Polling plant Wegeausbau im Biotop: Leidtragende sind die Wildbienen

Lehmwand am Hohlweg bei Grünbach. Hier ist der Lebensraum für viele Wildbienen.
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Lehmwand am Hohlweg bei Grünbach. Hier ist der Lebensraum für viele Wildbienen.

Bayern schützt die Bienen, so lautet der Slogan. „Ganz Bayern? Nein!“, bedauert Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. „Eine kleine Gemeinde im Landkreis Mühldorf scheint die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben“. Falsch, sagt Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger und führt gute Gründe an.

von Harald Schwarz und Robert Wagner

Grünbach/Polling – Bayern schützt die Bienen, so lautet der Slogan. „Ganz Bayern? Nein!“, bedauert Andreas Zahn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. „Eine kleine Gemeinde im Landkreis Mühldorf scheint die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben“. Bei Grünbach in der Gemeinde Polling soll ein Hohlweg mit Lehmwänden voller Wildbienen einem Wegeausbau zum Opfer fallen, damit ein einzelnes Gehöft besser erreicht werden kann. Falsch, sagt Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger: „Die bestehende Kiesstraße soll asphaltiert werden und nicht die Lehmwände“. Die Planungen hätten zudem ergeben, dass der Ausbau der seit Jahrhunderten bestehenden Straße den geringsten Eingriff in die Natur und keinen weiteren Landverbrauch wie die übrigen Trassen erfordert.

Bund Naturschutz: Unverständliche Entscheidung

Für den Bund Naturschutz ist die Entscheidung dennoch unverständlich. Bei dem Hohlweg handelt sich um ein kartiertes Biotop, das einen wichtigen Lebensraum für gesetzlich geschützte Arten darstellt. Derart beeindruckende Hohlwege sind nach Ansicht der Naturschützer auch von kulturhistorischer Bedeutung und wertvoll für das Landschaftsbild.

Bereits im Vorfeld wurde durch die Fällung der Großbäume an der Hangkante der Lebensraum deutlich geschädigt. Die Gemeinde erklärte auf Anfrage, einen möglichst schonenden Ausbau durchführen zu wollen. „Doch aufgrund der engen räumlichen Situation, ist jede denkbare Variante mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lehmwände verbunden“, ist sich Zahn sicher.

Bürgermeister Lorenz Kronberger erklärt, dass der Straßenausbau im Zuge von drei Hoferschließungsmaßnahmen in der Gemeinde Polling durch das Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern stattfindet.

Es soll dabei die bestehende Kiesstraße asphaltiert werden und nicht die Lehmwände. Die Lehmwände und somit die Lebensräume der Wildbienen bleiben erhalten. „Die Darstellung des BN-Vorsitzenden stellt somit eine bewusste Falschinformation dar“, ärgert sich Kronberger. Die Planungen der Straße sehen keinen Eingriff in die bestehenden Lehmwände an der linken Straßenseite vor. Lediglich auf einem rund zehn Meter langen Teilstück soll die Engstelle am rechten Fahrbahnrand neu als Lehmwand angelegt werden.

Straße ist der geringste Eingriff in die Natur

„Im Schreiben vom BN-Vorsitzenden wird suggeriert, als würde eine Gemeinde hier rigoros Natur zerstören. Das ist beileibe nicht so, im Gegenteil“, sagt der Pollinger Bürgermeister. Die Gemeinde habe neben dem Bauingenieur auch einen Landschaftsarchitekten zur Planung hinzugezogen. Bereits im Vorfeld wurden verschiedene Alternativtrassen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Ausbau der seit Jahrhunderten bestehenden Straße den geringsten Eingriff in die Natur und keinen weiteren Landverbrauch wie die übrigen Trassen erfordert. Außerdem stehen für Alternativtrassen keine Grundstücke zur Verfügung.

Auch das Amt für ländliche Entwicklung sieht an den Planungen keine Naturzerstörung und konnte diese Baumaßnahme als förderwürdig einstufen.

