Online-Studium in Mühldorf: „Der Vorteil ist die Flexibilität“

Lucas Grauzu Hause am Bildschirm: Studieren am Computer ist ungewohnt, der 21-Jährige sieht darin aber kein großes Problem, weil von der Hochschule auf dem Campus Mühldorf alles gut organisiert sei. Privat

Mühldorf – Computer statt Hörsaal: Auch das Studium am Campus Mühldorf hat sich ins Internet verlagert. Lucas Grau (21) studiert „Soziale Arbeit“ derzeit im Netz.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Online-Vorlesungen in der Corona-Zeit gemacht?

Lucas Grau: Da Online-Vorlesungen in der Kommunikation ein bisschen sperriger sind, lebt das Studium momentan auch von viel Eigenrecherche und eigenem Forschen.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Grau: Die Eigenverantwortung ist durch den selbstständigeren Lernaufwand natürlich gewachsen. Somit muss man sich anders strukturieren, als es bisher gewohnt war.

Was vermissen Sie?

Grau: Mit fehlt der Austausch mit den Mitstudierenden und der soziale Kontakt. Die Hochschule war immer ein Ort, um Themengebiete nochmal zu besprechen oder Projekte zu planen.

Welcher Stellenwert kommt der persönlichen Selbstorganisation zu?

Grau: Das Selbstmanagement nimmt einen großen Platz ein. Ich teile mir ein, wann genau am Tag ich mir Zeit für mein Studium nehme, um Texte zu lesen oder mich online über soziale Phänomene zu informieren. Das ist bei mir sehr flexibel, andere KommilitonInnen haben sich zum Beispiel feste Arbeitszeiten eingerichtet, um sich gut zu strukturieren.

Wie werden Prüfungen abgenommen?

Grau: Das ist ganz unterschiedlich: Einige schriftliche Prüfungen, die am Campus selbst gewesen wären, wurden bereits in Hausarbeiten umgewandelt. Präsenzprüfungen wurden ein, zwei Monate nach hinten verschoben. Außerdem gibt es in ausgewählten Fächern die Möglichkeit, ein Medienprojekt umzusetzen oder wissenschaftliche Videos zu produzieren. Diese Bandbreite gefällt mir besonders gut, da man über die Lerninhalte hinaus auch noch Bereiche wie Videoschnitt oder Kameraführung lernt.

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Was wird aus Praxiselementen?

Grau: Mein nächstes Semester ist ein Praxissemester, bei dem man ungefähr ein halbes Jahr in die soziale Praxis Einblicke bekommt. Das geht momentan aufgrund der Maßnahmen des bayerischen Staats einfach nicht.

Wie beurteilen Sie den Lernfortschritt gegenüber herkömmlichen Unterricht?

Grau: Der Lernerfolg hat sich bei mir insofern geändert, als dass ich mich intensiver mit Themen beschäftige, die mich stärker interessieren.

Was stört Sie, was ist positiv am digitalen Studium?

Grau: Ich schätze sehr, dass sich alle DozentInnen mit den Online-Programmen auseinandergesetzt haben und die Technik so gut beherrschen. Außerdem sehe ich die große Flexibilität als Vorteil. Jeder kann in seinem eigenen Lerntempo arbeiten, aufgenommene Vorlesungen später nochmal anhören und den Workflow mit den Arbeitszeiten abstimmen.

Fehlt Ihnen der Kontakt zu den Dozenten?

Grau: Der direkte Kontakt fehlt natürlich ein wenig, allerdings stehen sie immer per E-Mail für Fragen bereit. Auch die Vorlesungen sind strukturiert geplant und lassen genug Raum für die Interessen der Studierenden. Die Hochschule bemüht sich sehr stark, den Studierenden ein gelingendes Semester zu ermöglichen. Für eine solche Ausnahmesituation läuft alles auch wirklich zuverlässig und reibungslos. Für diesen Aufwand bin ich der Hochschule auch sehr dankbar.

Staatliche Anerkennung erteilt

Das Bayerische Sozialministerrum hat dem Studiengang „Soziale Arbeit“ jetzt auch die staatliche Anerkennung verliehen. Damit dürfen die Absolventinnen die Berufsbezeichnung „Staatlich anerkannte Sozialpädagogin“ führen. Zuvor hatte die Stiftung Akkreditierungsrat mit Sitz in Bonn die noch ausstehende Akkreditierung, eine Art Gütesiegel, erteilt.

„Wir freuen uns sehr über die staatliche Anerkennung, wir haben damit gewissermaßen die Qualitätsprüfung bestanden“, sagt Prof. Edeltraud Botzum, Leiterin des Studiengangs.

Derzeit sind nach Angaben der Hochschule am Campus Mühldorf der TH Rosenheim 170 Studierende für den Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit eingeschrieben.

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