Osterbräuche im Landkreis Mühldorf: Feuerläufer und viel Wundersames

Warum ein Hase die Ostereier legt, fragen sich die Kinder, wenn sie am Ostermorgen auf die Suche gehen. RE

Ostern war und ist das höchste Fest der katholischen Kirche, das im Landkreis schon sehr lange besonders gefeiert wird. Wenn gleich die Feiern in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise weitgehend ausfallen müssen, sollen dennoch die Osterbräuche nicht in Vergessenheit geraten.

Buben gehen von Hof zu Hof

Im Zeitraum einer Generation kann ein Wort aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Die Jüngeren werden mit dem Begriff „Scheitlweich“ nichts anfangen können. Am Morgen des Karsamstag drängten früher in allen Orten des Landkreises die Buben mit Holzprügeln an Ketten und Dirndl mit den Laternen zur Scheitl- oder Lichterweih und trugen den „heiligen Brand“ nach Haus, mit dem das Herdfeuer angefacht wurde.

Feuersglut hält das ganze Jahr hindurch

„In der guten, alten Zeit hat man die geweihte Feuersglut das ganze Jahr hindurch genährt und damit das tägliche Herdfeuer angezündet“, ist in der Chronik von Taufkirchen zu lesen. Josef Hackner berichtet aus der Ampfinger Gegend: „Am Karsamstag wurde das Ewige Licht neu entzündet. Der Mesner entfachte im Friedhof ein offenes Feuer. Die Scheitl brachten ihm die Buben. Der Stock vom Palmbaum und ein Haselnuss-Stecken wurden ehedem zur Feuerweihe mitgebracht. Er galt wie der Baumschwamm als ,blitzsicher‘.“

Heiliges Feuer wird ins Haus gebracht

„Der Stiel vom vorjährigen Palm wurde zum geweihten Feuer gebracht und den Stecker brannte man an zwei Seiten an. In einer Laterne oder mit einer Kerze brachte man das Feuer ins Haus. Die Buben betätigten sich als Feuerläufer. Die Scheiter und den Zundschwamm schwingend liefen sie von Haus zu Haus. Die Bäuerin hatte im Herd schon etwas Holz geschichtet. Mit einem Stück Zunder nahm sie das Feuer in Empfang. Die Buben bekamen für den Dienst drei bis vier Ostereier und dann ging es zum nächsten Hof. Erlosch einmal die Glut, wurde sie unterwegs mit einem Zündholz neu angebrannt.“

Emsiges Stöbern nach dem Mittagsläuten

In Oberneukirchen (Chronik) war bei den offenen Herden in der Ecke eine Kohlengrube, wo die glühende Kohle aufbewahrt wurde. Ging das Licht aus, dann holte man eines beim Nachbarn. Namentlich bei Gewittern wurde das geweihte Licht gleich herausgenommen. Nach dem Mittagesläuten hob ehedem im Haus das letzte Stöbern an. Das Hausmadl musste die Kammer kehren, die anderen fegten die Stuben und die Knechte hatten die Ställe auszumisten. Zu Ostern musste jeder Hof blitzblank sein. In der Kuchl siedeten die Eier, die dann gefärbt und mit allerhand Sprüchen bekritzelt wurden. Nach der Auferstehung rannten die Dirndln zum Dorfbrunnen, wuschen ihre Gesichter, um die „Summermirl“ (Sommersprossen) zu vertreiben.

Auferstehungsfeiern im Wandel der Zeit

Bereits im zehnten Jahrhundert sind Auferstehungsfeiern belegt. In der „Vita des heiligen Ulrich von Augsburg“ wird von einer liturgischen Feier auf einer „Scena“ unter dem Wechselgesang von Knabenchören berichtet. Aus dem zehnten Jahrhundert ist auch eine Aufzeichnung einer Osterfeier aus Bamberg überliefert. Drei Marien fragen nach dem Grab Christi und der Engel verkündet ihnen die Auferstehung. Bekanntlich ist aus solchen liturgischen Feiern, das Osterspiel entstanden.

In der Barockzeit wurden die Auferstehungsfeiern bühnenwirksam gestaltet.

