Zwei feindselige Könige in Erharting: Auf den Spuren der Schlacht von 1322

Tom Grassl, Stefan Kafurke und Michael Rieder gewähren einen Einblick in die Ausrüstung und Bewaffnung der Schlacht von Erharting. Padlesak
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Tom Grassl, Stefan Kafurke und Michael Rieder gewähren einen Einblick in die Ausrüstung und Bewaffnung der Schlacht von Erharting. Padlesak
  • vonLeo Biermaier
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Am 28. September 1322 ging es um die rechtmäßige Königswürde. Der Erhartinger Brauchtumsverein zeichnet die Umstände des Gemetzels an der Isen authentisch nach, inklusive 16-lagigem Kettenhemd und Kampfspektakel.

Erharting – Im Hinblick auf den 698. Jahrestag der letzten Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Boden bei Erharting hatte der Brauchtumsverein zu einer Schlachtfeldbegehung eingeladen. Die Hobby-Historiker gaben einen interessanten Einblick in die Zeit von damals – ein Geschichtsunterricht zum Miterleben.

Empfang vom Ritter hoch zu Ross

Die zahlreichen Besucher wurden standesgemäß von einem Ritter hoch zu Ross am Originalschauplatz empfangen. Was folgte, war einerallgemeine Einführung zum Prozedere der Königswahl in Frankfurt am 19. Oktober 1314, bei der kurioserweise zwei Könige gewählt wurden. Von Ungereimtheiten hinsichtlich des Wahlergebnisses war die Rede, aber auch von den Unstimmigkeiten zur Krönung von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich und den sich daraus ergebenen Streitigkeiten, die zur alles entscheidenden Schlacht anno 1322 geführt hatten.

Der Schlachtansage folgte ein Gottesdienst

Der in voller Kettenrüstung agierende Ritter (Leo Biermaier) begab sich anschließend mit den geschichtsinteressierten Gästen auf eine Zeitreise zum 28. September 1322. Dabei erklärte Biermaier, dass Ludwig der Bayer die Schlacht am Vortag, also am 27. September, angesagt hatte und sein Gegner Friedrich der Schöne die Schlacht angenommen hatte. Das „Ansagen“ der Schlacht sollte dem Gegner nach ritterlichem Brauch die Möglichkeit geben, sich für den bevorstehenden Kampf zu rüsten und auch die Möglichkeit bieten den vor jeder Schlacht üblichen Gottesdienst zu feiern.

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Gestärkt durch das heilige Sakrament in den Kampf gezogen

So hatten sich nach einer sternenklaren Vollmondnacht am Dienstag, 28. September, um 6 Uhr früh im jeweiligen Lager die Heerführer zum Gottesdienst versammelt und die Heilige Kommunion empfangen, um gestärkt durch das heilige Sakrament in den Kampf zu ziehen. Kurz vor Beginn der Schlacht ritt Ludwig der Bayer, gefolgt von Herolden, durch die langen Zeltreihen, die sich von Schoßbach bis weit über Stetten hin erstreckt hatten und ermunterte die Ritter und Fußsoldaten zum tapferen Kampfe.

Die Versorgung von 5800 Mann war eine logistische Meisterleistung

Dass ein Kampf nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden wird, sondern auch maßgeblich von der Versorgung der Truppen abhängt, darüber informierte Maria Atzinger als „Chefin“ des Küchentrosses. Zu den etwa 5800 in Waffen stehenden Mannen kam die gleiche Anzahl von Leuten hinzu, die für deren Versorgung zuständig waren. Neben den Rationen für die kämpfenden Einheiten waren auch für die Kampfrösser der Ritter und die Zugtiere der Versorgungseinheiten immense Futtermengen von Nöten. Eine logistische Meisterleistung war da erforderlich.

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Bauern hatten zusätzliche Abgabenlast zu schlucken

Damit dies alles aufrechterhalten werden konnte, kam auf die Bauern eine zusätzliche Abgabenlast zu. Dies interpretierten Thomas Mück und Christian Hans mit ihren noch verbliebenen Habseligkeiten auf einem Leiterwagerl auf Herz zerreißende Weise so eindringlich, dass sich so mancher Besucher fast genötigt sah, ihnen aus Mitleid, einen Euro zu zustecken.

„Untergewand“ diente als wirksamer Schutz vor Schwerthieben und Pfeilspitzen

Danach begaben sich die Besucher zum Mittelpunkt des Schlachtgeschehens, nämlich zur Waffenschau mit den historisch äußerst versierten Rittern Stefan Kafurke, Tom Grassl und Michael Rieder. Die Bewaffnung und Rüstungen der Zeit um 1322 standen hier im Fokus. Interessant: Nicht nur das damals übliche Kettenhemd, sondern auch der darunter getragene Gambeson, ein bis zu 16 Schichten aus Wolle, Roßhaar und Leinen bestehendes „Untergewand“ diente als wirksamer Schutz vor Schwerthieben und Pfeilspitzen diente.

Maria Atzinger informiert über die Verpflegung der kämpfenden Truppe.

Angriffs- und Abwehrgeplänkel zwischen Tom Grassl und Stefan Kafurke

Kettenhemden, Kettenhauben und Topfhelme schützten die Kämpfer vor den Hieb- und Stichwaffen der Gegner. Mit einem kurzen Angriffs- und Abwehrgeplänkel zwischen Tom Grassl und Stefan Kafurke gewannen die Zuschauer einen praktischen Einblick in das Kampfgeschehen von 1322.

16 Schichten unter dem Kettenhemd

Die Taktik der bayerischen Truppen und deren Aufstellung zur alles entscheidenden Schlacht erörterte Michael Rieder anhand der bestätigten Funde von Heimatforscher Herbert Matejka zielgenau.

Und natürlich wurde am Ende auch darüber berichtet, warum Ludwig der Bayer schlussendlich als Sieger aus dieser Schlacht hervorgegangen war. Die Erzählung der durch Papst Johannes verweigerte Kaiserkrönung für Ludwig den Bayern und der Trotzreaktion des Siegers vom 28. September 1322 bildete den Abschluss der heimatgeschichtlichen Exkursion.

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