Omas Rezepte sind die Besten: Ampfingerin kocht seit 60 Jahren aus ihrem Schul-Kochheft

Gerne stöbert Renate Scheingraber in den alten Rezepten. Stettner
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Gerne stöbert Renate Scheingraber in den alten Rezepten. Stettner
  • Rita Stettner
    vonRita Stettner
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Manche Dinge sind zeitlos, kochen gehört dazu: Renate Scheingraber aus Ampfing hat nach fast 60 Jahren ihr Schul-Kochheft noch immer zur Hand. Die Gerichte, die sie daraus kocht, erinnern sie an ihre Kindheit.

Ampfing – Bunte Gemüsesuppe, Sauerbraten oder Wurstschiffchen mit Karottengemüse – bei den Scheingrabers in Ampfing kocht Renate. Dazu nimmt sie gerne auch ihr Schul-Kochheft in die Hand. Dass dies schon fast 60 Jahre auf den Buckel hat, das sieht man den Heften im Din-A4 Format kaum an. Keine Eselsohren, sehr schön gestaltet, lediglich die Blätter sind mit den Jahren etwas gelblich geworden. Kochen war neben Handarbeiten eines der Lieblingsfächer in der 7. und 8. Klasse von Renate Scheingraber. Die Hefte von damals hütet sie wie ihren Augapfel.

Fein säuberlich ist darin alles aufgeschrieben. Aus alten Zeitschriften hat sie Bilder ausgeschnitten oder auch mal ein Vanillinzucker-Tütchen eingeklebt. Viele Zeichnungen verzieren so manches Rezept. Dass ihr Hauswirtschaft – damals noch ein Pflichtfach – viel Spaß machte, das merkten auch die Lehrkräfte. „Sehr sauber!“ ist oft als Kommentar unter den Einträgen zu finden. „Bei uns im Unterricht herrschte ein strenges Regiment. Alles hatte seinen Platz und oberstes Gebot war „Sauber Arbeiten“, erzählt Renate Scheingraber.

Auch die Schürze ist selbstgemacht

In Gruppen zu vier Mädls – Buben hatten 1964 nichts in der Hauswirtschaft zu suchen – wurde in der Ampfinger Volksschule gekocht. Etwa 16 Mädchen waren am Start. In den einzelnen Kochtrupps übernahm jedes Mädchen eine Aufgabe – immer im Wechsel, damit jede alles lernte. Eine war fürs Abwaschen zuständig, eine fürs Vorbereiten der Lebensmittel und zwei fürs Schnippeln. Gekocht und serviert wurde gemeinsam. „Gelernt haben wir vor allem gute Hausmannskost zu kochen“, erklärt Renate Scheingraber.

Bestens erhalten sind die liebevoll gestalteten Kochhefte von 1964.

Jede von den Köchinnen musste natürlich eine Schürze tragen. Nicht irgendeine, sondern eine, die Renate Scheingraber mit ihren Klassenkameradinnen, zuvor im Handarbeitsunterricht genäht und bestickt hat. Wie auch ihr Kochbuch aus der Schulzeit ist die Schürze noch immer in Gebrauch.

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Nachdem alles fertig gekocht war, mussten die Speisen sehr schön auf dem Teller angerichtet werden. „Manchmal haben wir auch Unsinn gemacht“, erinnert sich Renate. Wenn wieder etwas angebrannt sei, dann seien sie geschimpft worden. Das Schönste am Hauswirtschaftsunterricht war dann die gemeinsame Verkostung. „Das Meiste hat mir sehr geschmeckt. Nur so Sachen wie Lüngerl oder andere Gerichte mit Innereien, da konnte ich mich gar nicht anfreunden damit“, sagt Renate.

Als besonders schön in Erinnerung hat sie die Weihnachtszeit im Unterricht. „Da wurde viel gebacken und wir haben gerne genascht. Das Backwerk haben wir dann vor den Ferien bei einer Feier mit Kerzen und zu Weihachtsliedern, die wir gesungen haben, gegessen“, erinnert sie sich.

Renates absolutes Lieblingsgericht aus dem Kochheft: Wurstschiffchen mit Karottengemüse und Püree

Im Haus riecht es nach Kindheit

Noch heute nimmt sie oft ihre Hefte in die Hand. Gekocht werden dann ihre Lieblingsspeisen wie Blumenkohlauflauf, Wurstschiffchen mit Karottengemüse oder jetzt gerade aktuell Schwammerlsuppe. Auch gebacken wird gerne mit den alten Rezepten. Besonders Weihnachten kommen dann Lebkuchen, Buttergebäck und Co. auf den Plätzchenteller.

Die alten Kochhefte und ihre selbst genähte Schürze haben längst noch nicht ausgedient: „Die Rezepte sind einfach und schmecken überzeugend gut, da macht jeder gerne den Mund zum Essen auf. Es ist einfach schön, wenn es im Haus nach Kindheit riecht und schmeckt“, schwärmt die Köchin.

Sie ist nicht die Einzige, die sich gerne das Essen aus der Kindheit schmecken lässt. „Auch meine Männer, lassen sich gerne mit den Geschmackserlebnissen meiner Kindheit verwöhnen. Getrost kann man da sagen: Omas Hausmannskost ist einfach immer noch in“.

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