Bewährungs- und Geldstrafe

Polizisten gebissen und geschlagen: Ausraster beim Mühldorfer Volksfest wird teuer

Meist geht es beim Mühldorfer Volksfest friedlich zu. Wenn aber Alkohol und Aggression ins Spiel kommen, kann die Maß Bier schon mal über 3000 Euro kosten und eine Gefängnisstrafe auf Bewährung nach sich ziehen.
+
Meist geht es beim Mühldorfer Volksfest friedlich zu. Wenn aber Alkohol und Aggression ins Spiel kommen, kann die Maß Bier schon mal über 3000 Euro kosten und eine Gefängnisstrafe auf Bewährung nach sich ziehen.

Einen fröhlichen Abend auf dem Mühldorfer Volksfest verbringen und Spaß haben – so hatte es sich ein junges Pärchen aus dem Nachbarlandkreis vorgestellt. Doch es kam alles anders als geplant, am Ende bleiben sie auf insgesamt mehr als 3000 Euro Kosten und Bewährungsstrafen sitzen.

Mühldorf– Sie wollten eigentlich nur feiern, am Ende schlugen sie sogar auf Polizisten ein: Nach dem Genuss von mehreren Maß Bier begann das Paar aus dem Nachbarlandkreis, einen Maßkrug zwischen sich hin- und herzuschieben, immer wilder, bis das Bier überschwappte. Sie waren stark betrunken, eine eineinhalb Stunden später durchgeführte Messung des Alkoholspiegels im Blut erbrachte Werte von 1,55 Promille bei dem Mann und 1,1 Promille bei seiner Begleiterin.

Zuerst waren Sicherheitsleute Opfer

Mahnungen von Security-Kräften, dies einzustellen, fruchteten nichts, die ersten Beleidigungen fielen. Daraufhin wurden beide, ein 30-jähriger Heilerziehungspfleger und seine Freundin, eine Erzieherin mit 24 Jahren, des Bierzelts verwiesen. Diesem Ansinnen widersetzte sich der junge Mann. Er rempelte die Sicherheitskräfte an, beleidigte sie und wollte sie treten, bis die Sicherheitsleute ihn auf den Boden werfen und ihm Handschellen anlegen konnten. Polizeibeamte brachten ihn in den Container der Wiesenwache.

Dorthin folgte ihm seine Freundin, die Beamten, baten sie aber, draußen zu bleiben. Weil auch sie um sich schlug, versuchte ein Polizist ihr Handschellen anzulegen. Dabei biss ihm die Frau in den Unterarm, einem Kollegen drehte sie den Daumen um.

Beleidigung, Widerstand und tätliche Angriffe gegen Polizisten

Als ihr Freund dies mitbekam, flippte er wieder aus. Er nahm einen Polizisten in den Schwitzkasten, sodass der Polizeibeamte keine Luft mehr bekam. Der Heilerziehungspfleger wurde erneut – mit großer Kraftanstrengung – zu Boden geworfen und mit Handschellen gefesselt. Während der ganzen Aktion beleidigte das Päärchen die Beamten übel. Der 30-jährige landete schließlich in einer Zelle, die darin liegende Matrazte zerstörte er und verteilte die Reste auf dem Gang vor der Zelle.

Nun standen beide vor Richter Jürgen Branz, dem Direktor des Mühldorfer Amtsgerichts, um sich wegen Beleidigung, Widerstand und tätliche Angriffe gegen Polizisten, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu verantworten.

Die beiden jungen Leute – er vertreten von Rechtsanwalt Jens Diedrich, sie von Rechtsanwalt Stefan Neudecker – zeigten sich reuig. Sie waren bereits am nächsten Tag auf dem Mühldorfer Polizeirevier erschienen, um sich zu entschuldigen und zu erfragen, wie sie den Vorfall aus der Welt schaffen könnten. Mittlerweile ernüchtert, bereuten sie ihn zutiefst.

Den Schläge folgte tiefe Reue

Sowohl Richter Branz als auch ein Polizeibeamter zeigten sich äußerst erstaunt, dass sich Täter aus eigenem Antrieb persönlich entschuldigen. Das komme nur in den seltensten Fällen vor, sagten die beiden übereinstimmend.

Auch interessant: Mehrfach fliegen im Volksfest-Umfeld die Fäuste

Die beiden Angeklagten waren auch bereit, die Schadensersatzforderung eines Polizisten in Höhe von 800 Euro zu bezahlen, eine Forderung in Höhe von 350 Euro werde demnächst überwiesen.

Angeklagte beim Volksfest erstmals auf diese Art ausgerastet

Von Jürgen Branz nach den Gründen befragt, antworteten beide Angeklagte übereinstimmend, dass sie sich ihr Ausrasten nicht erklären könnten. Es sei erstmalig gewesen, sie bedauerten die Vorfälle zutiefst. Sie hätten in der Folge ihren Arbeitsplatz verloren. Beide sind nicht vorbestraft.

+++Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Richter Jürgen Branz verhängte schließlich eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten für den jungen Mann und sechs Monate für seine Freundin, die beide zur Bewährung ausgesetzt wurden. Jeder von ihnen muss außerdem 1000 Euro an das Franziskushaus in Au zahlen.

So endete der Abend auf dem Mühldorfer Volksfest mit Gesamtkosten von 3000 Euro für Schadensersatzzahlungen und Strafe und einer Bewährungsstrafe. Die Kosten fürs viele Bier nicht eingerechnet.

Kommentare