Pollinger Wahlkampf analog und digital: Zwischen Krisenmanagement und Videobotschaft

Herausforderer und Amtsinhaber:Stefan Mooshuber (links) setzte im Wahlkampf auch auf die sozialen Medien. Der amtierende Bürgermeister Lorenz Kronberger (rechts) hatte dafür keine Zeit, war in den vergangenen Wochen mit Krisenmanagement beschäftigt. Enzinger
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Herausforderer und Amtsinhaber:Stefan Mooshuber (links) setzte im Wahlkampf auch auf die sozialen Medien. Der amtierende Bürgermeister Lorenz Kronberger (rechts) hatte dafür keine Zeit, war in den vergangenen Wochen mit Krisenmanagement beschäftigt. Enzinger

Am Sonntag gilt es: Stichwahl in Polling. Im Vorfeld sprechen Lorenz Kronberger und sein Herausforderer Stefan Mooshuber von einem fairen Wahlkampf

Polling – Ja, der Wahlkampf hatte tatsächlich Konfliktpotenzial, nachdem Stefan Mooshuber den amtierenden Bürgermeister Lorenz Kronberger bei der CSU in Flossing quasi vom Thron gestoßen hatte, an seiner Stelle zum Kandidaten gekürt worden ist. Kronberger wollte sein Amt nicht kampflos aufgeben, wechselte die Seiten und trat für die UWG an. Jetzt kommt es also zum Showdown, wenn die Wähler aus dem Gemeindegebiet Polling am kommenden Sonntag darüber entscheiden, ob sie den Rathausschlüssel beim amtierenden Bürgermeister belassen oder ihn dem Neuling übergeben.

Digital bis zu 500 Zuschauer erreicht

Die Vorbereitung auf die letzte Entscheidung in dieser Frage erlebten Stefan Mooshuber (CSU) und der Lorenz Kronberger (UWG) auf sehr unterschiedliche Weise. Schon vor der Kommunalwahl am 15. März hatte sich Mooshuber auf die Corona-Krise eingestellt, brachte anstelle von Versammlungen in Wirtshäusern über Live-Streams in den sozialen Netzwerken seine Botschaften an den Mann und an die Frau. „Bei der Fragerunde speziell für die Pollinger waren zwischen 60 bis 70 Personen online, beim letzten Interview habe ich 500 Zuschauer erreicht“, verrät Mooshuber, der bei dieser Art der Wahlwerbung nichts dem Zufall überlassen wollte und Hilfe eines professionelles TV-Teams in Anspruch genommen hat.

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Das Wohnzimmer wurde zum Wahlkampfstudio. An seiner Seite die CSU-Kandidaten für den Gemeinderat. Die Botschaft Mooshubers: Die Gemeinde krisensicher aufstellen. In Zeiten von Corona die oberste Maxime.

Viel Wahlkampf war in den letzten Tagen nicht. „Und waren ja wegen der Corona-Krise die Hände gebunden“, so Mooshuber. Einen Tag vor der Ansprache der Kanzlerin im TV, in der sie dringend darum gebeten hatte, soziale Kontakte einzuschränken, hätten Mooshuber und Co noch Flyer verteilt, „mit Gummihandschuhen“. Eine Aktion, die nicht jeder im Ort für gut befunden habe – dabei habe man sich strikt an die Regeln gehalten, Kontakte mit den Bewohnern vermieden so Mooshuber, der nun auf die Mehrheit am Sonntag hofft. Und das nach einem Wahlkampf, den er selbst als fair beschreibt. „Und da, obwohl es durchaus Konfliktpotenzial gegeben hatte.“

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In der Tat war dieses vorhanden, nachdem die CSU Kronberger die Gefolgschaft verweigert hatte. Und der amtierende Bürgermeister ist tatsächlich mit einem Konflikt beschäftigt – allerdings nicht in politischer Hinsicht als vielmehr mit der Corona-Krise, „die meine ganze Tatkraft einfordert“. Seit Tagen befinde er sich im Krisenmodus, informiert die Bevölkerung über die gemeindeeigene Internetseite über aktuelle Entscheidungen der großen Politik und bündelt die Kräfte vor Ort, um im Falle des Falles gut aufgestellt zu sein.

Krisenbewältigung geht vor Wahlkampf

„Da bleibt nicht viel Zeit für Wahlkampf“, erklärt Kronberger, der etwa davon berichtet, dass er sich am Wochenende mit seinen fünf Feuerwehrkommandanten getroffen habe, um Notfallpläne für die Gemeinde zu erstellen. Wasserversorgung und Kanalisation – der Betrieb der systemrelevanten Einrichtungen muss sichergestellt sein. Die Notnutzung der Turnhallen, die Absicherung einzelner Ortschaften, Hygienemaßnahmen und andere mögliche Problemsituationen seien dabei abgeklärt worden.

Und der Wahlkampf? Musste warten. Am Montagmorgen lagen die 1500 Wahlflyer, die er neu drucken ließ, jedenfalls noch bei ihm zu Hause. Zu seinen Chancen am Sonntag verweist er den Wähler, „der muss beurteilen, ob ich meine Arbeit in den vergangenen sechs Jahren gut gemacht habe oder nicht.“ Dabei ist ihm eines sehr wohl bewusst: „Ich konnte es sicher nicht jedem Recht machen!“

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