Pflegeeltern gesucht: Wer Semmeln kauft, könnte ein Kandidat sein

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Für die gute Sache stellt sich Landrat Georg auch schon mal hinter die Theke. Das Jugendamt sucht Pflegefamilien und macht dazu nun Werbung auf Semmeltüten. Mit Bäcker Stefan Greimel (hinten) hat das Amt einen Kooperationspartner gefunden.
  • Raphaela Lohmann
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Keine leichte Aufgabe, neue Pflegeeltern zu finden. Das Amt für Jugend und Familie geht daher einen neuen Weg. Sie macht Werbung auf Semmeltüten. Kooperationspartner ist die Bäckerei Greimel in Aschau.

Aschau/Mühldorf - Lebenskrisen, Drogenprobleme oder Erkrankungen: Die Gründe sind vielfältig, warum sich Eltern nicht mehr ausreichend um ihren Nachwuchs kümmern können. Ein Platz in einer Pflegefamilie ist dann oft ein notwendiger Schritt. Doch nicht jeder fühlt sich dieser Aufgabe gewachsen, die Akquise für Jugendämter ist damit um so schwieriger. 

Das Mühldorfer Jugendamt geht nun einen neuen Weg: Werbung auf der Semmeltüte. Und so landet mit der Zeitung jeden Morgen die Aufforderung auf dem Frühstückstisch: „Werden Sie Pflegeeltern.“

Wer erfüllt die Voraussetzungen?

Vielfach über die Ladentheke gehen die bedruckten Tüten bei der Bäckerei Greimel in Aschau. Eine Aktion, die Bäcker Stefan Greimel gerne unterstützt. Er hofft, dass mit dieser Aktion dazu beigetragen werden kann, die Suche nach Pflegeeltern zu unterstützen. 

Aktuell leben 106 Pflegekinder in 83 Familien. Die Suche nach Pflegeeltern ist nicht immer einfach, denn neben der Bereitschaft, ein Kind bei sich aufzunehmen, müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein. Eine der wichtigsten ist wohl die Freude an der Familie, wie Rita Herdegen beim Start der Aktion erklärt. 

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Doch es braucht mehr: gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse, ausreichend Wohnraum, Belastbarkeit, erzieherische Kompetenz oder Konfliktfähigkeit. Außerdem müsse man damit umgehen können, dass den Kinder Kontakt zu ihren leiblichen Eltern zu ermöglichen. 

Das Kind kann schon morgen wieder gehen 

Wie lange ein Kind in einer Pflegefamilie bleibe, lasse sich zu Beginn oft nicht absehen. Daher müssen Pflegeeltern flexibel sein und auch wieder loslassen können. Die Akquise von neuen Pflegeeltern ist eine wichtige Aufgabe im Jugendamt, um Kindern ein neues Zuhause zu geben. Denn: „Nicht jedes Kind passt in jede Familie. Für Kinder werden die Eltern gesucht“, betont Rita Herdegen. Um so wichtiger ist es daher, auf einen großen Pool an Familien zurückgreifen zu können. „Damit wir für alle Notfälle gerüstet sind“, sagt Rita Herdegen. 

Allein gelassen ist niemand bei einer solch verantwortungsvollen Aufgabe. Von der Anbahnung des Pflegeverhältnisses bis hin zu einer möglichen Rückführung zu den leiblichen Eltern werden die Pflegefamilien begleitet. 

Hier finden Sie Ansprechpartner: Adoptions- und Pflegekinderwesen Landkreis Mühldorf

Landrat Georg Huber lobte die Arbeit des Jugendamts, das auch viel präventiv leiste. Er richtete einen Appell an alle, nicht „egoistisch durch die Lande“ zu gehen. Familienstrukturen hätten sich geändert, Familien würden zerfallen, eine Unterstützung durch die Großeltern fehle. Pflegefamilien würden gebraucht und hier wichtige Arbeit leisten. „Pflegekinder brauchen Stabilität und Geborgenheit. Einen Elternersatz“, sagte Huber. 

Dies zu leisten werde aber schwierig, wenn es Eltern nur wegen des Geldes machen würden. Auch wenn sich nicht alles über Pflegefamilien lösen lassen würde, sei es wichtig, Pflegekinder in Gemeinschaftsleben einzubeziehen.

Chance auf ein normales Leben

Heidi Harrer weiß, wovon an diesem Vormittag gesprochen wird. Sie selbst hat vier Pflegekinder bei sich aufgenommen, von denen nun alle den „Weg geschafft“ haben. Als Vorsitzende des Vereins „Pfad für Kinder“, einer Interessengemeinschaft von Pflege- und Adoptivfamilien, kennt sie auch die Erfahrungen anderer Familien. Insgesamt 50 Familien haben sich der Interessensgemeinschaft angeschlossen. „Die Kinder werden gut untergebracht und bekommen die Chance, ein normales Leben zu führen.“ 

Alleingelassen werden die Familien mit ihrer Aufgabe nicht. „Die Zusammenarbeit ist wichtig. Und wir gucken auch da hin, wo es eigentlich laufen sollte“, sagt sie. Auch das ist Aufgabe des Vereins. 

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