Plötzlich stand die Polizei im Wohnzimmer

Mühldorf –. Ein 21-jähriger Auszubildender aus Mühldorf musste sich vor Amtsrichter Dr.

Christoph Warga verantworten. Die Staatsanwältin aus Traunstein warf ihm einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor.

Als die beiden Polizeibeamten im November 2019 die Wohnung des Angeklagten geöffnet hatten, fanden sie diesen auf der Couch sitzend mit einem Joint vor. Im Kühlschrank entdeckten die Gesetzeshüter Marihuana, Amphetamine und Cannabis-Samen. In der Beweisaufnahme erklärte der junge Mann, er sei von einer kurzen Reise nach Hause gekommen und habe im Kühlschrank mehrere abgepackte Tütchen entdeckt. Da er sich die Wohnung mit einem anderen jungen Mann teilt, habe er vermutet, dass diese Päckchen ihm gehören. Er selbst konsumiere nur Cannabis.

Als erster Zeuge wurde ein Hauptkommissar der Kripo Mühldorf vernommen. Seine Kollegen hätten am Bahnhof von Neumarkt-St. Veit den Mitbewohner des Beschuldigten mit 200 Gramm Marihuana aufgegriffen. Dieser junge Mann machte als zweiter Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Detlef Dressnandt von der Jugendgerichtshilfe berichtete von Verwerfungen im Leben des Angeklagten. Er habe mehrere Einträge im Erziehungsregister, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzung. Der Mann habe jetzt aber einen Ausbildungsplatz und eine Wohnung, also eine günstige Sozialprognose.

In ihrem Plädoyer hielt die Staatsanwältin dem Lehrling das Teilgeständnis und die positive Sozialprognose zugute, negativ bewertete sie die einschlägigen Eintragungen und die ihrer Ansicht nach hohe Rückfallquote. Sie forderte eine Strafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

Rechtsanwalt Karl-Heinz Merkel widersprach der Anklägerin, der Besitz von Amphetaminen sei seinem Mandanten nicht nachzuweisen. Die Nicht-Aussage des zweiten Zeugen wertete er quasi als dessen Schuldgeständnis ein. Er forderte eine Geldstrafe von 300 bis 500 Euro.

Richter Warga verhängte eine Geldstrafe von 800 Euro. Positiv sah das Schöffengericht, dass nur an, nicht aber in den Briefchen die Fingerabdrücke des Angeklagten gefunden worden seien. Die Aussageverweigerung sah Dr. Warga genauso wie der Verteidiger: das entspräche einem Schuldeingeständnis. Auch sei der junge Lehrling eher mit Cannabis in Verbindung zu bringen als mit Amphetaminen. hra

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