Niederbergkirchens Dorfmitte blutet aus: Auch die Tage des Lagerhauses sind jetzt gezählt

Im vergangenen Jahr brannte die Trocknungsanlage in Niederbergkirchen. In die Reparatur wurde aber nichts mehr investiert, denn die Tage des Lagerhauses in Niederbergkirchen sind gezählt. Die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit-Reischach plant den Bau eines großen Lagerhauses bei Neumark-St. Veit.
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Im vergangenen Jahr brannte die Trocknungsanlage in Niederbergkirchen. In die Reparatur wurde aber nichts mehr investiert, denn die Tage des Lagerhauses in Niederbergkirchen sind gezählt. Die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit-Reischach plant den Bau eines großen Lagerhauses bei Neumark-St. Veit.

Ab Mitte August eingeschränkte Öffnungszeiten in Niederbergkirchen. Bayerischer Bauernverband ist nicht begeistert, mit der Kompromisslösung aber einverstanden. So will sich die Raiffeisenbank für die Zukunft aufstellen

Von Josef Enzinger und Sophia Strasser

Niederbergkirchen – Das Raiffeisenlagerhaus in Niederbergkirchen blickt in keine rosige Zukunft. Nachdem das Lagerhaus im vergangenen Jahr erst Sturmschäden erlitten und danach die Trocknungsanlage gebrannt hatte, sieht die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit-Reischach keine Notwendigkeit mehr, viel in das Haus zu investieren. Zumal der Bau eines neuen Lagerhauses in Neumarkt-St. Veit in Gespräch ist und sich die Bank dann effizienter aufstellen will. In Niederbergkirchen wird der Mitarbeiter abgezogen, das Lagerhaus hat nur noch eingeschränkt zu festen Zeiten geöffnet.

Bis zum 15. August personell besetzt

„Das Lagerhaus ist derzeit noch personell besetzt, allerdings nur noch bis zum 15. August. Die Öffnungszeiten werden dann umgestellt, das Lager hat nur noch zur Ernte geöffnet oder auf Anforderung“, erklärt Helmut Vilsmaier, zweiter Vorstand der Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit-Reischach. Ab diesem Zeitpunkt wird das Lagerhaus dann nur noch montags und mittwochs Vormittag sowie Freitagnachmittag geöffnet haben.

Niederbergkirchen nicht mehr zukunftsfähig

„Niederbergkirchen ist kein zukunftsfähiger Standort. Wir wollen uns aber so aufstellen, dass wir dauerhaft effizient bleiben“, erklärt Vilsmaier. Damit begründet sich auch die Entscheidung, dass die ohnehin unterdimensionierte Trocknungsanlage nach dem Brand im Juli 2019 nicht mehr instandgesetzt wurde. Das Baumaterial, das aktuell in Niederbergkirchen vertrieben wird, habe sich auf KG-Rohre und Zement beschränkt, Gartenartikel seien nur noch reduziert verfügbar. Futtermittel gibt es am Lagerhaus in Neumarkt-St. Veit, „weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass sie Nachfrage in Niederbergkirchen rückläufig ist“.

Lagerhaus bietet Lieferdienst beim Futtermittel an

Dabei biete die Raiffeisen sogar einen Lieferdienst dafür an, erklärt Vilsmaier, der Wert auf die Feststellung legt, dass die Betreuung der Landwirte vor Ort gesichert bleibt. „Es wird ein Außendienstmitarbeiter eingesetzt, der auch außerhalb der Öffnungszeiten zur Verfügung steht.“ Eine Anlieferung oder Abholung von Getreide könne damit jederzeit erfolgen, auch Düngemittel bliebe verfügbar.

Auch noch in 20 Jahren für die Landwirtschaft da sein

Dass man den festen Mitarbeiter schon jetzt abzieht, habe damit zu tun, sich andernorts besser aufzustellen, etwa in Wald bei Winhöring, wo laut Vilsmaier Kapazitäten dringend erforderlich wurden, nachdem der Standort in Pleiskirchen geschlossen worden sei. „Keinesfalls wollen wir uns zurückziehen“, begegnet Vilsmaier Gerüchten, „wir wollen auch in 20 Jahren noch für die Landwirtschaft da sein“, betont er und verweist auf die Planung zum Bau eines leistungsfähigen Lagerhauses, das die Raiffeisenbank bei Neumarkt-St. Veit bauen will. Spruchreif ist dies noch nicht, es würden Grundstücksverhandlungen geführt, so Vilsmaier. Bis Ende 2023 sollte aber das neue Lagerhaus stehen.

Feste Öffnungszeiten sind enorm wichtig

Die Umstellung in Niederbergkirchen ist mit BBV-Ortsobmann Richard Petermaier und dem BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer besprochen worden. Letzterer gibt zu: „Es war klar, dass der Standort in Niederbergkirchen wegfallen wird. Doch den Zeitpunkt haben wir so nicht hingenommen.“ Es sei dafür eingetreten, dass das Lagerhaus zumindest an einigen Tagen geöffnet bleibt. Die Raiffeisenbank habe sich gesprächsbereit gezeigt, man habe einen Konsens gefunden, „mit der Kompromisslösung können wir leben“, betont Niederschweiberer.

Der Niederbergkirchner Ortsobmann Richard Petermeier sagt: „Das Lagerhaus ist für die Bürger in Niederbergkirchen ein Anlaufpunkt, es gehört einfach zum Ort!“. Es sei besonders für die Landwirte praktisch und wichtig, dass man vor Ort Futtermittel, Dünger und mehr kaufen könne. „Eine sofortige Schließung des Lagerhaus Niederbergkirchen würde der Raiffeisenbank viele Kunden kosten“, ist sich der Bauer aus Kinning sicher. Besonders wichtig sind Petermeier feste Öffnungszeiten, damit man sich auf sein Lagerhaus verlassen könne.

Lagerhaus prägt Ortsbild seit den 60er Jahren

Niederbergkirchens Bürgermeister Werner Biedermann bedauert die Entwicklung im Lagerhaus, das seit den 60er Jahren das Ortsbild in Niederbergkirchen prägt. Er hätte sich gewünscht, dass das komplette Angebot noch so lange erhalten bliebe, bis der Neubau eines Großlagers in die Tat umgesetzt sei. So aber verliere die Gemeinde eine weitere Einrichtung, nachdem vor zwei Jahren der Edeka-Markt schon zugesperrt hatte, das Gasthaus Kröll ebenfalls seit einiger Zeit schon kein Bier mehr zapft und es neben der Bäckerei nur noch den Schützenwirt gibt.

„In der Dorfmitte fällt immer mehr weg“, eine Entwicklung, die ihm Kopfzerbrechen bereite. Immerhin: Der Ort verfügt noch über eine Grundschule und die Gemeinde nimmt Geld in die Hand, um jungen Familien einen attraktiven Wohnort zu bieten. Neben der Ausweisung des Baugebietes Kollmannseck ist der Kindergarten aktuell das größte Investitionsprojekt der Gemeinde.

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