Noch immer hohe Hürden: Ein Diskussionsabend über die Gleichstellung von Behinderten im Sport

Friedhelm Julius Beucher, Martin Braxenthaler und Stephan Mayer(von links) diskutierten über integrative Möglichkeiten des Sports. Das Buch mit Inspirationen soll allen regionalen Büchereien zur Verfügung gestellt werden.Becker

tInklusionsbeauftragte, die Bezirksrätinnen von Mühldorf und Altötting, Vereinsvertreter, behinderte Sportler und viele mehr waren am Montagabend zu einer Diskussionsrunde nach Mühldorf gekommen.

Von Peter Becker

Mühldorf – Geladen hatte der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer(CSU) unter anderem den Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Beucher (SPD), um über die Möglichkeiten der Gleichstellung von Sport und Behindertensport zu diskutieren. Selbst disqualifiziert hatte sich die AfD, an die keine Einladung ergangen war: „Die haben als einzige Fraktion im Bundestag gegen das Budget von 11 Millionen Euro für 2020 gestimmt!“, erklärte Beucher seine mangelnde Gesprächsbereitschaft.

Respekt, Fairnessund Teamgeistnötiger denn je

Dabei gibt es viel zu tun für die Gleichstellung von Behinderten im Sport: „Man denke nur an die Barrierefreiheit von Sporthallen oder die Zahl qualifizierter Trainer“, gab der Präsident des Behindertenverbandes zu bedenken. Denn die Gelder sollen keineswegs nur für die Förderung einiger weniger Spitzensportler verwendet werden, sondern alen gut 577.000 Mitgliedern des Verbandes zu Gute kommen. Auch wenn sich der Verband zweifellos über das ein oder andere Sponsoring regionaler Firmen für die anstehenden Paralympics in Tokio (Sommer) und Peking (Winter) freuen würde.

Beeindruckender Sportler: Martin Braxenthaler

Dass einige der deutschen Spitzenathleten im Behindertensport aber gar nicht unbedingt einer Förderung bedürfen, darüber legte Mono-Skifahrerlegende Martin Braxenthaler ein beeindruckendes Zeugnis ab: „Die haben mich damals einfach mitgenommen“, erinnerte sich der gebürtige Traunsteiner an die Paralympics 1998 in Nagano, wo er kurzfristig für einen erkrankten Athleten einsprang. Nur knapp vier Jahre nach seinem Unfall, in dessen Folge er querschnittsgelähmt wurde, gelang dem Ausnahmesportler damals eine Bronzemedallie im Super G sowie sein Weg zurück auf die Erfolgsspur des Lebens. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen wurde „Braxi“ erst im November die Ehre zu teil, als der erst zweite behinderte Sportler in die deutsche Hall of Fame des Sportsaufgenommen zu werden. „Sport vermittelt Werte wie Respekt, Fairness und Teamgeist, die wir in der heutigen Gesellschaft nötiger haben, denn je!“, erklärte der sechzehnfache Goldmedalliengewinner im Inncarrée.

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Dass der Behindertensport für alle da ist, zeigen Sportarten, wie Rollstuhl-Basketball, bei dem auch Nichtbehinderte mitmachen dürfen. Schließlich ist Sport auch aus medizinischer Sicht für alle gut, was ein Blick auf die Geschichte der Paralympics zeigt: 1948 veranstaltete ein Mediziner parallel zu den Olympischen Spielen in London einen Wettbewerb für Bogenschützen im Rollstuhl, „weil das für die Entwicklung der Rückenmuskulatur gut ist“, erinnerte Friedhelm Besucher. Angesichts der Zahlen und Erfolge ist die Summe von 11 Millionen Euro sowieso knapp bemessen. Immerhin galten Ende 2018 7,8 Millionen Deutsche als schwerbehindert.

Zugleich ein Aufrufan die Vereine inder Region

Die Veranstaltung im Inncarrée war daher nicht zuletzt auch als Aufruf an die Sportvereine aus der Region gedacht, sich doch einmal Gedanken zu machen, wie man Behinderte noch besser mitnehmen kann. „Es gibt in Südostbayern 48 Vereine, die da was im Angebot haben“, erklärte Stephan Mayer.

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Doch nach wie vor müssen behinderte Athleten einige Hürden überwinden. Beispielsweise der mehrfache Welt- und Europameister sowie Gold-Paralympionike Josef Neumaier aus Altötting, der am Montag auch dabei war: für Wettkämpfe trainiert der Sportschütze von den Unterholzhauser Huberwirtschützen beim SV Wacker Burghausen.

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