Zuschüsse hier, Zuschüsse da: Ein ganzes Jahr lang warmer Geldregen für Neumarkt-St. Veit

Die Medaille der Stadt Neumarkt-St. Veit für den „lang-lang-langjährigen Leiter der Volkshochschule Neumarkt-St. Veit überreichte Bürgermeister Erwin Baumgartner (rechts) an Charly Giesdorf (Mitte). Dieser war über 40 Jahre lang das prägende Gesicht der Erwachsenenbildung in der Rottstadt. Treu zur Seite stand ihm in dieser Zeit seine Frau Gisela, die vom Bürgermeister einen Blumenstrauß überreicht bekam. Enzinger

Kindergarten, Freizeitanlage, Mobilfunk, Turnhalle: Die Rottstadt badet im Fördertopf, wie Bürgermeister Erwin Baumgartner bei der Bürgerversammlung im Gasthaus „Poseidon II“ deutlich machte. Er berichtete aber auch, warum ihn gerade denkmalgeschützte Gebäude Kopfzerbrechen bereiten.

Neumarkt-St. Veit – 90 Prozent Zuschuss für den neuen Hort, eine ebensohohe Förderung für den neuen Kindergarten, ein unerwarteter Geldsegen für die alte Turnhalle und dann auch noch eine knappe halbe Million Euro, um die Funklöcher im Außenbereich zu stopfen: Die Stadt Neumarkt-St. Veit versteht es, tief in die vorhandenen Fördertöpfe von Land und Bund zu greifen, um damit die Herausforderungen der Gegenwart zu stemmen. Davon zeugte der Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Erwin Baumgartner bei der Bürgerversammlung im Gasthaus „Poseidon II“. Auf knapp 100 Folien präsentierte er die Maßnahmen, welche die Stadt im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat.

Das wichtigste Thema:die Stadtplatzsanierung. Mit dem Maßnahmenbeschluss eine Woche vor der Bürgerversammlung hat der Stadtrat die Basis geschaffen, auch hier Förderanträge zur Umgestaltung zu stellen. Schon im Frühjahr/Sommer 2020 könnte mit der Umgestaltung begonnen werden, so Baumgartner.

Außentreppe für Oberes Tor zu teuer

Zwei denkmalgeschützte Gebäude bereiten dem Stadtoberhaupt Kopfzerbrechen. Zwar habe der Obere Vormarkt durch den Abriss des Geschäftshauses eine Aufwertung erfahren, auch eine Nutzung der alten Schmiede sei angedacht. Das Haus an der Bahnhofsstraße 1 jedoch sei denkmalgeschützt, ein Abriss deswegen auf Eis gelegt. Ein Zugang zum Turm sei schwierig, „weil dafür nur eine teure Außentreppe in Frage käme“. Aber auch die weitereNutzung der Genossenschaft stehe in den Sternen. „Da waren die Feuerwehren vielleicht ein bisschen zu schnell gekommen. Der Denkmalschutz ist nämlich nach dem Brand geblieben!“ Ein Abriss komme damit nicht in Frage. Bis Monatsende soll zumindest eine Entscheidung über ein Notdach erfolgen.

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Umso mehr freute sich Baumgartner darüber, dass es hohe Zuwendungen für die fälligen Baumaßnahmen im Ort gibt. Bis zu 1,9 Millionen für den Kinderhort, 2,5 Millionen Euro könnten es beim neuen Kindergarten an der Landshuter Straße sein. Knapp die Hälfte der Kosten bekommt die Stadt für den Bau der neuen Freizeitanlage vom Mühldorfer Netz überwiesen. Bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten fließt vom Land in den Kasse der Stadt zurück, nachdem die Schule mit Glasfaser ausgestattet worden ist. Bis nach Bonn fuhren Baumgartner und Co., um rund 125000 Euro an Fördermittel zur Ertüchtigung der kleinen Turnhalle zu erhalten.

729 Straßenleuchten auf LED umgerüstet

Und wenn mal keine Fördertöpfe ausgelöffelt werden können, unternimmt die Stadt selbst Maßnahmen, um den Stadtsäckel zu entlasten: 729 Straßenleuchten wurden in letzter Zeit auf LED umgerüstet. Der Energieverbrauch hat sich damit von knapp 191 000 Kilowattstunden Strom auf mittlerweile 37 500 reduziert. Das schafft finanziellen Spielraum, wenn die Strompreise ab 2020 um rund 127 Prozent in die Höhe schnellen werden.

Viel unternimmt die Stadt, um attraktives Bauland zur Verfügung zu stellen.29 Bauparzellen werden es im Baugebiet „An der Gutenbergstraße“ sein, wo „nur noch drei frei sind, der Rest ist reserviert“. Ab 2020 könne gebaut werden.

Auch das gab es auf der Bürgerversammlung: Stadt belohnt Lernfleiß von Schülern und Berufsabsolventen

Und auch an der Birkenstraße werde Wohnraum geschaffen, unter anderem für den Bau von Wohnblöcken. Baumgartner rechtfertigte diese Entscheidung damit, dass die Stadt Neumarkt-St. Veit bei der Wohnraumverdichtung mit gutem Beispiel voranschreiten müsse.

Kläranlage wird die größte Herausforderung

Bei seinem Blick in die Zukunft sagte Baumgartner, dass die Modernisierung und Sanierung der Kläranlage die wohl größte finanzielle Herausforderung in den nächsten Jahren sein werde.

Um die Verkehrssicherheit, vor allem für Schüler, in der Ludwig-Ganghofer-Straße zu erhöhen, schlug er als Kompromisslösung einen Trampelpfad –ähnlich wie entlang der Weiherstraße – vor. Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern seien vielversprechend verlaufen, so Baumgartner. Für den Radweg nach Feichten kündigte er den Baubeginn im Frühjahr 2020 an. Gleichzeitig soll die Ortsstraße in Feichten saniert werden. Die längst fällige Sanierung der maroden Kellerstraße werde ebenfalls 2020 erfolgen. Und auch einen Brückenbau verkündete Baumgartner: Die neue Bahnüberführung in Hofthambach werde dann 5,5 Meter breit sein. Die Planung läuft und damit verbunden auch das Zuschussverfahren.

60 bis 80 Prozent Zuschuss für Stadtplatzsanierung

Auf Vorschlagzetteln konnten die Zuhörer dann Wünsche und Anregungen äußern. Zur Zuschusssituation für die Stadtplatzsanierung erklärte Baumgartner, dass sich keine genaue Zahl nennen ließe, „wohl zwischen 60 bis 80 Prozent“. Auch über die Kosten eines E-Autos, das im Zuge einerCar-Sharing-Initiative angeschafft werden könne, vermochte Baumgartner noch keine Angaben zu machen. Das Projekt sei in der Anfangsphase. Zu den Plänen in Elsenbach erklärte Baumgartner, dass die Stadt ein Grundstück – knapp 500 Quadratmeter – in der Ortsmitte gekauft habe und diese aufwerten möchte. Konkretes konnte er dazu aber nicht sagen. Dem Vorschlag, die Bürgerversammlung ob des Andrangs zukünftig in den Kulturbahnhof zu verlegen, erteilte Baumgartner eine Absage: „Die hiesigen Wirte sollen schließlich auch etwas verdienen!“

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