Vom Opfer zum Handelnden -KZ Häftling Max Mannheimer bleibt auch nach seinem Tod gegenwärtig

Farbenfroh gegen den Tod:Mannheimer-Enkelin Judith Faessler stellte ihren Großvater als einen Menschen vor, der trotz der KZ-Erfahrung dem Leben zugewandt war. Rath

Kunstausstellung mit Bildern von Max Mannheimer in Mühldorf eröffnet - Enkelin hält eine bewegende Rede

Mühldorf –  Als einen Menschen, der vor allem die Jugend im Blick gehabt habe, schilderte die Enkelin von Max Mannheimer, Judith Faessler, ihren Großvater, der unter anderem im KZ-Außenlager Mühldorf zur Zwangsarbeit eingesperrt war. Faessler sprach anlässlich einer Ausstellung im Kreismuseum über ihn.

Seine Geschichte sei eng mit der Geschichte des 20.Jahrhunderts verwoben. In der Diktatur sei er ein Opfer, ein Außenstehender gewesem. „Nach 1945 war er in der Bundesrepublik Deutschland ein Akteur.“

Mit Humor gegen Schmerzen

Sie schilderte ihren Großvater als einen Menschen, der mit Humor Schmerzen überspielen konnte. Als sie ihn drei Tage vor seinem Tod im Krankenhaus besucht habe, habe er stark gehustet. Auf die besorgte Frage der Enkelin, ob er sich im Bett aufsetzen möchte, antworte Max Mannheimer: „Das ist nur ein Reizhusten, Ich habe ja sonst keine Reize mehr.“ Die Frage des Urenkels: „Uropa, bleibt dein Bein gelähmt?“ konterte er mit der Antwort: „Ancelotti (der damalige Trainer des FC Bayern München, die Redaktion) wird wohl noch einige Zeit auf mich verzichten müssen.“

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Im Jahre 1945, so Judith Faessler weiter, war ihr Opa auf unvorstellbare 36 Kilogramm Körpergewicht abgemagert, die Ärzte prognostizierten dem damals 25-jährigen, er werde nicht älter als 40 Jahre werden. Mannheimer wurde aber 96 Jahre alt.

Er habe immer von seinen persönlichen Erlebnissen in der Vergangenheit erzählt, er habe das im Gegensatz zu anderen gekonnt. Zugleich sei er aber ein der Zukunft zugewandter Mensch gewesen. „Ihm war es ein besonderes Anliegen, die Jugendlichen vor dem Sog des Popularismus zu bewahren, sie für Frieden und Demokratie zu begeistern.“

Für Freiheit und Menschlichkeit

Seine wichtigsten Werte waren Freiheit und Menschlichkeit, in diesem Koordinatensystem würden alle anderen Werte ihren Platz auch finden.

Und er sei ein toller Opa gewesen, führt Judith Faessler weiter aus, er habe seine Kinder und Enkelkinder geliebt und ihre Entscheidungen toleriert.

Die Bilder ihres Großvaters, so die Enkelin, seien nicht eindeutig. Nehme man zum Beispiel die Farbe Rot, so stehe die für Liebe, Rot könne aber auch Gefahr symbolisieren.

Am 6. Februar 1920 wurde Max Mannheimer in Neutitschein in der damaligen Tschechoslowakei geboren, nun hätte im Haberkasten eine Gedenkfeier mit der Eröffnung einer Sonderausstellung des Malers Max Mannheimer stattfinden sollen: Das Corona-Virus hat das Programm gehörig durcheinandergewirbelt, die Veranstaltung fand nun in abgespeckter Form als Pressekonferenz statt. Mitglieder der Familie von Max Mannheimer waren dazu aus München angereist.

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Landrat Georg Huber nannte Max Mannheimer „eine der bedeutendsten Stimmen im Erinnern gegen den Wahnsinn des Nationalsozialismus. Er ist tief mit dem Landkreis Mühldorf verbunden“. Mit Nachdruck habe er sich für die Errichtung der Gedenkorte im Mühldorfer Hart eingesetzt. Max Mannheimer kämpfte, so der Landrat für Frieden, Freiheit und Demokratie, für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen. Noch 2015 sei er im Haberkasten gewesen, als die Dauerausstellung „Alltag im Nationalsozialismus“ eröffnet wurde. Diese Ausstellung wurde nun mit Bildern Max Mannheimern ergänzt, farbige Kontrastpunkte, die sich aber dennoch mit dem Thema „Nationalsozialismus“ beschäftigen. Diese Bilder, kommen aus der KZ-Gedenkstätte Dachau. Elke Schott, frühere Lehrerin de Mittelschule und eine gute Freundin von Max Mannheimr, hatte für die Ausstellung Briefe und Bilder zur Verfügung gestellt.

Gegen radikale Tendenzen

Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollner stellte ein Zitat von Max Mannheimer in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen: „Wenn ich einmal 100 Jahre bin, dann wünsche ich mir, dass diese Grausamkeiten nicht mehr bestehen“. Diese Grausamkeiten bestünden zwar nicht mehr, aber dennoch müsse man, so die Bürgermeisterin, wachsam sein gegen die wieder aufkeimenden rechtsradikalen Tendenzen.“Wir sind die Mehrheit, wir erhalten die Demokratie weiter aufrecht!“, so Marianne Zollner.

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Korbinian Engelmann, der neue Leiter von Geschichtszentrum und Museum Mühldorf war früher bei der Gedenkstätte im Konzentrationslager Dachau tätig gewesen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Bilder von dort nach Mühldorf kamen. Er bezeichnete sie als „farbigen Kontrast zu den traurigen Ereignissen des Nationalsozialismus“.

Einen Ausspruch von Max Mannheimer sollte man abschließend aber niemals vergessen, sagte er: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Max Mannheimer ist am 23. September 2016 in München gestorben. hra

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