Lesehund

Wie Hündin Pauline und ihr Frauchen Kindern in Polling helfen, die Angst vor dem Lesen abzulegen

Sie ist eine gute Zuhörerin: Hundedame Pauline, ein zwei Jahre alter Border Collie, der ausgebildeter Lesehund ist und mit Frauchen Regina Haumaier Ängste von Kindern bearbeitet.
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Sie ist eine gute Zuhörerin: Hundedame Pauline, ein zwei Jahre alter Border Collie, der ausgebildeter Lesehund ist und mit Frauchen Regina Haumaier Ängste von Kindern bearbeitet.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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Ein schöner, kindgerechter Leseraum. Außer vielen spannenden Büchern erwartet die Kinder hier noch etwas ganz Besonderes: Pauline. Der Lesehund von Regina Haumaier (59) aus Polling ist ein echter Mutmacher und Blockadenbrecher. Pauline nimmt den Kindern die Angst und stärkt ihr Selbstvertrauen.

Polling - Ein schöner, kindgerechter Leseraum. Außer vielen spannenden Büchern erwartet die Kinder hier noch etwas ganz Besonderes: Pauline. Die knapp zwei Jahre alte Border Collie-Hundedame liegt erwartungsvoll auf ihrer roten Decke und freut sich auf kleine Bücherfreunde. Wenn es Corona wieder erlaubt. Auf Paulines Decke und auf ihrem roten Halstuch ist ihr Logo. Darauf steht „Lesehund“.

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Lesehund als Mutmacher

Der Lesehund von Regina Haumaier (59) ist ein echter Mutmacher und Blockadenbrecher. „So eine Lesestunde mit Pauline dauert etwa 20 Minuten. Wir nehmen uns immer Zeit für ein Kind. Es kommt in den bunten Leseraum und setzt sich zu Pauline auf die Decke. Das schafft Nähe. Dann beginnt das Kind dem Hund aus seinem Lieblingsbuch vorzulesen. Pauline hört dabei sehr aufmerksam zu. Ich agiere immer im Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen das Kind und der Hund“, erklärt Haumaier.

Nach so einer Lesestunde verlasse das Kind glücklich und stolz den Raum. Dann komme das nächste Kind dran. Insgesamt drei Kinder dürften innerhalb einer Stunde Pauline etwas vorlesen. Mehr als eine Stunde dürfe der Vierbeiner aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht arbeiten.

Die Lesestunde mit Pauline nimmt Ängste

„Das Schöne bei so einer Lesestunde ist, dass Pauline den Kindern die Angst nimmt und deren Selbstvertrauen stärkt. Während das Kind liest, kann es den Hund streicheln. Das tut beiden gut und vor allem lenkt es ab. Das Lesen fällt dadurch leichter. Ein Hund akzeptiert die Menschen so, wie sie sind. Er kritisiert sie nicht und hört ihnen entspannt zu. Hund und Kind werden dadurch zu einer Einheit. Nach einer Lesestunde sieht man lauter strahlende Gesichter“, erklärt die Pollingerin.

Dass sie ihren Hund einmal zu einem Pädagogen auf vier Pfoten ausbilden würde, sei eher Zufall gewesen. Initialzündung für ihren ehrenamtlichen Einsatz war ihre 81-jährige Mutter, wie die 59-Jährige erzählt. „Meine Mutter war vor einigen Jahren schwer krank. Damals kam mir die Idee, mit meinem Hund in Seniorenheime zu gehen, um die alten Menschen aufzumuntern. Meine Mutter ist selbst sehr tierlieb und man sah, wie sie aufblühte, als siwieder in Gesellschaft ihrer Tiere war.“

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Bei Besuchshundeausbildung auch das Zertifikat „Lesehund“ bekommen

Im Januar 2020 bildete Haumaier ihre Border Collie-Hündin bei den Johannitern in München zum Besuchshund aus. „Pauline fiel bei der Ausbildung so positiv auf, dass sie zusätzlich noch das Zertifikat `Lesehund` bekam und das, obwohl sie damals gerade mal zehn Monate alt war. Ihre Ruhe und ausgeglichene Art sind natürlich Balsam für die Menschen“, erzählt das Frauchen stolz.

Aufgrund von Corona wurde das Projekt „Hund im Besuchsdienst - HiB“ aber eingestellt. Wegen ihrer Fortbildungen kann sie mit Pauline Menschen in verschiedenen Einrichtungen besuchen und auch Kinder mit ihrem Einsatz fürs Lesen begeistern.

Der tierische Mutmacher will unterstützen

Sobald Corona überstanden ist, werden Pauline und ihr Frauchen wieder aktiv werden. „Wir wollen auch den AWO-Kinderhort in Mühldorf als Lesepaten unterstützen und sind natürlich offen für alles, wo Pauline als Mutmacher gebraucht wird. Sei es als Besuchshund in Seniorenheimen, Behinderteneinrichtungen, Krankenhäusern, Schulen oder Horts. Jeder kann sich bei uns melden, dem wir mit unserem Einsatz als Besuchs- oder Lesehund eine Freude machen können“, sagt die gelernte Pferde- und Landwirtschaftsmeisterin.

„Unser Ziel ist es, Groß und Klein eine Freude zu machen. Tiere sind großartige Therapeuten. Sie nehmen den Menschen Ängste und muntern sie auf. Mit einem Tier kann man sehr viel bewegen“, setzt sie fort. Ihr Ziel für die Zukunft: dass es irgendwann im Bereich Mühldorf/Altötting einmal einen Lesehunde-Zirkel gibt.

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