Landratsamt jetzt am Zug

Pollinger Gemeinderat lehnt große gewerbliche Gewächshausanlage ab

Auf diesem Areal will die Firma Reichenspurner eine weitere Gewächshausanlage errichten, insbesondere die Nähe zur Wohnbebauung sorgte im Gemeinderat für Kritik.
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Auf diesem Areal will die Firma Reichenspurner eine weitere Gewächshausanlage errichten, insbesondere die Nähe zur Wohnbebauung sorgte im Gemeinderat für Kritik.
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
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Die Firma Reichenspurner möchte die Anbaufläche für Erdbeeren, Tomaten und Paprika im Gewächshaus erweitern. Analog zur Anlage bei Tüßling soll eine zweite im Pollinger Ortsteil Weiding entstehen. Doch im Gemeinderat fand die Bauvoranfrage keine Mehrheit. Im Zweifel muss das Landratsamt entscheiden.

Polling – Erst sollte es eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage werden, jetzt beantragte der Grundstückseigentümer wieder eine Rückwidmung der Fläche zu einer landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dem Pollinger Gemeinderrat lag ein Antrag vor, den er mit der Firma Reichenspurner stellte. Auf diesem Areal ist eine weitere Gewächshausanlage gemäß der bereits im Gemeindegebiet Tüßling bestehenden Anlage geplant.

Für Gemeinderat Alfred Wagner (CSU) ein rechtliches Problem, da seiner Ansicht nach nur der Eigentümer einen Antrag stellen könne. Dem widersprach Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG), der es für unerheblich hielt, ob der Antrag auch von der Firma Reichenspurner getragen werde. Kronberger plädierte dafür, dem Antrag zuzustimmen, da die Umsetzung des ursprünglichen Vorhabens, eine Fotovoltaikanlage zu errichten, vom Grundstückseigentümer wegen fehlender Wirtschaftlichkeit verworfen wurde.

Ein Brunnen für die Bewässerung

Gemeinderat Wolfgang Schweiger (Grüne) forderte eine Nutzung gemäß dem bestehenden Beschluss als Fotovoltaikfläche, da sie durch ihre Ausrichtung nach Süden dafür privilegiert sei. Eventuell solle man dafür eine Art Genossenschaft gründen. Für Thomas Jobst (CSU) sollte die Rückführung zur landwirtschaftlichen Fläche erfolgen, um den Bau der Gewächshausanlage zu ermöglichen: „Der Bedarf ist offensichtlich da, und es ist doch besser, wenn Tomaten und Paprika in der Region produziert werden und nicht von irgendwoher importiert werden.“

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Alfred Wagner monierte, dass für den Fall einer Zustimmung zum Gewächshaus für die Versorgung der Pflanzen ein Brunnen geschlagen werden müsse. Zudem forderte er das Gremium auf, sich vorzustellen, wie sich das Ganze auf Wohnqualität und Wert auswirke. „Es gibt schon Bedenken aus der bestehenden Lebensmittelproduktion, die hier angesiedelt ist, ob durch die Beleuchtung zusätzlich Insekten angelockt werden, die die Produktion gefährden“, sagte Wagner.

Die sich anschließende Abstimmung zur Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses, der das Areal vor etwa sieben Jahren zur Fotovoltaik-Freifläche freigegeben hatte, erfolgte mit 12:4 Stimmen, die Entscheidung, den Flächennutzungsplan wieder auf den Stand vor der Widmung zur Fotovoltaikfläche zu bringen, endete mit dem gleichen Ergebnis.

Zwischen Polling und Tüßling existiert bereits eine große Gewächshausanlage. Der Betreiber will nun ein zweites Gewächshaus bei Weiding errichten.

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In der anschließenden Diskussion um die von der Firma Reichenspurner gestellten Bauvoranfrage ging es im Wesentlichen um den geringen Abstand von nur knapp elf Metern zur Wohnbebauung (Alfred Wagner) und die befürchtete Lichtverschmutzung (Wolfgang Schweiger). Bürgermeister Kronberger erklärte, man werde selbstverständlich ein entsprechendes Licht- und Verkehrskonzept einfordern. Oswald Brandstetter (CSU) forderte ein eben solches Konzept für die Wasserversorgung der Pflanzen: „Wie viel Wasser wird aus dem Grundwasser entnommen, wie viel wird zusätzlich zum Dachflächenwasser bei einem durchschnittlichen Ergebnis von 800 bis 850 Liter Regenwasser, benötigt.“

Eine weitere Forderung hinsichtlich der Entsorgung des Pflanzenabfalls, die in der Vergangenheit bei der Tüßlinger Anlage zu Problemen mit der Umweltbelastung geführt habe, stellte Gemeinderat Wolfgang Schweiger. Diese Anregungen und den Einwurf von Lena Koch (Grüne), auf eine artenreiche Begrünung im Umfeld zu achten, nahm Bürgermeister Kronberger in seinen Beschlussvorschlag auf.

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Gemeinde hat keine Handhabe mehr

Die Anfrage von Reinhard Oberstarr (CSU), ob eine Ablehnung der Bauvoranfrage oder des Bauantrages seitens des Gemeinderates eine rechtliche Auswirkung auf die Genehmigung habe, beantwortete Geschäftsstellenleiter Georg Hartl: „Wenn das Landratsamt anderer Meinung ist, dann hat eine Ablehnung durch den Gemeinderat keine Auswirkung.“ Eine Umschreibung, die Stefan Mooshuber (CSU) süffisant kommentierte: „Warum glaubt ihr denn, dass die Vertreter der Firma Reichenspurner (waren als Zuhörer in der Sitzung, Anm. der Redaktion) gegangen sind, nachdem der Beschluss zur Rückführung zu einer landwirtschaftlichen Nutzfläche gefasst wurde? Weil der Gemeinderat für alles andere keine Handhabe mehr hat.“

Die Abstimmung zur Bauvoranfrage bekam mit 8:8 keine Mehrheit, der Beschluss geht damit als Ablehnung an das Landratsamt weiter.

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