Von zuckersüß bis Aschenbecheraroma

Die Whisky-Freunde laden auch 2016 zur Tumbler-Night nach Niederbergkirchen ein. Die Veranstaltung 2015 war ein großer Erfolg, von knapp 100 interessierten Leuten, die sich zum Teil richtig gut auskannten wie Obertumbler Michael Haslwimmer (Dritter von links) berichtet. Die Tumbler-Night findet am 9. Januar statt. je
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Die Whisky-Freunde laden auch 2016 zur Tumbler-Night nach Niederbergkirchen ein. Die Veranstaltung 2015 war ein großer Erfolg, von knapp 100 interessierten Leuten, die sich zum Teil richtig gut auskannten wie Obertumbler Michael Haslwimmer (Dritter von links) berichtet. Die Tumbler-Night findet am 9. Januar statt. je

Sie treffen sich einmal im Quartal, um zu fachsimpeln, sich auszutauschen und auch, um sich mit Neuerwerbungen zu überraschen: Die Whisky-Tumbler aus Niederbergkirchen sind ein Stammtisch von zwei Hand voll Leuten, die ihr Interesse ganz dem hochprozentigen Getränk widmen, das seinen Ursprung auf den irischen und schottischen Inseln hat. Niederbergkirchen.

Einmal im Jahr laden sie zur Tumbler-Night, um ihr Wissen und Kostproben ihrer Sammlung von 200 Whiskys auch der Öffentlichkeit zu präsentieren.

– „Farbe und Geschmack passen nicht zusammen“, urteilt mit kritischem Blick Michael Bichlmaier über den zwölf Jahre alten Tomintoul, ein Single Malt aus den schottischen Highlands, der etwas zu hell erscheint. Zu hell deswegen, weil die Lagerung in einem Portweinfass eine dunklere Farbe vermuten ließe, wie ihm Michael Haslwimmer beipflichtet. Auch sonst offenbaren die acht Männer im Haus des „Obertumblers“ Michael Haslwimmer mit erstaunlichem Wissen über Whisky. Nur einer, Martin Kagerer, grinst: „Wir fachsimpeln gerne, auch wenn wir nichts davon verstehen“.

Das ist natürlich tiefgestapelt. Zwar treffen sich die Whisky-Freunde aus Niederbergkirchen nur einmal im Quartal, doch die Runde verfügt über ein fundiertes Wissen zu Single Malt, Bourbon und Blend.

Dieses Wissen ist über die Jahre gereift, seit sich die Runde zum ersten Mal 2007 getroffen hat, um verschiedene Whiskys auszutesten. „Früher haben wir beim Fortgehen Whisky-Cola getrunken. Irgendwann haben das Cola weggelassen, weil uns das zu süß war“, erklärt Michael Haslwimmer, den sie „Obertumbler“ nennen. Er ist der Vorsitzende dieses Kreises von elf Personen aus Niederbergkirchen, die den Genuss von Whisky entdeckt haben. „Es ist nicht so, dass wir uns treffen und uns dann die Birne zuknallen“, betont Haslwimmer mit ernster Miene gleich zu Beginn. Tatsächlich nippen sie auch an diesem Abend, als der Tumbler-Chef zu sich nach Hause einlädt, nur an den Hochprozentigen, schmeicheln nach einem gemeinsamen „Cheers Tumbler!“ mit dem Hochprozentigen ihrem Gaumen, um anschließend den Geschmack mit Wasser oder trockenem Brot zu neutralisieren. Schließlich gilt es wieder die Sinne zu öffnen für das Gersten-Destillat, das aus mindestens 40 Prozent Alkohol zu bestehen hat, um ein Whisky zu sein. Die Tumbler, also die Gläser (siehe Kasten), werden fingerdick gefüllt und anschließend gegen den Uhrzeigersinn zum Verkosten weitergegeben. „In Bayern gehen die Uhren andersrum, das gilt auch für die Verköstigung“, klärt Hasl wimmer über diese Regel auf, die sogar in der Satzung der Whisky-Freunde so manifestiert ist. Eine andere Regel besagt, dass Neumitglieder nur bei 100-prozentiger Zustimmung der bisherigen Mitglieder aufgenommen werden dürfen. Ein Mischen mit Cola ist verpönt, ebenso sind Eiswürfel tabu, „weil diese den Whisky verwässern würden“, fügt Kagerer erklärend hinzu. Wer seinen Whisky – er sollte eigentlich Zimmertemperatur haben – trotzdem kalt trinken will, der benützt sogenannte Kühlsteine. Das sind Würfel, die man bei Bedarf aus dem Kühlfach holt.

