Wie aus einer Münchner Stadtpflanze eine Pollinger Bäuerin mit Leib und Seele wurde

Die Kälberaufzucht ist für Karin Mayerhofer die schönste Aufgabe. Wagner
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
    schließen

Es ist eine nicht alltägliche Geschichte. Sie handelt von einer Frau, die mitten im Leben einen Neuanfang machte, den ihr kaum einer zugetraut hätte – außer sie selbst.

Polling – Dabei hatte sie doch alles, was man sich vermeintlich wünscht: zwei reizende Töchter, ein sorgenfreies Leben, einen Beruf, der ihr Spaß machte und einen Ehemann, der ihr fast jeden Wunsch erfüllen konnte.

Am heutigen Dienstag sind es auf den Tag genau 20 Jahre, dass Karin Mayerhofer ihrem Josef, Landwirt auf dem Ploier Hof, das Ja-Wort gab und seitdem die Bäuerin an seiner Seite ist. Es war der 30. Juni 2000. Wie es dazu kam, ist eine besondere Geschichte, die mit Karins Geburt am 12. Juni 1967 in München begann. Hier wuchs sie gemeinsam mit ihrer Schwester Helga auf. Eine unbeschwerte Zeit, wie sie heute sagt, die allerdings plötzlich mit der Alkoholsucht ihres Vaters, der immer mehr abglitt, ein Ende hatte.

Heute vor 20 Jahren wurde Karin Mayerhofer die Bäuerin an der Seite von Josef Mayerhofer auf dem Ploier Hof.

Als Jugendliche keine einfache Zeit

Mit Sack und Pack und ihren beiden Töchtern verließ die Mutter ihren Mann und zog in eine ärmliche Wohnung. Für Karin begann eine schwere Zeit, immer mit dem Wissen, dass es ihrer Mutter finanziell am Nötigsten fehlte. Standen Klassenfahrten an, blieb sie zu Hause, ging in dieser Zeit in die Parallelklasse, nur, um ihrer Mutter keine zusätzlichen Kosten zu verursachen: „Ich konnte doch gar nicht anders, weil ich wusste, wie knapp wir bei Kasse waren.

Das hätte ich von Mama nie angenommen“, sagt sie heute im Rückblick. Dann kam die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, ein Beruf, den sie so richtig liebte. Mit Engagement schaffte sie es, schon kurz nach der Ausbildung zur Marktleiterin aufzusteigen. Wenig später lernte sie ihren ersten Ehemann kennen und heiratete ihn an Silvester 1990. Im darauffolgenden Jahr kam Tochter Melanie zur Welt, zwei Jahre später wurde Ann-Kathrin geboren. Das Glück war perfekt.

Die „Ploier-Bäuerin“ an ihrem Lieblingsplatz, den ihr Ehemann Josef und Freunde zum 50. gestaltet haben.

Die große Liebe erst im zweiten Anlauf

Karin kümmerte sich um ihre Kinder, ging noch in Teilzeit zur Arbeit und kaufte sich ihre „Wunschtiere“ – zwei Esel hielten Einzug auf dem Grundstück in Grünbach. Alles schien perfekt und doch war da etwas, was sie umtrieb, irgendetwas fehlte. Es war die große Liebe, die sie in jungen Jahren wohl doch nur vermeintlich gefunden hatte. Anders fühlte es sich an, sagt sie, als an jenem Sommerfest auf Schloss Tüßling der Kontakt mit ihrem heutigen Ehemann vertieft wurde: „Ich hab den Sepp gesehen und mir gedacht, der hat auf mich gewartet“. Und dem Auserkorenen ging es wohl genauso, auch er war Feuer und Flamme.

Der regionale Unterschied – Sie ein „Preiß“ und er ein waschechter „Bayer“ – fiel kaum ins Gewicht, Liebe braucht eben keine Worte. Und auch der erste Besuch im Kuhstall – von dem Sepp erst glaubte, er würde sie eventuell abschrecken – änderte daran nichts.

Sofort in die neue Familie integriert

Doch wie würde sie von den künftigen Schwiegereltern, den Altenteilern auf dem Hof, und von Sepp`s Schwestern angenommen? Diese Frage war schnell beantwortet: „Ich wurde von Beginn an akzeptiert, bestens aufgenommen und in die Familie integriert, genauso wie meine beiden Töchter, für die Sepp`s Eltern auch in die Oma und Opa-Rolle schlüpften. Es war einfach herrlich, wie sich alle miteinander verstanden“, sagt Karin und blickt auf die mit der Hochzeit veränderte „berufliche“ Situation zurück: „Ich hab doch rein gar keine Ahnung gehabt, was mich erwartet. Keine Ahnung von der Landwirtschaft, von der Arbeit mit den Tieren und von der Feldarbeit. Mein einziger „Tierkontakt“ bestand mit meinen beiden Eseln und dem Hund. Das half nicht wirklich weiter“, lacht Karin beim Gespräch an ihrem Lieblingsplatz, den ihr Sepp und Freunde zum 50. Geburtstag gebaut haben: Ein Freisitz mit Backsteinmauer und im Zentrum ein wunderbarer Whirlpool.

Als Karin weiter erzählt, kann man förmlich spüren, mit welcher Hingabe sie sich eingearbeitet hat und vor allem, wie dankbar sie ihrem Mann und auch ihrem mittlerweile verstorbenen Schwiegervater für die Unterstützung beim Einarbeiten in die neue Aufgabe war: „Sepp und mein Schwiegervater Sebastian gaben mir die Möglichkeit, mich Schritt für Schritt einzuarbeiten, erklärten mir alles in Ruhe und hatten auch Geduld mit mir“.

Sie ist die Bäuerin vom Ploier-Hof

Diese Unterstützung und ihr unbedingter Wille, ließen sie schnell zu einer vollwertigen Kraft auf dem Hof werden – zu dem, was sie bis heute ist: Die Bäuerin vom Ploier Hof. Und sie hat mit der Aufzucht der kleinen Kälber ihr persönliches Aufgabengebiet, denn der Ploier Hof ist ein Züchter Hof mit durchschnittlich 80 Geburten im Jahr. Zudem kümmert sie sich um die umfangreiche Büroarbeit.

Zum vollkommenen Glück wurde ihr neues Leben mit der Geburt der gemeinsamen Kinder Josef im November 2000 und Magdalena im April 2003. Josef tritt mittlerweile schon in die Fußstapfen des Vaters und schließt demnächst seine Ausbildung zum Landwirt ab, Magdalena besucht derzeit die Fachoberschule.

Gefragt, was denn für sie die Vorzüge im Leben als Bäuerin sind, sagt sie: „Ich kann hier Arbeit und Familie verbinden, ich bin zu Hause und trotzdem zugleich in der Arbeit. Wir konnten unsere Kinder gemeinsam erziehen, ich konnte immer und sofort den Kontakt mit Sepp suchen, wenn es diesbezüglich etwas zu besprechen gab. Für mich ist es einfach nur schön, dass ich hier sein kann.“

Und auch diesen letzten Satz spricht sie mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht, so wie man sie hier kennt. Sie hat einfach eine lebensfrohe Natur, mit der sie auch andere anstecken kann.

Kommentare