Vom Nordkap bis Ostafrika: Der Mühldorfer Linus Mohr war 1511 Tage lang auf der Walz

Nach vier Jahren ist der 27-Jährige nun wieder zu Hause in Mühldorf. Mutter Claudia wartete Stunden in der Eichkapellenstraße, schloss dann überglücklich ihren ältesten Sohn in ihre Arme. Enzinger
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Fast vier Jahre lang war Linus Mohr unterwegs, nun kehrte der Mühldorfer wieder heim. Der 27-jährige Schreiner hat auf der ganzen Welt gearbeitet. In seiner Heimatstadt musste er zuerst einmal über ein paar Bierkästen steigen, ehe ihn seine Mutter in die Arme schließen konnte.

Mühldorf – Die Hose zerfetzt, nur noch von Sicherheitsnadeln gehalten, die Schuhe an den Rucksack verbannt, den Hut tief ins bärtige Gesicht gezogen: Zwei Dutzend Freunde und Familienmitglieder waren gekommen, um den Mühldorfer Linus Mohr wieder in ihre Arme zu schließen.

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Über vier Jahre war der 27-Jährige auf der Walz, der für Handwerker üblichen Gesellenwanderung. Nun kehrte er nach Mühldorf zurück; dorthin, wo seine Reise vor 1511 Tagen begonnen hatte, in der Eichkapellenstraße.

Fehlt das Ortsschild,erfüllen auch Bierkästen ihren Zweck: Über die musste Linus Mohr klettern, um so den Übergang von der Walz zu seiner Heimkehr zu symbolisieren.

Der Brauch will es eigentlich, dass der Handwerker über das Ortsschild klettert, um so seine Heimkehr symbolisch zu untermauern. Nur war dieses inzwischen verlegt worden, weiter östlich in Richtung Aham.

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Also stieg der junge Schreiner über die mitgebrachten Bierkästen, nachdem er sich von einem Dutzend Begleiter – ebenso Handwerker, Orthopäden, Brauer, Zimmerer, die er während seines Auslandaufenthaltes kennen gelernt hatte – vor dem imaginären Ortsschild verabschiedet hatte. Nur wenig später dann der rührende Moment, als die Mutter ihren Linus endlich wieder in die Arme schließen durfte.

Sommer am Nordkap verbracht: „Vier Monate ohne wirkliche Nacht!“

Viel hat er zu erzählen, der 27-Jährige, der in Ostafrika war, im Libanon, in Palästina und den arktischen Sommer am Nordkap miterlebt hatte, „vier Monate ohne wirkliche Nacht“. Jetzt gelte es erst einmal anzukommen, erzählt der 27-Jährige.

Treue Wegbegleiter, die Linus Mohr, in verschiedenen Winkeln der Welt kennen gelernt hatte, versammelten sich in Mühldorf, um ihn nach 1511 Tagen von der Gesellenwanderung zu verabschieden. Für sie geht die Reise weiter.

Zum Ankommen zählte dabei auch, nur mit den Händen die Flaschen auszugraben, die er vor 50 Monaten am Ortsausgang vergraben hatte. Eine Flasche mit den guten Wünschen von Familie und Freunden. Und eine Flasche Rotwein – beides hat er wieder gefunden. „Und der Rotwein ist sogar noch zu trinken“, erzählt er später.

Man lernt, mit wenigen Dingen zufrieden zu sein

Zu erzählen gebe es einiges, doch erst müsse er sich an das Leben zu Hause wieder gewöhnen, an den medialen Wahnsinn, dem er vier Jahre lang abgeschworen hatte, verbunden mit der Frage: „Brauche ich überhaupt noch ein Handy?“

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Eines könne er jetzt schon sagen, sagte Linus Mohr bereits bei seinem Empfang in seiner Mühldorfer Heimat: „Man lernt in all den Monaten, auch mit wenigen Dingen glücklich und zufrieden zu sein!“

Für ihn die wertvollste Erfahrung, verbunden mit der Erkenntnis: „Ich würde es genau so wieder machen!“

Nach vierJahren ist der 27-Jährige nun wieder zu Hause in Mühldorf. Mutter Claudia wartete Stunden in der Eichkapellenstraße, schloss dann überglücklich ihren ältesten Sohn in ihre Arme. Enzinger

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