Neumarkter Hans Windhager und Georg Richthammer radeln auf dem Jakobsweg

Georg Richthammer und Hans Windhager (von links) auf der Rheinbrücke zwischen Weil und Straßburg.
  • Karlheinz Jaensch
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Sie sagen, sie sind nicht übermäßig religiös. Aber ehe sie sich auf die Wallfahrt per Rad zu der Kathedrale in der nordspanischen Provinzhauptstadt Galiciens aufmachten, nahmen sie doch noch an der Aussendungsfeier im Kloster der Armen Schulschwestern am Anger in München teil.

Neumarkt-St.Veit – Hans Windhager und Georg Richthammer waren mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela unterwegs. Sie begannen die Vorbereitungen für die lange Fahrt auf den Drahteseln, wozu Hans Windhager sich auch in einschlägiger Literatur informierte. Der ehemalige Berufssoldat hatte die Fahrt schon einmal allein bewältigt. Das war im Jahr 2011. „Aber jetzt wollte ich alles noch einmal in Ruhe anschauen.“ Und in Georg Richthammer fand er dieses Mal einen gleichgesinnten Begleiter.

Rund 85 Kilometer mussten die beiden Neumarkter täglich radeln, bis sie nach 3380 Kilometern in Santiago de Compostela ankamen.

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Start von Neumarkt am Ende einer Schlechtwetterperiode

Genau vor einem Jahr, am 23. Mai, starteten sie mit ihren vollgepackten Drahteseln die Fahrt in der Lena-Christ-Straße, dem Wohnort von Hans Windhager. „Wir wählten diesen Tag, weil da eine lange Schlechtwetterphase zu Ende gegangen war.“ So einfach war das. Über Oberbergkirchen ging es nach Dorfen und von dort in die Landeshauptstadt München. „Hier übernachteten wir in einer Jugendherberge.“ In der zweiten Nacht konnten sie dann in Peiting im Pfaffenwinkel bei Sohn Ralph übernachten. Ein Familientag wurde aber nicht eingelegt. „Wir machten keinen einzigen Tag Pause. Jeden Tag fuhren wir ein schönes Stück“, erzählen die beiden Radler.

Insgesamt rund 3380 Kilometer geradelt

Weil sie nicht den kürzesten Weg nahmen, kamen sie bis zum Ziel auf eine Fahrstrecke von 3380 Kilometer. Ehe sie am achten Reisetag in Straßburg übernachteten, hatten sie den Bodensee gesehen, Basel besucht und einmal in Lörrach genächtigt. Sie hatten berühmte Klöster besichtigt und auch in manchen davon übernachtet. Sogar Benediktinerinnen gewährten ihnen später einmal Quartier.

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„Also Nachtquartiere suchten wir erst am Ende der Tage. Das klappte in Klöstern und Jugendherbergen recht gut.“ Doch als sie um die Pfingsttage herum durch das schöne Elsass radelten, da waren dort wegen der Feierlichkeiten alle Betten belegt. „Einmal schliefen wir – ganz ohne Zelt – in einem Weinberg.“ Ein andermal lieh ihnen eine Jugendherberge ein Zelt für den Garten, weil alle Zimmer im Haus belegt waren. Die beiden Rentner Hans (71) und Georg (65) fühlten sich da ganz jung. Und das waren sie ja wohl auch. Wie sie auch heute noch recht unternehmungslustig und sportlich wirken.

Verständigung mit Händen und Füßen

Durchschnittlich 85 Kilometer mussten sie täglich zurücklegen. Für die 3380 Kilometer lange Strecke mussten sie insgesamt 39 000 Höhenmeter überwinden. Dabei mussten auch fünfmal Schläuche geflickt und dreimal Reifen gewechselt werden.

Beide Bayern beherrschen außer Hochdeutsch keine Fremdsprache, wie sie augenzwinkernd erzählen. „Wir verständigten uns mit Händen und Füßen“, lacht Hans Windhager. „Das ging immer ganz gut.“ Erstaunt waren sie, als sie in Spanien plötzlich von Leuten angesprochen wurden: „Ihr seid wohl aus Bayern?“ Im Gespräch stellte sich heraus, dass es Oberpfälzer waren, die jedes Jahr durch Neumarkt kommen, wenn sie nach Altötting wallfahrten. Auch die Oberin im spanischen Benediktinerinnenkloster, wo sie übernachten durften, stammt aus Vilshofen. „Es ist schon ein besonders schönes Gefühl, so fern von der Heimat plötzlich vertraute Laute zu hören“, erinnern sich beide.

Von der Kathedrale in Santiago de Compostela fuhren sie später noch mit dem Bus zum „Ende der Welt“ und traten bald darauf die Heimreise mit dem Flugzeug an.

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