Nicht auf den Tierarzt gehört

Neumarkt-St. Veiter Bauer lässt Rind fünf Tage leiden: Geldstrafe für 55-Jährigen

Ein Landwirt wurde vom Amtsgericht Mühldorf zu einer Strafe von 40 Tagessätzen zu 25 Euro verurteilt.
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Ein Landwirt wurde vom Amtsgericht Mühldorf zu einer Strafe von 40 Tagessätzen zu 25 Euro verurteilt.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
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Ein 55-jähriger Landwirt aus der Nähe von Neumarkt-St. Veit musste sich wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor Amtsrichter Florian Greifenstein verantworten. Was hatte sich zugetragen?

Mühldorf – Bei einer Kontrolle durch das Veterinäramt war im Februar 2019 ein Rind aufgefallen, das zwischen zwei Boxen am Boden lag. Bei der Untersuchung des Rindes wurde ein Bruch des hinteren Schienbeins festgestellt. Zwar hatte der Bauer einen Tierarzt zu Rate gezogen, dieser konnte aber nichts mehr für das Tier tun und empfahl die Notschlachtung oder die Einschläferung. Der Bauer hielt sich nicht an die tierärztliche Empfehlung und wartete zu.

Rind hat noch gefressen und getrunken

Nach seiner Aussage lag das Rind zwar am Boden, habe aber weiterhin gefressen und getrunken. So habe er beschlossen abzuwarten, ob sich die Situation des Tieres bessere. Das Wochenende sei dazwischengekommen, dann sei die Kontrolle des Veterinäramtes erfolgt. Für das Rind bedeutete dies die Einschläferung, für den Landwirt eine Strafanzeige.

Verhandlung wegen „tierschutzmäßiger Mängel“

In der Verhandlung wurde der Rinderhalter wegen tierschutzmäßiger Mängel – er hatte nach Ansicht des Gerichts das Tier fünf Tage leiden lassen – zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu 40 Euro verdonnert. Die Summe von 2400 Euro erschien dem Mann zu hoch, er legte Berufung gegen das Urteil ein. Diese wurde nun verhandelt.

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Bauer beklagt zu hohe Geldstrafe

Vor Richter Greifenstein teilte der Bauer mit, dass er mit dem ergangenen Urteil wegen Tiermisshandlung einverstanden sei, nicht aber mit der Höhe der Geldstrafe. Richter Greifenstein musste dem Mann mitteilen, dass es in diesem Fall auch ohne eine Verhandlung möglich gewesen sei, über eine Minderung des Strafmaßes zu verhandeln. Er empfahl dem Bauern, der keinen Rechtsanwalt eingeschaltet hatte, das Kleingedruckte genauer zu lesen.

Landwirt war noch nie straffällig

Staatsanwalt Daniel Musin beharrte auf dem Anklagepunkt der Tiermisshandlung, das Rind hatte fünf Tage Schmerzen erleiden müssen. Als Geldstrafe sah er allerdings 50 Tagessätze zu 30 Euro als ausreichend an. Mit dem Urteil von Amtsrichter Florian Greifenstein endete der kurze Prozess: Der straffällig niemals auffällig gewordene Landwirt muss 40 Tagessätze zu 25 Euro bezahlen. Hinzu kommen die Kosten für die Verhandlung, die etwa 100 Euro ausmachen.

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