Das tut an diesem Abend aber von den acht niemand. Sie achten eher darauf, dass bei der Verköstigung der Whisky-Sorten auf die richtige Reihenfolge geachtet wird. Ein Likör etwa, der wird wegen seiner Süße hinten angestellt. „Da machen die Geschmacksnerven auf der Zunge zu“, warnt Obertumbler. Man dürfe auch nicht den Fehler begehen, die Verkostung mit einem torfig-rauchigen Whisky zu beginnen. „Den muss man zum Schluss trinken, weil das intensive Aroma alles andere übertünchen würde“, weiß Martin Kagerer.

Schon eine erste Geruchsprobe des zehnjährigen Single Malt aus dem Hause Ardbeg wirkt auf den Laien abschreckend: Wie ein kalter Aschenbecher, das bescheinigen auch die acht Verkoster, „und doch ist dieser Whisky der krönende Abschluss eines Whisky-Abends“, versichert Martin Kagerer.

Doch so weit ist es noch nicht. Klar: Von den knapp 200 verschiedenen Whiskys, die sich im Besitz der Whiskey-Freunde befinden, kommt an diesem Abend nur eine Auswahl von zehn Flaschen auf den Tisch. Anders bei der Tumbler-Night, welche die Niederbergkirchen inzwischen regelmäßig, einmal im Jahr beim Schützenwirt abhalten. Da wird beim sogenannten „Tasting“ das ganze Sortiment aufgefahren. Für einen Unkostenbeitrag kann man dann probieren. „Die Resonanz in diesem Jahr war groß“, freute sich Haslwimmer über knapp 100 Leute, die im Januar 2015 zum Testen kamen. Durchschnittsalter: etwa 30 Jahre. „Gut 20 Prozent davon kannten sich richtig gut aus, verfügten über fundiertes Whisky-Wissen. Die anderen beraten wir gerne“, sagt Hasl wimmer, der schon jetzt wieder zur nächsten Tumbler-Night einlädt. Am Samstag, 9. Januar, findet diese beim Schützenwirt statt (Beginn ab 19 Uhr).

Ein Single Malt aus Schottland, ein Bourbon aus den USA, ein Blend aus Irland. Diese Herkunftsländer kennt auch der Laie. Dabei haben die Whisky-Freunde aus Niederbergkirchen auch Hochprozentiges aus Indien, Kanada und Japan im Programm. Was den Unwissenden überrascht: Selbst aus Österreich und Bayern kann man wählen. Martin Kagerer nennt die Firma Slyrs vom Schliersee, die seit der Jahrtausendwende die Produktion betreibt. Die verfügten zwar noch nicht über die Erfahrung einer Jahrhunderte alten Destillerie, wie sie in den schottischen Highlands zu Hause ist. Und doch findet Kagerer, dass sich darin auch der Zeitgeist spiegelt: Der Whisky-Genuss ist im Kommen. Dies erkenne man inzwischen auch am mittlerweile erweiterten und spezialisierten Angebot in größeren Warenmärkten in der Region. Die Niederbergkirchener holen sich dafür ihr Wissen aus Fachzeitschriften und aus You-Tube-Videos des Experten Horst Lünig, der am Starnberger See wohnt.

Qualität, da sind sich die Whisky-Freunde einig, erkennt man nicht alleine am Preis. In ihrer Sammlung findet man einen Scotch von Grant‘s zu 17 Euro genauso wie einen 30-jährigen Glenfiddich Single Malt, für die man auch schon mal knapp 300 Euro hinblättert. Weggeschüttet wird nichts, selbst wenn das Getränk nicht zusagt. „Schlechtestenfalls steht er halt dann länger im Regal“, lacht Michael Bichlmaier.

Weggeschüttet wird auch bei diesem Treffen nicht. Bis Mitternacht sitzt man zusammen, es wird fachgesimpelt, probiert und man testet sein Wissen bei einer finalen Blindverkostung, bei der es so manche Überraschung mit den unterschiedlichsten Ergebnissen gibt. Einig sind sich dann alle wieder, was den Heimweg betrifft. Selbst Auto zu fahren ist tabu. Es kommt natürlich das Taxi – oder die liebe Ehefrau steigt nach Mitternacht ins Auto, um die bessere Hälfte abzuholen. „Ist ja nur einmal im Vierteljahr“, meint dazu Martin Kagerer augenzwinkernd.

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