AUS DEM BAUAUSSCHUSS

Zweiter Katharinenplatz?

In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses stellte Bürgermeister Baumgartner eine Skizze vor, wie das Areal um die alte Schmiede ohne das Geschäftshaus aussehen könnte. Die alte Schmiede würde besser zur Geltung kommen, der Vormarkt würde eine Aufwertung erfahren. Stadt Neumarkt-St. Veit
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In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses stellte Bürgermeister Baumgartner eine Skizze vor, wie das Areal um die alte Schmiede ohne das Geschäftshaus aussehen könnte. Die alte Schmiede würde besser zur Geltung kommen, der Vormarkt würde eine Aufwertung erfahren. Stadt Neumarkt-St. Veit

Der Kaufvertrag ist abgeschlossen. Jetzt gehören die drei Gebäude am Oberen Vormarkt von Neumarkt-St. Veit der Stadt. Zur zukünftigen Nutzung erbat Bürgermeister Erwin Baumgartner Vorschläge von den Fraktionen. Dabei brachte er selbst den besten: Das Geschäftshaus abreißen und eine Grünfläche schaffen, die beiden anderen Gebäude sanieren.

Neumarkt-St. Veit – Eine Vorkaufsrechtsausübung war die Stadt Neumarkt-St. Veit über an die drei Gebäude am Oberen Vormarkt gekommen (wir berichteten). Nun bat Bürgermeister Baumgartner um Vorschläge der zukünftigen Nutzung: „Es ist wichtig, dass wir die Gebäude nicht so stehen lassen. Der Bürger will wissen, wie wir das Thema angehen.“ Für jedes Gebäude unterbreitete dann aber der Rathauschef selbst Vorschläge.

Bahnhofstraße 1:

Baumgartner erinnerte daran, dass es für das Gebäude an der Bahnhofstraße 1 schon 2016 einen Besichtigungstermin gegeben habe. Schon damals habe das Denkmalamt deutlich gemacht, dass ein Abbruch ausgeschlossen sei, weil das Gebäude mit dem Durchgang zum Stadtplatz ortsbildprägend sei. Alleine die Fenster stammen wohl aus dem 17. Jahrhundert. Zur Bestandserfassung und weiteren Planung sei es wichtig, ein analytisches Aufmaß, verbunden mit einer Bauforschung mit Baualtersplan, durchführen zu lassen. Eine Förderung in Höhe von 60 Prozent Zuschuss sei dafür in Aussicht gestellt worden. Je nach Bewertung durch das Denkmalamt könne man dann über die Nutzung diskutieren. Zudem sollte ein Statiker das Gebäude begutachten, um zu prüfen, ob Sicherungsmaßnahmen notwendig sind.

Schmiedgasse 1:

Die sogenannte „alte Schmiede“ ist ein Einzeldenkmal. Auch für dieses Gebäude fordert das Denkmalamt ein analytisches Aufmaß, verbunden mit einer Bauforschung mit Baualtersplan (Förderung 60 Prozent). Danach sei die weitere Nutzung zu diskutieren. Als aufwendig beschrieb Baumgartner die Entrümpelung dieses Gebäudes.

Schmiedgasse 1a:

Das Gebäude befindet sich zum großen Teil im Rohbau. Die eingebaute Heizung werde wohl nicht mehr nutzbar sein, ebenso müsste man die Elektrik komplett erneuern, befürchtete Baumgartner. Insgesamt kam der Bürgermeister zu dem Urteil, dass die Stadt mit hohen Sanierungskosten zu rechnen habe, insbesondere wegen der energetischen Vorgaben, wenn man es vermieten möchte. Sechs Wohneinheiten seien laut Baumgartner denkbar. „Allerdings kann man keinerlei Stellplätze auf dem Grundstück schaffen!“ Sein Vorschlag: „Wir lassen einen Architekten das Gebäude besichtigen und uns eine Kostenberechnung erstellen, was eine Sanierung des Gebäudes kosten würde.“ Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung soll dann Aufschluss darüber geben, ob eine Sanierung sinnvoll ist.

Als Alternative brachte Baumgartner einen Abriss zur Sprache. Das dann zur Verfügung stehende Areal könne als Grünfläche gestaltet werden, womit die Stadt auch dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept entsprechen würde. Der „Obere Vormarkt“ würde aufgewertet, was er durch eine Skizze veranschaulichte. Baumgartner: „Nehmen Sie diese Skizze aber nicht als Maßstab für die spätere Entscheidung. Vorrangig ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung!“

Doch offensichtlich hatte er mit der Grünfläche genau den Nerv der Ausschussmitglieder getroffen. Gebäudereferent Wolfgang Hobmaier (CSU) zeigte sich begeistert: „Perfekt! Hut ab! Hammer, genau so habe ich es mir vorgestellt!“ Er hätte sich ohnehin für den Abriss ausgesprochen, die Schmiede würde dadurch hervorgehoben. „Was in Mühldorf der Katharinenplatz ist, kann man auch in Neumarkt-St. Veit machen!“ Hobmeier betonte dabei: Mit der Ausübung des Vorkaufsrechts habe die Stadt die „einmalige Chance“ genutzt, die Gestaltung dieses Areals selbst in die Hand zu nehmen. Zur Wohnnutzung als Variante hingegen meinte er: „Wohnungsbau ist nicht Sache der Stadt.“ Michael Asbeck (UWG) stieß ins selbe Horn: „So alt kann keiner werden, dass wir hier ein Plus machen.“ Ludwig Spirkl (SPD) sagte, dass die SPD-Fraktion ebenso mit einem Abriss liebäugelt. Die mögliche Grünfläche ließe sich für einen Biergarten nutzen, wenn sich denn in einer „Museumsschmiede“ auch ein Lokal einrichten ließe. Als Nutzung des Gebäudes an der Bahnhofstraße schlug Spirkl ein Vereinshaus vor, in welchem sich Vereine präsentieren können; wo zum Beispiel auch die KSK ihre Exponate ausstellen könnte.

Peter Hobmaier (UWG) lobte Baumgartners Idee des Abrisses, ergänzte, dass der Stadtrat eine gewisse Verantwortung trage, Neumarkt voranzubringen, „auch für die nächsten Generationen. Schöner könnte die Gestaltung nicht sein!“

Und auch Rosmarie von Roennebeck würdigte Baumgartners Vorschlag: „Von vorneherein war es auch meine Idee, das Gebäude abzureißen.

Das wäre die einzig richtige Entscheidung. Der Bau gehört dort einfach nicht hin.“ Eine Unterschriftenliste für den Abriss sei in Vorbereitung gewesen – die scheint nun hinfällig. Denn die offensichtliche Einigkeit im Bauausschuss bietet der Stadt nun eine Arbeitsgrundlage für weitere Entscheidungen, was die Nutzung der Gebäude und die Gestaltung des Areals betrifft.

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