Mühldorfer Eltern wollen Erstkommunion nicht allein unter Corona-Regeln der Kirche feiern

„Nettes Bildchen in der Zeitung:“ Die Freude über die Erstkommunion in Mühldorf ist einigen Eltern gründlich verdorben. Sie fühlen sich in die Entscheidungen der Stadtkirche über den Ablauf der Feiern nicht eingebunden.
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„Nettes Bildchen in der Zeitung:“ Die Freude über die Erstkommunion in Mühldorf ist einigen Eltern gründlich verdorben. Sie fühlen sich in die Entscheidungen der Stadtkirche über den Ablauf der Feiern nicht eingebunden.

Erst im Oktober, nur Eltern und Geschwister, ohne Großeltern, ohne festlichen Einzug: So soll die Erstkommunion in der Stadtkirche Mühldorf heuer aussehen. Festgelegt angesichts der Corona-Krise, nicht abgestimmt mit den Familien.

Mühldorf – Die Erstkommuionfeiern in Mühldorf werden heuer wegen der Corona-Krise ganz anders aussehen als in den vergangenen Jahren. Nur eingeschränkte Teilnehmerzahl, erst im Herbst und ohne einige feierliche Elemente wie den großen Einzug. Sabine Ring, die als Tischmutter in der Vorbereitung der Kinder in St. Nikolaus bringt auf den Punkt, was mehrere Eltern denken: „Das ist extrem schade.“ Sie ist verärgert, weil diese Entscheidung getroffen wurde, ohne, dass die Verantwortlichen das Gespräch mit den Eltern oder zumindest den Tischmüttern der Vorbereitungsgruppen gesucht hätten.

Neue Lösungen gewünscht

Die Erstkommunionfeiern leiden in allen Pfarreien im Landkreis unter dem Corona-Virus. Viele haben sie trotzdem in diesem Frühsommer gehalten und damit ein Stück Normalität gebracht. Auch für Mühldorf, davon ist Ring überzeugt, hätte es Möglichkeiten gegeben. Wie sie schickt auch Claudia Wölz ein Kind zur Erstkommunion. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Kirche innovativer ist und neue Lösungen gesucht hätte.“ Viele Gemeinden hätten das geschafft und sich umgestellt, Mühldorf nicht. Die beiden Mütter kritisieren vor allem, dass die Familie an diesem Tag nicht gemeinsam in die Kirche gehen kann, sie haben vor allem die Großeltern der Kinder im Blick.

Stadtpfarrer Roland Haimerl verteidigt das Vorgehen der Stadtkirche. „Es tut mir von Herzen leid“, sagt er mit Blick auf die Familien, die nur eingeschränkt feiern können. Die Corona-Pandemie habe der Stadtkirche aber keine andere Wahl gelassen.

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Er weist auf die hohe Zahl von Erstkommunionkindern in den einzelnen Pfarreien hin, wo viel mehr Kinder als in Landgemeinden zur Erstkommunion gingen. Weil im September Firmungen gehalten würden, seien die Erstkommuionfeiern für Oktober vorgesehen.

Ring, Wölz und andere Eltern kritisieren, dass sie in die Entscheidung nicht einbezogen worden seien. „Mit uns hat niemand darüber gesprochen“, betont Ring. Die Tischmütter seien nicht gefragt worden.

Ein Vorwurf, der sich an Alexander Weidinger richtet. Der Gemeindereferent ist in der Stadtkirche federführend für die Erstkommunionvorbereitung verantwortlich. Weidinger betont, dass die Entscheidung im Leitungsteam der Stadtkirche gefallen und sofort an die Eltern gegangen sei. „Ich habe die Infos immer transparent gemacht und sofort an alle weitergeben.“ Die Eltern seien über den Sachstand informiert gewesen.

126 Kinder in sechs Pfarreien

Er bestätigt, dass es vorab keine Gespräche mit den Tischmüttern gegeben habe und sagt, dass er einzelne Gespräche mit Eltern geführt habe, wenn die auf ihn zugekommen seien. Aus Termingründen und durch die große Zahl von Kinder – er spricht von 126 in den sechs Pfarreien der Stadtkirche – habe es keine Alternative gegeben. Das sieht auch Pfarrer Haimerl so. „Im Mitarbeiterkreis war die einhellige Meinung, es so zu machen“, sagt er. Gleichzeitig signalisiert er Gesprächsbereitschaft. „Ich bin gerne bereit, noch einmal mit den Eltern zu sprechen und auf jeden brauchbaren Vorschlag einzugehen.“

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Einen hat Mutter Sabine Ring parat: Man hätte doch an einem Tag zwei Termine machen können. Damit hätten auch die Großeltern eine Chance gehabt, dabei zu sein“, sagt sie. „Weil es gerade auch für ältere Menschen ein wichtiges Fest ist.“ Daran hat auch Haimerl schon gedacht. „Ich bin grundsätzlich bereit, zwei Gottedienste hintereinander zu feiern.“ Er fürchtet aber, dass das Problem sich nur verschiebt. Denn ob es ausreichend Eltern gibt, die einer Erstkommunionfeier zu einem frühen Zeitpunkt zum Beispiel um 9 Uhr zustimmen, sei sehr fraglich.

Nicht zuerst eine Familienfeier

Gemeindereferent Weidinger verweist dagegen auf den „Gemeindecharakter der Erstkommunion“ und fragt: „Ist das vor allem eine Familienfeier?“ Er glaubt: „Kirche ist mehr als ein Miteinander in der Familie und ein nettes Bildchen in der Zeitung.“ Das dürfe in der Diskussion nicht vergessen werden.

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