Die Panik vor dem Virus ist überall zu spüren: Corona verunsichert auch die Mühldorfer

Ausverkauft:Viele Apotheken klagen über Engpässe bei der Versorgung von Desinfektionsmitteln. Wann wieder geliefert wird ist unklar. Die Empfehlung der Apotheker: Regelmäßiges Händewaschen mit Seife senkt das Infektionsrisiko. Enzinger
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Leere Regale bei den Desinfektionsmitteln nach Hamsterkäufen in den Geschäften, Apotheker in Mühldorf sprechen sogar von Hysterie. Die Starkbierfeste finden zwar statt, doch CLASS sagt seine Frühjahrsschau ab.

Update 6. März

Starkbierfest Haag läuft, Mühldorfer Schulen sind vorsichtig

In Bayern sollen sich derzeit mindestens 79 Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben.Neue Fälle aus der Region sind nicht bekannt.

Sowohl das Haager als aus das Rosenheimer Starkbierfest laufen, andere Veranstaltungen in der Region sind abgesagt.

Lesen Sie hier: Sorge vorm Coronavirus: Mühldorfer Schule sagt Schüleraustausch ab

Meldung vom 3. März

Kindergärten und Schulen verstärken Hygienemaßnahmen

Mühldorf – Noch ist der Landkreis Mühldorf ohne Corona-Verdachtsfall. Trotzdem sorgt der Virus für Diskussionen in der Bevölkerung. Schulrätin Gabriele Rottmüller spricht noch von einem normalen Schulbetrieb im Landkreis Mühldorf. „Wir haben unsere Rektoren angehalten, den Kindern die Hygiene-Vorschriften wie Händewaschen und desinfizieren zu erläutern. Eltern, die mit ihren Kindern in Risikogebieten wie Italien waren, sollten ihre Kinder zu Hause lassen. Darüber haben wir die Eltern nach den Vorgaben des Kultusministeriums über die Schulen informiert.“ An Schulschließungen sei im Landkreis Mühldorf noch nicht gedacht.

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Auf Hygiene wird auch in den Kindergärten besonders geachtet. Im Eingangsbereich des Kindergartens Maria Schutz in Waldkraiburg steht ein Spender mit Desinfektionsmittel. „Wir versuchen, die Infektionskette zu unterbrechen und damit generell weniger Infekte in den Kindergarten zu holen“, sagt Leiterin Charlotte Konrad. Deshalb würden die Erzieherinnen mit den Kindern das gründliche Händewaschen üben und ihnen erklären, wie man richtig niest und hustet.

Blasmusiker zum Starkbierfest: „Wir ignorieren den Virus komplett“

Die im Landkreis Mühldorf geplanten Starkbierfeste werden weiter geplant und durchgeführt. Absagen sind dem Mühldorfer Anzeiger bis zum jetzigen Stand nicht bekannt. Im Gegenteil: „Wir ignorieren den Virus komplett. Der wird bei unserem Starkbierfest am Samstag noch nicht einmal derbleckt!“, verrät Alfons Weigand, Vorsitzender des Musikvereins Neumarkt-St. Veit, der sein Starkbierfest beim Zens in Hofthambach mit kabarettistischen Einlagen verfeinert. „Es wäre auch zu schade, wenn wir im Wahljahr auf das Derblecken der Politiker verzichten müssten“, sagt Weigand.

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Während es bei den Starkbierfesten an edlen Flüssigkeiten nicht mangeln wird, klagen indessen Apotheken über Lieferengpässe von anderem hochprozentigem Alkohol: „Wir haben keine Desinfektionsmittel und auch keine Mundmasken mehr. Beide Artikel sind in meinen zwei Apotheken momentan nicht mehr vorrätig“, sagt Apotheker Anton Locker, der die Hysterie nicht nachvollziehen kann. Die Produkte seien zwar nachbestellt – wann sie geliefert werden sei aber unklar. Die Industrie könne nicht über Nacht die Produktion auf das Zehnfache hochfahren. Locker betont: Denn schon regelmäßiges und gründliches Händewaschen mindestens 20 bis 30 Sekunden mit Seife senke das Infektionsrisiko.

Häufige Fragen zum Coronavirus: Antworten des Robert-Koch-Instituts

Apotheker Sebastian Lugmair aus Ampfing ergänzt, dass Handhygiene nicht erst in Zeiten von Corona wichtig ist. „Aber es ist gut, dass es sich in den Köpfen festsetzt.“ Desinfektionsmittel würden sich für unterwegs oder zwischendurch anbieten, wenn man sich die Hände eben nicht waschen könne.

Die Nachfrage sei enorm: „Innerhalb einer Woche habe ich so viel verkauft wie sonst in zwei Jahren.“ Unklar sei bislang, wann Desinfektionsmittel wieder geliefert werden können.

Klopapier teilweise ausverkauft

Starke Engpässe bei Desinfektionsmitteln, antibakterieller Seife und Hygienemittel gibt es im Landkreis Mühldorf auch bei den Drogeriemärkten. Dies gilt auch für Klopapier. In einigen Drogeriemärkten der Stadt Mühldorf waren diese Produkte bereits ausverkauft.

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Aktuelle Risikogebiete für das Coronavirus (Robert-Koch-Institut)

Wegen des Corona-Virus wurden alle Veranstaltungen der Firma „CLASS Südostbayern“ abgesagt, um die Kunden und Kollegen präventiv vor einer Übertragung zu schützen. Darunter auch der Expertentag in Verbindung mit der Frühjahrsausstellung am 7. und 8. März in Töging. Auch die geplante VdK-Großdemo am Samstag, 28. März, in München wurde wegen des Corona-Virus abgesagt.

Arbeitnehmer nutzen Home-Office

Peter S. (Name von der Redaktion geändert) hat sich in dieser Woche in Absprache mit den Vorgesetzten, dazu entschlossen, nicht im Forschungs- und Innovationszentrum von BMW in München, sondern im Home-Office in Waldkraiburg zu arbeiten. Dabei arbeitet S. nicht in der Abteilung, die wegen der bestätigten Corona-Infizierung eines Mitarbeiters vorübergehend geschlossen wurde.

Das Robert-Koch-Institut infomiert über die wichtigsten Fragen zum Thema Coronavirus

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Wissentlich habe es keinen Kontakt mit dem betroffenen Kollegen gegeben. „In meinem Fall ist das eine reine Vorsichtsmaßnahme wegen des Rückreiseverkehrs aus Italien“, sagt der 55-jährige Ingenieur. Er wolle auf keinen Fall Familienangehörige anstecken, die lungenkrank sind.

Kunden legen Vorräte an

Die Menschen im Landkreis legen sich Vorräte an. „Die Grundnahrungsmittel, Reis und Toilettenartikel sind stark nachgefragt. Zur Zeit haben wir aber keine Engpässe und können unsere Regale füllen“, beruhigt Josef Wimmer, geschäftsführender Gesellschafter von 16 Edeka-Märkten in der Region. „Wir sind aber abhängig von unseren Lieferanten und die von der Industrie. Sollte die Lieferung von Rohstoffen stocken, dann haben wir ein Problem“, erklärt Wimmer. Zur Zeit gebe es aber noch genügend Waren.

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