarantäne begeben, nachdem er positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Beim Treffen mit dem Stammtisch, Mitte Oktober, hatte er sich wohl angesteckt, erinnert sich der Erhartinger, der nach dem positiven Testergebnis erst einmal beunruhigt war. „Ich leide an Asthma und an einer leichten Form von Diabetes, zähle also zu den Risikopatienten, zumal ich auch nicht mehr der Jüngste bin“, berichtet der 74-Jährige.

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Konsequent in Quarantäne geblieben, 14 Tage lang

Brav habe er die zweiwöchige Quarantäne befolgt, zusammen mit seiner Frau, die allerdings einen negativen Befund hatte. Kein Problem für die beiden Rentner, denn der Neffe, der im selben Haus wohnt, kümmerte sich um die beiden Senioren, die Versorgung war während der beiden Wochen also sichergestellt. „Wir blieben beide symptomlos. Gottseidank. Und wir haben auch konsequent die zweiwöchige Quarantäne befolgt.“

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Drei Wochen nach dem Positiv-Test: Keine Anzeichen auf eine Infektion

Einen routinemäßigen Arztbesuch nach der Isolation hat der Erhartinger dann dafür genutzt, einen Antikörpertest durchführen zu lassen. „Ich wollte es genau wissen, ob ich denn jetzt immun bin“, erklärt der 74-Jährige. Dabei habe sich dann herausgestellt, dass keine Antikörper vorhanden seien. „Der Wert war bei Null!“, berichtet der Erhartinger. Sein Arzt habe gemutmaßt, dass vielleicht eine andere Entzündung zu einem positiven Testergebnis geführt haben könnte. Auch auf die Sensibilität des sogenannten PCR-Tests hat sein Hausarzt hingewiesen.

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97 Prozent aller Tests verlässlich

Konkreter wird da Dr. Peter Wapler, der in Mühldorf federführend daran beteiligt war, im Frühjahr dieses Jahres eine Schwerpunktpraxis für Atemwegserkrankungen am Volksfestplatz in Mühldorf zu errichten. Zwei Möglichkeiten führt er an, die für den Fall des Erhartingers zutreffend sein könnten. Erstens: Ein sogenanntes Falsch-Positives Ergebnis. „Jeder Test hat eine gewisse Prozentzahl an Genauigkeit. 97 Prozent aller PCR-Tests sind verlässlich, mit drei-prozentiger Wahrscheinlichkeit kann ein solcher Test auch etwas Falsches anzeigen.“

Eine Erklärung: Die Virenlast war nicht hoch, das Immunsystem wehrt die Infektion ab

Wapler hält es allerdings für ebenso wahrscheinlich, dass der Erhartinger sehr wohl infiziert gewesen sein könnte, „das Virus aber tatsächlich nur im Rachen nachweisbar war“. Es sei durchaus möglich, dass das Immunsystem des 74-Jährigen das Virus eliminiert habe, bevor es größeren Schaden im Körper hätte anrichten können. Bei einem augenscheinlich sehr milden Verlauf seien dann auch keine Antikörper feststellbar, „weil das Abwehrsystem des Körpers nicht zum Einsatz gekommen ist, das Immunsystem nicht belastet wurde.“ Das bedeute allerdings auch: Man kann nicht davon ausgehen, dass der 74-Jährige nun immun gegen das Virus ist.

Am Ende überwiegt die Erleichterung

Bei dem Erhartinger hält sich die Empörung darüber, 14 Tage möglicherweise umsonst in Isolation verbracht zu haben, in Grenzen. „Wir sind beide Rentner, mussten nicht von der Arbeit zu Hause bleiben, haben dadurch auch keine Nachteile erlitten. Ich bin froh darüber, dass wir nicht ernsthaft erkrankt sind. Das ist die Hauptsache“, sagt der 74-Jährige.

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