Ausbau nur wegen der Zuschüsse

Der Naturschutzverband, so geht es aus einer Pressemitteilung hervor, befürchtet, dass der Ausbau wegen der derzeitigen Zuschüsse vorangetrieben wird, damit diese nicht verfallen. Dabei gäbe es eine weitere Zufahrtsmöglichkeit, die ohne Naturzerstörung optimiert werden könnte. Trotz längerer Grundstücksverhandlungen sollte diese Lösung gewählt werden, um die Bienenwand retten zu können, fordert der Bund Naturschutz.

Dieser Ansicht ist auch die neue Gemeinderätin Lena Koch (Bündnis90/Die Grünen): „Kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen, ist für mich genauso existenziell wie der Erhalt seltener Arten. Hier sehe ich einen Weg, beides zu verwirklichen – Bienenschutz und verbesserte Hofzufahrt. Schließlich funktioniert Landwirtschaft nur in einem intakten Ökosystem.“

Bürgermeister Kronberger ärgert sich über Unwahrheiten

Dazu meint Bürgermeister Kronberger, er habe sowohl Herrn Zahn schriftlich und auch Frau Koch durch intensive Akteneinsicht die Möglichkeit gegeben, sich davon zu überzeugen, dass die Lebensräume der Bienen erhalten bleiben. „Mittlerweile ist es Mode geworden, mit solchen Unwahrheiten Stimmung in der Bevölkerung zu machen“, ärgert er sich.

Er führt weiter aus, dass neben dem Erhalt der Lehmwände noch zwei Sickermulden für die Straßenentwässerung geplant sind. Hier können neben dem Trockenlebensraum noch wechselfeuchte Standorte für weitere Tier-und Pflanzenarten angelegt werden.

Die Entnahme von einigen Bäumen außerhalb der Vogelbrutzeit hält Kronberger an dieser Stelle für vertretbar. Auf die in der Planung, aufgrund der geringen Straßenbreite von 3,5 Metern vorgesehene Ausweichstelle könnte eventuell verzichtet werden. Dieser Verzicht würde zwar nicht die Lehmwände betreffen, aber einen kleinen Eingriff im unteren Bereich der Straße überflüssig machen, so der Bürgermeister.

Gemeinden sollen gutes Beispiel sein

Die Gemeinden sollten mit gutem Beispiel vorangehen, findet der Bund Naturschutz. Er betont, dass nicht vom Bürger Bienenschutz im Garten verlangt werden kann und Landwirte zur Pflege von Blumenwiesen aufgefordert werden, wenn die öffentliche Hand bei solchen Projekten auf Kosten der Natur die einfachste Lösung wählt.

„Für mich als Bürgermeister gilt es, geringste Eingriffe in die Natur und die Schaffung von zeitgemäßen Hofzufahrten für den Erhalt kleinbäuerlicher Landwirtschaft abzuwägen. Jeder von uns weiß um die Bedeutung einer geeigneten Zufahrtsmöglichkeit für Rettungskräfte, Winterdienst und Schülerbeförderung“, erläutert Kronberger und bekommt Unterstützung von Feuerwehrkommandant Alois Steinberger:

Rettungskräfte begrüßen Ausbau: „IM Ernstfall zählt jede Minute“

„Als zuständiger Kommandant für das Einsatzgebiet Grünbach, würde ich einen Ausbau der Zufahrt zum Anwesen Hechenberg begrüßen. Die Erreichbarkeit würde dadurch im Notfall wesentlich erleichtert. Insbesondere im Winter kommt es hier durch die Kombination aus schlechten Straßenverhältnissen und witterungsbedingten Einschränkungen zu deutlichen Erschwernissen, wie man auch beim Brand im Jahr 2017 gesehen hat. Sicherlich stand das Anwesen damals bereits fast im Vollbrand, als die Alarmierung erfolgte und es wäre wohl keine Rettung möglich gewesen. Dennoch ist ein schnelles Erreichen des Einsatzortes Voraussetzung, hier zählt jede Minute.“

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Der Bund Naturschutz befürchtet, dass durch den Wegebau die Lehmwände zerstört werden.
Für die Gemeinde und Rettungskräfte ist der Ausbau des Hohlweges der beste Kompromiss.

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