50 Jahren Erfahrung

Pollinger Robert Wagner verrät wertvolle Tipps rund ums Schwammerl-Suchen

Vorsichtig dreht Robert Wagner den Steinpilz aus dem dichten Moos. Mit seiner Schwammerlleidenschaft steht er in einer Familientradition, die seine Tochter fortführt. Sie kennt auch seine geheimen Plätze.
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Vorsichtig dreht Robert Wagner den Steinpilz aus dem dichten Moos. Mit seiner Schwammerlleidenschaft steht er in einer Familientradition, die seine Tochter fortführt. Sie kennt auch seine geheimen Plätze.

Die Schwammerlsaison läuft. Dutzende sind an jedem Tag in den heimischen Wäldern unterwegs, um Pilze zu sammeln. Auch Robert Wagner. Seit 50 Jahren pflegt der die Familientradition und kennt gute Pätze. Die verrät er natürlich nicht, gibt aber andere Tipps.

Mühldorf – Nach dem Blick auf die Uhr wiegt Robert Wagner den Kopf. „Eigentlich sind wir zu spät“, sagt er, während er Korb, Stecken und Hut aus dem Kofferraum kramt, die Standartausrüstung des erfahrenen Schwammerlsuchers. Dazu eine Regenjacke, feste Schuhe, schon geht es los, in irgend ein Gehölz zwischen Mühldorf und Polling.

Sieben Uhr, das die Zeit, in der der 59-Jährige normalerweise loszieht, stets zusammen mit seiner Frau Silvia, die genauso leidenschaftlich sucht wie er. Und manchmal sogar das etwas bessere Nässchen hat. Heute ist das nötig, denn um 10.30 sind die meisten Schwammerl bereits in fremden Körberln verschwunden.

Fliegenpilze zeigen an, wo es Steinpilze gibt

Es geht über einen Kiesweg, dann über Moos in einen Fichtenwald. Dutzende Fliegenpilze stehen dort, ein gutes Zeichen, sagt Wagner. „Wo Fliegenpilze wachsen, wachsen auch Steinpilze.“ Besser: wuchsen. Denn das niedergetretene Gras, die Abdrücke im Moos zeigen, dass hier andere unterwegs waren, deutlich früher.

Ein Steinpilz.

Die Wagners wären aber nicht die Wagners, hätten sie nicht noch andere Gebiete im Suchrepertoire, noch ein bisschen versteckter. Wo es hingeht, verrät Wagner natürlich nicht, das ist eines der großen Geheimnisse der Schwammerlsucher, die ihre Lieblingsgebiete niemals preisgeben würden.

Die besten Plätze bleiben Familiengeheimnis

Bei Wagners ist es Familienwissen. Sein Vater habe ihn zum Pilzsuchen gebracht, das war er neun. Das ist heuer 50 Jahre her. Zum Glück fand er eine Frau, die ebenfalls aus einer Schwammerlsucherfamilie stammt, jetzt hütet auch die Tochter das Herrschaftswissen.

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Es geht weiter, oft gebückt unter tief hängenden Ästen durch. Frösche hüpfen über den Waldboden. Ein schmaler Wiesenweg und darauf Steinpilze, gleich ein halbes Dutzend. Im weichen Moos kniet er nieder, vorsichtig legt er den Steinpilz frei, dreht ihn langsam aus dem Erdreich.

Abschneiden oder raus drehen? Da gehen die Meinungen der Experten auseinander. Wichtig ist dem Pollinger, der seit vielen Jahren als freier Mitarbeiter für die Heimatzeitung schreibt, der sorgsame Umgang mit der Natur.

Sich auf wenige Sorten beschränken

Das gilt auch für den Birkenpilz, den er mit dem Messer abgeschnitten hat. Der genaue Blick auf den langstieligen Pilz, der natürlich unter einer Birke wächst, zeigt, dass er schon wurmzerfressen ist. Kein Genuss mehr für den Sammler, aber für die Schnecken. Vorsichtig legt ihn Wagner auf dem Waldboden ab.

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Nur fünf Sorten dürfen in Wagners Korb, neben dem König der Pilze sind das Rotkappen, Maronenröhrlinge, Birkenpilze und Reherl. Andere lässt er stehen, die kennt er nicht gut genug. Eine Sicherheitsmaßname, die Wagner auch jedem andern empfiehlt

Eine Rotkappe.

Manchmal veschwinden gute Gebiete einfach

Trotzdem sind die Körbe der beiden nach einer Stunde gut gefüllt. Es geht zurück zum Auto. Wagner zeigt auf ein anderes Waldstück, in dem bis vor wenigen Jahren Schwammerl zu finden waren. Dort gibt es keine mehr. Warum? Das kann der Pollinger nicht erklären. Der Wald verändere sich, sagt er, manchmal verschwinden gute Gebiete einfach.

Genauso wie die anderen Schwammerlsucher. Der vorher mit mehreren Autos belegte Parkplatz ist leer, die Schuhe sind dreckig. Jetzt geht es nach Hause auf die Terrasse, Schwammerl putzen.

Wagners Tipps:

* Möglichst früh losgehen

* Sich auf wenige Pilzsorten beschränken

* Rücksicht auf die Natur nehmen

* Pilze sofort putzen und verarbeiten: zubereiten, trocknen oder einfrieren.

Giftnotrufzentrale anrufen

Was tun, wenn doch etwas schief gegangen ist? Die Gesellschaft für Mykoloige hat drei Verhaltensregeln aufgestellt.

1. Schnell einen Arzt oder den Giftnotruf kontaktieren unter 089/19240. Wenn niemand erreichbar ist: den Notruf 112 wählen

2. Pilzreste sichern. Reste des Sammelguts, vom Pilzeputzen, der Mahlzeit und eventuell sogar Erbrochenes aufbewahren.

3. Keine Hausmittel! Es gibt keine vernünftigen Hausmittel bei einer Pilzvergiftung. Milch trinken ist immer falsch, aber auch Salzwasser trinken, um Erbrechen zu fördern oder Kohletabletten, um Durchfälle zu lindern, können schwere Nachteile mit sich bringen.

So schmeckts am Besten: Silvia Wagners Rezept für Schwammerlsuppe

Für die klassische Schwammerlsuppe für zwei Personen nimmt Silvia Wagner:

300 Gramm Schwammer, Butter, Zwiebel, Kümmel, Mehl, Salz und Pfeffer, Gemüsebrühe (Pulverform), Petersilie, Essig, Sahne.

Zwiebel und Pilze klein schneiden, Butter in der Pfanne zerlaufen lassen, Zwiebel andünsten, Pilze dazu geben und anbraten. Mit Mehl bestäuben und verrühren, mit 150 Milliliter kaltem Wasser aufgießen, 150 Milligramm Sahne dazugeben und kurz aufkochen lassen, würzen mit Salz und Pfeffer, Kümmel, Petersilie und einem halben Teelöffel Essig. Einen Teelöffel Gemüsebrühe in Pulverformeinrühren. Das ganze unter häufigen Umrühren zehn Minuten köcheln lassen und je nach gewünschter Konsistenz mit Wasser und Sahne verdünnen.

Dazu passen am besten Semmelknödel oder Bandnudeln.

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