An Stricken ins Kirchengewölbe gezogen

In vielen Kirchen wurde der schlafende Christus an Stricken ins Kirchengewölbe gezogen, die Wächter sind wie tot umgefallen, und auch die drei Frauen am Grab haben nicht gefehlt. Das Grab wurde dabei von hinten beleuchtet, sodass der Eindruck des Ostermorgens entstehen konnte. Dazu erklang mit Pauken und Trompeten vom Kirchenchor herunter das „Atollite“ von Kaspar Ett. An die Stelle dieser barocken Inszenierung ist nach der Liturgiereform die Feier der Osternacht getreten, mit der Weihe des Osterfeuers und des Taufwassers, entweder am Karsamstag oder in der Osternacht oder am Ostersonntagn in der Frühe. 1950 ist im Kirchenzettel der Pfarrei Lafering-Taufkirchen zu lesen: „Karsamstag: 7 Uhr Feuerweihe, Weihe der Osterkerze und des Taufwassers, Amt des Liebesbundes. 12 Uhr Aussetzung des Allerheiligsten, Anbetungsstunden. 16 Uhr Malulin. 17 Uhr Auferstehungsfeier.“ 1963 erhielt die Diözese München-Freising erstmals die Erlaubnis, den Gottesdienst mit anbrechenden Sonntag zu feiern. Vor Mitternacht sollte keine Messe gefeiert werden.

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Im Kirchenanzeiger des Pfarrverbandes Kraiburg finden wir an Ostern 1973 folgenden Eintrag: „Ostersonntag: 3.30 Uhr Beginn der Osternachtsfeier mit Feuerweihe auf dem Kraiburger Marktplatz, Einzug mit der Osterkerze, Gesang des Exsultet, Taufwasserweihe und festliches Auferstehungsamt mit Gedenken aller verstorbenen Wohltäter der Marktpfarrkirche, anschließend Speisenweihe.“ An die Auferstehungsfeiern der vorliturgischen Form knüpfen sich die Erinnerungen vieler alter Menschen. Ihnen ist noch bekannt, dass vor dem Krieg die Auferstehung abends um 18 Uhr begann.

Alter Volksglaube am Ostersonntag

Der Ostersonntag hat eine besondere Bedeutung im Kirchenjahr, weil die beweglichen Feiertage, wie Pfingsten, Fronleichnam und Christi Himmelfahrt sich nach dem Datum des Osterfestes richten.

Ostern fällt, nach einer auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 bestimmten Kirchenregel, immer auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond, der nach Frühlingsanfang eintritt. Die alte Ansicht, das Wort Ostern leite sich von der angelsächsischen Göttin Eostra her, ist nicht mehr haltbar. Die Bezeichnung Ostern (althochdeutsch „ostarum“, angelsachsisch „easter“) findet sich nur bei den süddeutschen Stämmen.

Altervolksglaube rankt sich um den Ostersonntag

Alter Volksglauben und viel Wundersames rankt sich seit alters her im Inn-Isengebiet um den Ostersonntag. Am Ostermorgen muss die erste Dirn das ganze Haus kehren und den Unrat unbeobachtet in des Nachbarn Wurzgarten werfen, weil dadurch alle Läuse und Flöhe aus dem Haus zum Nachbarn ziehen. Vor dem Frühgebetläuten ging der erste Knecht im Auftrag der Bäuerin mit einem schlohweißen Ei im Munde durch alle Stallungen, Scheunen, Schnupfen, Remisen, Böden, Kammern und Winkel, ohne zu sprechen, ohne gesehen zu werden, eine Handlung, damit die Hühner das Jahr über nicht verlegen, sondern bei ihren Nestern bleiben. Zu gleichem Zwecke bekam das Geflügel auch noch geweihten Weizen zu fressen.

Grüne Saat zum Schutz vor Kehlsucht

Der Bauer war unterdessen auf den Äckern, schnitt von drei fremden Kornfeldern je einen Büschel grüne Saat und gab diese den nüchternen Pferden in die Raufe, damit sie nicht die Kehlsucht bekämen. Am Ostersonntag schnitt man eine Gerte vom Hollunderbaum und ging damit vorm Frühgebetläuten, ohne zu sprechen, in weitem Bogen im Kreis um den Hof und zog die Gerte hintennach. Durch den Bannkreis konnte kein Fuchs mehr durch, wenn die Gerte gleich hinterher verbrannt wurde. Der Palmbuschen ist bis zum Ostersonntag im Keller versteckt worden, da er sonst die wilden Feuer angezogen hätte. Den ganzen Tag ist am ersten Osterfeiertag kein Licht im Haus angezündet worden. Geweihte Ostereierschalen sind bis zur Ernte aufgehoben und mit dem „Antlaßkranzerl“ von Fronleichtnam in den Getreidestock gesteckt worden, weil dies den Blitzstrahl bannt.

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