Paketzusteller soll leere Getränkekisten gestohlen haben

Bei diesem Ampfinger Getränkemarkt wurde das Leergut gestohlen.
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Bei diesem Ampfinger Getränkemarkt wurde das Leergut gestohlen.

Mühldorf –. Ein 32-jähriger Paketzusteller aus Mühldorf, verheiratet und Deutscher, stand vor Gericht, weil ihm vorgeworfen wurde, dass er sein Einkommen durch den Diebstahl von Leergut aufbessern wollte.

Mit einem Freund soll er einen Getränkemarkt in Ampfing ausgespäht haben, bei dem das Leergut auf einem nicht bewachten, tagsüber frei zugänglichen Lagerplatz gesammelt wurde. Jetzt musste sich der Mann vor Amtsrichter Dr. Christoph Warga verantworten.

Alexander Foff von der Staatsanwaltschaft Traunstein warf dem Mühldorfer Diebstahl in zwei Fällen vor: Einmal habe er mit einem nicht bekannten Mittäter 20 leere Getränketräger gestohlen, beim zweiten Mal seien es 23 leere Kästen gewesen. Diese soll er bei einem anderen Getränkemarkt abgegeben haben, um so das Pfand zu kassieren.

Zu Beginn der Verhandlung verlas Rechtsanwalt Jörg Zürner eine Erklärung seines schweigenden Mandanten, der sich während des gesamten Prozesses nicht äußerte. Sein Mandant arbeite als Paketzusteller bei einem Lieferdienst, verdiene dort 1500 Euro netto im Monat, er habe 30 000 Euro Schulden angehäuft. Seine Ehefrau befinde sich derzeit in Elternzeit.

Mitarbeiterin notiert Autokennzeichen

Zunächst sagte eine Mitarbeiterin des Getränkemarktes aus, bei dem die zwei Täter die Kästen abgeben wollten. Auf die Frage, woher die vielen leeren Getränkekisten denn kämen, erwiderten die beiden, diese seien von einer Weihnachtsfeier übrig. Das glaubte die Angestellte nicht. Die zwei Männer verließen den Getränkemarkt, die Angestellte und ein Kunde notierten sich deren Autokennzeichen. Die Zeugin konnte allerdings den Angeklagten im Gerichtssaal nicht sicher wiedererkennen.

Ein weiterer Zeuge war ein Beamter der Polizeiinspektion Waldkraiburg, sagte aus, dass Mitarbeiter der Firma, von der der Besitzer des Getränkemarktes den Lagerplatz gemietet hatte, einen dunkelblauen BMW auf dem Gelände bemerkt hätten. Dazu lag das von der Angestellten des Getränkemarktes mitgeteilte Autokennzeichen vor. Durch diese Angaben sei der Polizeibeamte auf den Angeklagten gestoßen. Mit einem Kollegen habe er den Lagerplatz in Augenschein genommen, aber keine Spuren feststellen können. So musste Staatsanwalt Foff einräumen: Es gebe in diesem Fall viele Indizien, jedoch keine eindeutigen Beweise – der Diebstahl sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen. So musste Foff nach dem alten juristischen Motto „in dubio pro reo“, also im Zweifel für den Angeklagten, auf Freispruch plädieren. Sowohl Rechtsanwalt Jörg Zürner als auch Richter Dr. Warga hatten dem nichts zuzufügen, das Urteil lautete schließlich Freispruch, die Staatskasse muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Dr. Christoph Warga schloss die Verhandlung mit der süffisanten Bemerkung, dass juristisch nur ein Freispruch übrig geblieben wäre. Dennoch solle dem Angeklagten der Prozess eine Lehre sein, bei einem nächsten Mal könne die Sache anders ausgehen. hra

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