Zwei Jahre Planung und eine fertige Festschrift – doch das Friedensfest fällt jetzt aus!

Bild vom Volkstrauertag 2018:Von den 150 Mitgliedern der KSK Niedertaufkirchen sind 50 nicht einmal Reservisten. Jaensch/KSK Niedertaufkirchen
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Bild vom Volkstrauertag 2018:Von den 150 Mitgliedern der KSK Niedertaufkirchen sind 50 nicht einmal Reservisten. Jaensch/KSK Niedertaufkirchen

Niedertaufkirchens Krieger- und Soldatenkameradschaft wollte „75 Jahre Frieden“ feiern –dann kam Corona und machte die Pläne für das kommende Wochenende zunichte.

Niedertaufkirchen– Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Niedertaufkirchens hatte für den heutigen Tag ein besonderes Fest geplant, anlässlich ihres 110-jährigen Bestehens. Neue Vereinskleidung wurde beschafft, Bürgermeister Sebastian Winkler sollte den Schirmherrn machen. Gemeinsam mit den Ortsvereinen und den Fahnenabordnungen aller Kameradschaften des Landkreises sollte um 18 Uhr ein Festzug durch das Dorf ziehen und anschließend auf dem Schulplatz ein Festgottesdienst gehalten werden. Dafür hatte der rührige Verein eigentlich schon vor zwei Jahren mit dem Planen begonnen. „Es sollte ein großartiges Friedensfest werden“, sagt dazu Vorsitzender Josef Weiß. Nun muss wegen der Corona-Krise dieser feierliche Akt abgesagt werden. Zwei Jahre Vorbereitungen waren umsonst. Nachgehakt beim Vorsitzenden.

Wie haben sie sich auf diesen großen Tag vorbereitet?

Josef Huber:Vor rund zwei Jahren bildeten wir einen Festausschuss, der vor allem das Friedensfest am 9. Mai 2020 betonen sollte. Unser 110-jähriges Gründungsfest war da nur im kleinen Rahmen geplant. Ehrengäste und Redner sollten mit uns und dem Landkreis auf 75 Jahre Frieden in Deutschland und in unseren Nachbarländen zurückblicken. Dazu waren viele Fragen zu klären und Einladungen zu dem Termin zu bewerkstelligen. Eine Festschrift haben wir auch bis zur Druckreife erarbeitet und zusammengestellt.

Wie weit hatten sie denn den Rahmen gesteckt?

Weiß: Eigentlich nur landkreisweit. Wir hatten Zusagen von Ex-Landrat Georg Huber, von Staatsminister Dr. Marcel Huber, unserem Heimatabgeordneten in Berlin Stephan Mayer, vom Vorsitzenden unseres Kreisverbandes Franz Maier und natürlich vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, dem Bezirksgeschäftsführer Artur Klein. Aber daraus wird ja jetzt nichts. Schade.

Warum, glauben Sie, wäre Ihr Dorf der richtige Ort für die Landkreisfriedensfeier gewesen?

Weiß:Auf den 9. Mai fällt unser Stiftungsfest. Und wir dachten, man kann das verbinden. Und wir tun – als kleine KSK – viel für den Frieden.

Wie sieht denn konkret Ihre Friedensarbeit aus?

Weiß:Nun, ein ganz wichtiges Ziel in unseren Bemühungen ist es, die Erinnerung wachzuhalten. Das tun wir mit unserem Kirchenzug und Feierlichkeiten am Volkstrauertag, wo das ganze Dorf um Frieden betet. Seit Jahrzehnten pflegen unsere Mitglieder Marianne und Martin Brunnmeier dieses Denkmal am Dorfplatz das ganze Jahr über. Aber nicht nur Erinnerungen dienen dem Frieden. Unser Mitglied Martin Vorbuchner sammelt erfolgreich alljährlich für die Kriegsgräberfürsorge, damit Jugendliche aus einst verfeindeten Nationen sich an Soldatenfriedhöfen treffen, diese pflegen und sie sich untereinander kennenlernen. Aus unserem Dorf haben Jugendliche an solchen Treffen teilgenommen und sind begeistert.

War zum Friedensfest etwas Besonderes geplant?

Weiß:Unser Sammler, Martin Vorbuchner, gehört seit bald 40 Jahren zu den 20 besten Sammlern im Bezirk. Dafür sollte uns ein Fahnenehrenband überreicht werden. Das soll nun am 17. Oktober feierlich in der Kirche geschehen.

Sind Krieger- und Soldatenkameradschaften überhaupt noch zeitgemäß?

Weiß:Wir legen großen Wert auf Geselligkeit und Frieden, wobei wir besonders den Frieden schätzen und auch bewahren wollen. Von unseren 150 Mitglieder sind 50 nicht einmal Reservisten, also reine „Zivilisten“. Für mich ein deutliches Zeichen dafür, dass wir ein wichtiger gesellschaftlicher Bestandteil unserer Dorfgemeinschaft sind.

Sie sagten, sie seien auch ein geselliger Verein

Weiß:Wir organisieren jedes Jahr das Schafkopfturnier des Kreisverbandes. Mit unserem Patenverein Niederbergkirchen veranstalten wir seit zehn Jahren den Jahresausflug. Bei allen Veranstaltungen der Ortsvereine wie Eisstock- oder andere Meisterschaften sind wir dabei. Und als Kriegerverein veranstalten wir eine Ortsmeisterschaft im Schießen mit scharfer Munition. Nicht, dass wir Jäger wäre – aus rein sportlichem Ehrgeiz.

Wo sehen Sie die Zukunft Ihres Vereins

Weiß:Seit 15 Jahren führe ich den Verein. Davor war ich als Schriftführer und auch als zweiter Vorsitzender tätig. An unseren Zielen hat sich nichts geändert. Der Frieden wird immer ein schützenswertes Gut sein. Das kann man aber nur dann schätzen, wenn man erfährt, wohin Kriege und Gewalt führten und führen. Aber es dient auch dem Frieden, wenn die Jugend bei internationalen Treffen zusammenkommt, wie etwa bei Aktionen der Kriegsgräberfürsorge. Uns wird es noch lange geben. Bei allem Ernst lassen wir den Spaß ja nicht weg. Interview: Karlheinz Jaensch

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