Plauderstunde in Buchbach: Schule – Höchststrafe für den ehemaligen Lehrer Han’s Klaffl

Han’s Klafflbei seinen unterschiedlichen musikalisch kabarettistischen Vorträgen am Klavier und Kontrabass. Rampl
+
Han’s Klafflbei seinen unterschiedlichen musikalisch kabarettistischen Vorträgen am Klavier und Kontrabass. Rampl

Umgeben von stinkenden Turnsäcken und Schülern als natürliche Feinde: Für den Musikkabarettisten hat die Vergreisung des Lehrerkollegiums den Charme einer „marodierenden Geriatrie“

Buchbach– 40 Jahre hatte Han’s Klaffl als Lehrer anscheinend Ferien – und dann hat er eingepackt, so zumindest sein Programm in Buchbach, sein erstes von bisher vier Programmen. Sie handeln, wie sollte es anders sein, von den schulischen Erlebnissen des ehemaligen Musiklehrers. Es gibt viele Berufsgruppen, die kein hohes Ansehen haben, die Lehrer gehören sicherlich dazu, worüber sich Klaffl verärgert zeigt und zwischendurch versucht, Anerkennung zu ernten – oder zumindest Mitleid zu wecken.

Im bestens besuchten Buchbacher Kulturhaus gibt Klaffl den – seiner Meinung nach, überwiegend anwesenden – Lehrern und besorgten Eltern, einen Einblick in seine Arbeit am bayerischen „Lukas-Podolski-Gymnasium“. Neben seinen Erlebnissen mit den Schülern klärt er dabei schonungslos die Schwächen des alternden Lehrerkollegiums auf.

+++Tipp der Redaktion:Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Er beginnt mit der Korrektur einer Vielzahl von Musik-Tests am Stehpult und bringt sich über jede falsche Antwort ansteigend in Rage, die er nur mit ein paar Schluck Rotwein im Zaum halten kann. Besonders bringen ihn die unterschiedlicher Schreibweisen des Wortes „Rhythmus“ zur Verzweiflung – außer der Schüler mit der anerkannten Rechtschreibschwäche, der dieses Wort wider Erwarten richtig schreibt. Während er den Schülern verständnisvoll entgegentritt, kommen seine Kollegen und die Ministerialbürokratie weniger gut weg. Han’s Klaffl, der pensionierte Lehrer, machte für einen alternden Lehrer, eine sympathische und sportliche Figur. Wenngleich er zugibt, nicht zu den Sportlichsten zu gehören. Gerade in den letzten Lehrerjahren habe er beim Bücken deutliche Probleme beklagt, vor allem bei der Suche nach dem Lehrerklo-Schlüssel, wie er verrät. Diesen hatte letztlich der Lehrertyp der Kategorie B, Gütlich, zum Programmende gefunden.

Klaffl unterteilt den Typen Lehrer nämlich in unterschiedliche Gruppen, die dann auch immer wieder in unterschiedlichen Szenen in seinem Musik-Kabarett auftauchen. Zum einen Lehrer Sedlmayer, der keine Probleme mit Schülern hat. Ein Typ, der alles aussitzt und die alten Cordanzüge aus den 1970er Jahren aufträgt. Typ B ist der Kollege Gütlich, ständig tief betroffen, belasteter Bedenken-Träger und ein Meister des Projektunterrichts. Dabei lässt er an der Ministerialbürokratie kein gutes Haar, deren Handreichungen außer Gütlich sowieso keiner liest. Und dann gibt es noch Kollegen Gmeinwieser, ein „Hoglbuacherner“, ein Brachialrhetoriker mit der Fächerkombination Sport und Chemie, „der Lukas Podolski im Kollegium und der Meister der pädagogischen Blutgrätsche“. Der Schüler ist sein natürlicher Feind, der vermehrt am ADHS-Syndrom leidet, „der Krankheit, bei der der Leidensdruck nicht beim Patienten liegt“.

Früher für Strampler gesammelt, jetzt für Kränze

Dann kennt Klaffl noch die Hilde, und dies schon „seit sieben oder acht Konfektionsgrößen!“, mit dem Hinweis darauf, welche Ausdehnung Leggings haben können. Dies ist ein weiteres Thema: Die Vergreisung des Kollegiums. „Früher haben wir einmal im Jahr 20 Mark gesammelt, um einen Strampler für das Kind einer Kollegin zu kaufen. Heute sammeln wir alle Vierteljahr 150 Euro für einen Kranz!“. Eindringlicher kann man die „marodierende Geriatrie“ mancher Schule nicht zeichnen.

Für die größten Lacher sorgt Klaffl beim Thema „Hauch“, indem er ansehnlich und beinahe schon plastisch die Gerüche der Schüler, besonders aus deren Turnsackerl, beschreibt. Er erinnert sich die Schminkorgien der Mädels nach dem Sportunterricht, die unter der Schminke sogar die Kopfhörerkabel verstecken könnten.

Er spricht die Schwierigkeiten als Lehrer an, einen Elternsprechtag erfolgreich zu überstehen. In Personalunion stellt er die Gedanken des Lehrers und der Mutter gegenüber, wechselt zwischen Klavier und Kontrabass nach der Melodie „Im Wagen vor mir“ von Henry Valentino – oberlehrerhaft bezieht er dafür auch das Publikum in seine musikalischen Darbietungen ein.

Nun im offensichtlich verdienten Lehrerruhestand, sind seine 40 Berufsjahre. Oder sind es doch Ferien gewesen?. Vor allem, wenn man sein vollbepacktes Tourprogramm bis Ende Februar 2020 vor Augen hat.

Kommentare